Analyse

Ikea und Amazon: Wie die Möbelbranche den Onlinehandel forciert

Die Deutschen kauften 2016 online Möbel und Haushaltswaren im Wert von 4,6 Milliarden Euro. (Foto: Ikea)

Amazon präsentiert zwei Eigenmarken mit skandinavisch angehauchten Möbeln und Ikea denkt über eine Möbelplattform nach. Wachsen jetzt die großen Möbelhändler zusammen?

Der Möbelmarkt war aus Sicht der Onlinehändler über Jahre hinweg ein problematischer: Schon aus logistischen Gründen, weil es teuer ist, die Ware zu verschicken. Und weil das Gewähren eines Rückgaberechts ein Verlustgeschäft für alle Beteiligten ist, kam der Möbelhandel online nicht wirklich in Schwung. Home24, Segmüller, Möbelgünstiger und Aktionswarenvertreiber wie Westwing gibt es zwar, doch gerade Branchenriesen wie Ikea zögerten über viele Jahre oder sorgten mit horrenden Versandkosten dafür, dass der Kunde in die Filiale kommt und seine Pakete gefälligst selbst nach Hause fährt.

Bei Amazon gab es Möbel und Home-Accessoires bisher hauptsächlich über den Marketplace – ein durchaus gutes Geschäft beispielsweise für einige Lampenhändler und Vertreiber von Kleinmöbeln und ein noch besseres Geschäft für die Händler, die Möbel und Kleinartikel von Ikea vertreiben, die das schwedische Möbelhaus im eigenen Store selbst nicht oder nur teuer zum Kunden brachte.

Amazon startet Möbel-Labels Movian und Alkove

Jetzt zieht Amazon nach: Der Onlinehändler hat in dieser Woche zwei Möbellinien im Eigenvertrieb angekündigt, deren Design „skandinavisch inspiriert“ sein soll. Das Sortiment der Amazon-Produktlinien solle zu gegebener Zeit um weitere Accessoires, etwa Lampen oder Wohntextilien, erweitert werden. Auch hier arbeitet Amazon wieder mit Eigenmarken, die erst einmal keine Rückschlüsse auf das Unternehmen selbst zulassen, aber in vielen Produktgruppen inzwischen üblich sind. Neben der Marke Movian bietet Amazon eine Premium-Line unter dem Namen Alkove. Gänzlich neu ist das nicht – in den USA sind eigene Möbelmarken bereits bei Amazon.com zu finden und neben Deutschland startet man auch in einigen anderen europäischen Ländern.

Das Sortiment von Movian ist sowohl preislich als auch optisch irgendwo zwischen den günstigeren Ikea-Möbeln und den Möbeln der übrigen bekannten Billigmöbelhäusern anzusiedeln, während Alkove sowohl in Hinblick auf die Materialien als auch auf die Anmutung deutlich wertiger wirkt und preislich eher oberhalb der Ikea-Range spielt. Natürlich handelt es sich bei den hier vertriebenen Eigenmarken um Auftragsware – vertrieben werden unter dem Namen Alkove offenbar unter anderem Möbel des Produzenten Spinvalis.

Ist das Ganze eine Kampfansage an Ikea? Ja und nein. Denn einerseits sehen einige der Möbel von Amazon den skandinavischen Vorbildern schon recht ähnlich, doch auch Ikea ist ja nicht zimperlich, wenn es um das kreative Anlehnen an bekannte und beliebte Designermöbel geht. Andererseits reagiert Ikea gewohnt souverän: Man freue sich, wenn der Wohnstil der Skandinavier hier Verbreitung findet. Die Skandinavier und insbesondere die Schweden seien ja für eine besondere Wohnkultur bekannt, zitiert die FAZ die schwedische Möbelkette.

Ikea und Amazon: Alle miteinander und als Plattform

Doch das ist nicht die einzige Meldung in dieser Woche, die zeigt, dass sich im Onlinemarkt für Möbel demnächst einiges ändern könnte: Nach den Worten des Chefs der niederländischen Ikea-Holding Torbjorn Loof könne man sich den Aufbau einer Branchenplattform, vergleichbar mit Zalando, vorstellen. In einem solchen „Zalando für Möbel“ könne man erweiternd Produkte anderer Marken anbieten. Umgekehrt wolle man auch auf Portalen wie Amazon oder dem chinesischen Alibaba Präsenz zeigen. Das dürfte insbesondere im Fall von Amazon all jenen Dritthändlern nicht schmecken, die immer noch mit mehr oder weniger ordentlichen Aufpreisen Ikea-Produkte auf der Plattform verkaufen.

Es sei im Großen und Ganzen sicher, dass sich etwas Entsprechendes in den nächsten fünf bis zehn Jahren entwickeln werde. Nähere Angaben zu Details und zeitlichem Rahmen machte Loof noch nicht. Möglicherweise sind das alles bisher auch eher Gedankenspiele, ohne dass es konkrete Pläne gibt. Denkbar ist aber auch, dass Ikea hier mit einem anderen großen Händler zusammengeht, der nach Möglichkeit das Ikea-Sortiment gut ergänzt, aber eben nicht konterkariert.

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Ein Kommentar
Ulrich Malessa

Wenn Möbel nun auch Teil der Internet-Ökonomie werden und bald zu den schnell drehenden Konsumartikel gehöhren, dann werden die Herausforderungen beim Schutz natürlicher Ressourcen noch größer. Was tut Amazon, home24 und Co. denn bei Nachhaltigkeit? Immer günstiger und immer bequemer könnte dann heissen immer schädlicher (Verbrauch von Waldressourcen). Otto, größter Online-Möbelhändler in Deutschland, hat sich zum Ziel gesetzt bis 2025 alle Wohnmöbel mit dem FSC-Nachhaltigkeitszeichen möglich zu machen, Ikea bereits bis zum Jahr 2020. Kann jemand mal Amazon und anderen Internet-Vorreitern mal die Frage stellen, ob sie nachhaltigen Konsum möglich machen und dem Verbraucher helfen für ihn/sie und die Erde gute Entscheidungen zu treffen?

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