Analyse

So hilft die Videosprechstunde bei der Bekämpfung des Coronavirus

(Foto: Shutterstock)

Mit der Berichterstattung über das Coronavirus steigt auch die Unsicherheit in der Bevölkerung und die Befürchtung, sich in überfüllten Wartezimmern erst recht was einzufangen. Abhilfe schaffen könnten hier Videosprechstunden.

Kein anderes Thema beherrscht die Medien derzeit so sehr wie das Coronavirus. Nach der ersten Krankheitswelle in Bayern, die hauptsächlich von dem Autozulieferer Webasto ausging, werden jetzt auch in anderen Bundesländern immer mehr Fälle bekannt, und inzwischen sind die ersten Auswirkungen im Alltag deutlich spürbar: Großveranstaltungen wie die Internationale Tourismusbörse in Berlin werden abgesagt, die Supermarktregale sind vielerorts wie leer gefegt und auch die Industrie gerät zunehmend ins Wanken.

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Von Dosensuppen über Desinfektionsmittel bis hin zum Mundschutz decken sich die Deutschen angesichts der scheinbar drohenden Gefahr ein und der Handel kommt kaum noch hinterher. Trotzdem ist die Panik noch nicht so groß, wie man vielleicht denken könnte.

Laut ARD-Deutschlandtrend ist nur bei zehn Prozent der deutschen Bevölkerung die Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus, das medizinisch auch als SARS-CoV-2 bezeichnet wird, groß bis sehr groß. Die Mehrheit (58 Prozent) hat eher weniger Bedenken und 82 Prozent der Befragten gaben an, die deutschen Behörden und Gesundheitseinrichtungen hätten ihrer Meinung nach die Situation gut unter Kontrolle. Ein epidemieartiger Ausbruch wie der ins Heinsberg scheint für viele also noch weit weg. Doch eine Frage bleibt: Wie ist zu handeln, wenn tatsächlich der Verdacht einer Ansteckung besteht?

Risikofaktor Wartezimmer

Der Gang zum Arzt ist da für viele so natürlich wie naheliegend. Das Bundesministerium für Gesundheit rät im Falle eines Corona-Verdachts aber ausdrücklich davon ab und auch manche Ärzte weisen inzwischen darauf hin, dass Patienten mit starken Erkältungssymptomen, die Kontakt zu einem Infizierten hatten oder sich vor Kurzem in einem der bekannten Krisengebiete aufgehalten haben, ihre Praxis nicht betreten dürfen.

Das Problem: Da das Virus per Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen wird, ist die Ansteckungsgefahr in den Wartezimmern extrem hoch und schon ein unbedachter Nieser hat das Potenzial, auch alle anderen wartenden Patienten mit SARS-CoV-2 anzustecken. Um dieses Risiko zu umgehen, wird stattdessen empfohlen, telefonisch Kontakt zu einem Arzt aufzunehmen.

Noch effektiver ist allerdings eine Videosprechstunde – und um diese allen Praxen zu ermöglichen, stellt der Online-Anbieter Arztkonsultation.de seine Software dauerhaft kostenlos zur Verfügung. Seit 2014 ist die zertifizierte Videosprechstunde von Arztkonsultation.de in den verschiedensten Bereichen der Gesundheitsversorgung im Einsatz und wird beispielsweise von niedergelassenen Ärzten, Kliniken und Psychologen zur Behandlung ihrer Patienten genutzt. In der Theorie ist die Fernbehandlung per Video in Deutschland bereits seit 2018 möglich, tatsächlich machen bisher jedoch nur wenige Ärzte davon Gebrauch und auch dem deutschen Verbraucher war diese Methode bisher noch eher suspekt. Im Rahmen einer Statista-Umfrage gaben im Sommer 2019 nur 22 Prozent an, die Videosprechstunde nutzen zu wollen. Dies könnte sich jetzt jedoch ändern.

„Als Anbieter einer Videosprechstunde stehen wir in der Verantwortung, einen bestmöglichen Beitrag zur Bekämpfung des Coronavirus zu leisten. Niemand weiß, wie lange diese Krise dauert, deshalb ist unser Angebot ausdrücklich nicht auf wenige Monate beschränkt, sondern für die gesamte Dauer der Krise gültig“, sagt der Arztkonsultation.de-Geschäftsführer Peter Zeggel. Gesetzlich Versicherte können diesen Service stets kostenfrei nutzen, bei Privatärzten könnten allerdings höhere Kosten anfallen.

China setzt auf die Videosprechstunde

Im Ausland wird diese digitale Form der Sprechstunde bereits flächendeckend eingesetzt, um gegen SARS-CoV-2 vorzugehen – so beispielsweise auch in China, dem Land, in dem der neuartige Virus seinen Ursprung hat. Der Pekinger Arzt Liu Yafeng bietet schon seit Langem Videosprechstunden an und behandelt auf diesem Wege bis zu 200 Patienten täglich.

Seit dem Ausbruch des Coronavirus wird er vor allem von Menschen aus der Krisenregion Hubei kontaktiert, die befürchten, sich angesteckt zu haben. „Patienten mit Symptomen, die eine Nachuntersuchung erfordern, sind tatsächlich eher selten. Ich gehe mit ihnen zunächst alle Coronavirus-Symptome durch, die in fünf Seiten aufgeführt sind, die von der Regierung herausgegeben wurden. Bei den meisten kann ich eine Ansteckung bereits dadurch ausschließen und ihnen direkt mitteilen, dass sie definitiv nicht infiziert sind“, berichtet er in einem Interview mit der South China Morning Post. Dadurch könne verhindert werden, dass Massen von Menschen in die Krankenhäuser strömen und sich schlimmstenfalls gegenseitig anstecken.

Derzeit ist noch nicht absehbar, wie lange die Krise um das Coronavirus andauern wird. Die Gefahr ist für den Einzelnen zwar nach wie vor gering, trotzdem sollte man die Lage nicht unterschätzen. Nicht umsonst hat die EU den Fall Corona neu bewertet und stuft das Risiko, dass der Virus sich flächendeckend in ganz Europa ausbreitet, jetzt moderat bis hoch ein.

Grundnahrungsmittel wie Nudeln zu bunkern, kann nicht die Lösung sein, so viel ist klar. Besser ist es, simple Vorkehrungen – wie beispielsweise das Niesen in die Armbeuge sowie häufiges und vor allem gründliches Händewaschen – strikt einzuhalten, so Hygiene-Expertin Gastmeier auf der Website des Bundesgesundheitsministeriums. Wer kann, meidet außerdem große Menschenmassen oder bleibt ganz zu Hause, wenn das möglich ist. Die Videosprechstunde ist dabei ein wichtiger Baustein, der per Fernbehandlung dazu beitragen kann, dass sich die Ausbreitung von SARS-CoV-2 in Grenzen hält. Ausgerechnet die gegenwärtige Krisensituation könnte jetzt also dafür sorgen, dass die Akzeptanz bei Ärzten und Patienten gegenüber der Videosprechstunde rasant steigt und künftig zur Normalität gehört – auch ganz ohne Coronavirus.

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