Alle neuen Huawei Watch GT 2 im Überblick. (Foto: Huawei)
Erneut nutzte das chinesische Technologieunternehmen sein Mate-Event, um nicht nur die neuesten Top-Smartphones – das Mate 30 und Mate 30 Pro –, die ohne Google-Dienste nach Europa kommen müssen, vorzustellen. Auch in diesem Jahr brachte Huawei zwei Smartwatch-Modelle mit, die nach der letztjährigen Watch GT und dem Nachfolger Watch GT Active nun auf den Namen Watch GT 2 hören.

Watch GT 2 42 mm Night Black. (Foto: Huawei)
Die Huawei Watch GT 2 wird weiterhin in einer Version mit 42-Millimeter-Gehäuse und einer mit 46-Millimeter-Gehäuse angeboten und basiert nach wie vor auf Huaweis Lite-OS, dem Betriebssystem, das auch die Vorgänger antreibt. Wie bisher soll der Akku des kleineren Modells eine Woche und der Akku des größeren Modells zwei Wochen halten. Dabei wird das neue Modell den Akku jedoch stärker strapazieren als es bisher der Fall war.
Watch GT 2: Das ist anders oder neu
Denn einige wenige bedeutende Neuerungen gegenüber den bisherigen Modellen gibt es. Dazu gehört die Verfügbarkeit eines Musikplayers mit Headset-Bluetooth-Anbindung und Speicherplatz für bis zu 500 Songs auf dem 46-Millimeter- und 250 auf dem 42-Millimeter-Modell. Die Übertragung erfolgt über den USB-Anschluss, Musik-Provider wie Spotify und andere werden nicht unterstützt.
Ebenso bringt die GT 2 einen Lautsprecher und ein Mikro mit, so dass ihr mit der Watch telefonieren könnt, wenn das gekoppelte Smartphone nicht außerhalb der Bluetooth-Reichweite liegt. Die Telefon-Kontakte aus eurem Adressbuch werden dabei auf die Uhr gespiegelt.
Als Uhrenglas setzt Huawei auf ein 3D-Glas mit einem rahmenlosen Design und gekrümmtem Glas bei der 46-Millimeter-Version. Das kleinere Modell wird weiterhin von einer Metall-Lünette eingefasst, die allerdings schmaler als bislang ist. So wird erreicht, dass sowohl das kleinere Modell mit einem Gewicht von nur noch 29 Gramm, wie auch das größere Modell mit einem Gewicht von 41 Gramm um 7 respektive 5 Gramm leichter als die jeweilige Vorversion ist.
Erstmals setzt Huawei für ein Wearable den eigens entwickelten Kirin-A1-SoC (System-on-a-Chip) ein, der einen Bluetooth- und Audio-Prozessor mit einer extrem niedrigen Stromaufnahme und einem separaten Energiemanagement vereint.
So ausgestattet soll die Uhr konstante Herzfrequenzmessung, Schlafmonitoring und Anrufbenachrichtigung, bis zu 30 Minuten Bluetooth-Anrufe sowie 30 Minuten Musikwiedergabe und bis zu 90 Minuten Trainingsmodus pro Woche schaffen. Das größere Modell hält so nach Unternehmensangaben zwei Wochen, das kleinere immerhin eine Woche durch. Der eingebaute optische Pulssensor soll nun auch beim Schwimmen Pulswerte liefern.

Watch GT 2 46 mm Sunset Orange. (Foto: Huawei)
Sportler sollen im GPS-Modus 30 (46 mm), respektive 15 Stunden (42 mm) trainieren können. Dabei unterstützt die Watch GT 2 indes nur noch GPS und Glonass. Auf das bislang unterstützte Galileo müssen Nutzer bei der GT 2 verzichten.
Der proprietäre Huawei-Algorithmus namens TruRelax soll nun auch auf der Watch GT 2 Stresszustände ermitteln und Tipps geben, wie Nutzer damit umgehen gehen können. TruRelax war bislang nicht auf den GT-Uhren verfügbar.
Ebenfalls neu ist, dass es die Watch GT 2 in verschiedenen Farben und Gehäuse-Armband-Kombinationen gibt. So ist für jeden Geschmack was dabei. Wer nicht das richtige Armband findet, nimmt einfach ein beliebiges 20- respektive 22-mm-Band aus dem Sortiment der diversen Händler.
Watch GT 2: Was gleich geblieben ist
Im Übrigen findet sich die gleiche Funktionalität wie bisher. Die Touch-Displays sind weiterhin OLED-Panels. Das kleinere der beiden kommt in 1,2 Zoll mit einer Auflösung von 390 x 390 Pixeln, die größere Variante kommt mit einem 1,39 Zoll großen Display mit einer Auflösung von 454 x 454 Pixeln. Damit sind die beiden Bildschirme exakt identisch zu denen bisheriger Baureihen.
Eine Schwäche der Vorgänger hat die GT 2 ebenso übernommen. Die Smart Notifications auf der Watch GT waren schon immer kaum zu gebrauchen. Das ist so geblieben. Nachrichten können auf der Watch nicht beantwortet werden, die Darstellung ist rudimentär.
Weiterhin unterstützt die Watch GT 2 15 verschiedene Trainingstypen, darunter auch Triathlon und Schwimmen. Mit 13 Laufkursen will die Uhr Läufern zu Trainingseffekten verhelfen. Schwimmtraining ist nicht zu empfehlen, denn auch die Watch GT 2 ist mit ihrer 5-ATM-Spezifikation nach DIN an sich nur zum Baden, Duschen oder Händewaschen geeignet. Für das Schwimmen bedürfte es einer 10-ATM-Tauglichkeit.
Ansonsten bietet die Huawei Watch GT 2 die gleichen Firstbeat-Features wie die Vorgänger. Die Algorithmen des Analyse-Experten aus Finnland gelten als eine Art Goldstandard unter Sportlern. So nutzt etwa auch der Marktführer Garmin Firstbeat-Algorithmen in großem Umfang. Der Einsatz von Firstbeat auf vergleichsweise günstigen Uhren wie der Watch GT und ihren Nachfolgern überrascht nach wie vor.
Weitgehend identisch sind auch die unverbindlichen Preisempfehlungen, die für das 42-mm-Modell von 199 bis 249 Euro und für das 46-mm-Modell von 229 bis 279 Euro reichen. Bislang haben sich die UVP am Markt indes stets schnell nach unten bewegt. Der Kauf der Watch GT 2 zum Marktstart sollte daher wohlüberlegt sein.
Zwar ist die Watch GT 2 nun in der Lage, Bluetooth zu verwenden, um damit zu telefonieren oder Musik zu hören. Da sie sich als Sportuhr positionieren will, wäre es indes wichtiger gewesen, eine Möglichkeit der Kopplung externer Herzfrequenzbänder wie Polars H10 oder anderer anzubieten, um die Firstbeat-Algorithmen auch wirklich nutzen zu können. Diese basieren sämtlich auf die ein oder andere Art auf der Pulsfrequenz und gerade hier haben die Vorgänger der Watch GT 2 absolute Schwäche gezeigt.
Ich habe selbst mit der GT trainiert und dabei nicht annähernd realistische Pulsfrequenzen angezeigt bekommen. Während die Messungen in alltäglichen Situationen stets mit denen meiner Garmin übereinstimmten, brach die Messgenauigkeit beim Laufen in sich zusammen. Bei echten 160 Schlägen pro Minute kam die Watch GT nie über 120. Das ist nicht nur in der konkreten Trainingssituation inakzeptabel, auch alle darauf aufsetzenden Analysen zu VO2max und anderen sind dann nicht zu gebrauchen.
Ebenso vermisse ich NFC mit der Möglichkeit, ein Bezahlverfahren auf der Uhr zu verwenden. Das kann inzwischen jede Wear-OS-Uhr, jede Apple-Watch, nahezu jede Garmin, aber auch günstige Fitness-Uhren, wie die Fitbit Ionic oder die Versa-Reihe. Hier hätte Huawei mit NFC mehr Praxisnutzen geschaffen als mit einer komplizierten Musikübertragungsmöglichkeit, die einen zehn Jahre alten MP3-Player innovativ erscheinen lässt.
Das Tragische ist, dass die Watch GT 2 wieder fantastisch aussieht und ein brilliantes Display besitzt, das man gerne benutzt. Bloß, wenn die Funktionen entweder nicht das Versprochene bieten oder gar nicht erst vorhanden sind, nützt die hübscheste Uhr nichts.
Dieter Petereit
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