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Infos vom Verfassungsschutz? Flüchtiger Wirecard-Manager angeblich FPÖ-Informant

Die Firmenzentrale von Wirecard in München. (Foto: dpa)

Der nach dem Wirecard-Skandal untergetauchte Ex-Manager des Zahlungsdienstleisters, Jan Marsalek, soll Infos aus dem österreichischen Verfassungsschutz an die FPÖ weitergegeben haben.

Jan Marsalek gilt neben Ex-Vorstandschef Markus Braun als Schlüsselfigur im Skandal um den Zahlungsdienstleister Wirecard. Laut Spiegel Online steht Marsalek im Verdacht, die Bilanzsumme und das Umsatzvolumen von Wirecard aufgebläht zu haben. In der Jahresbilanz des Unternehmens fehlen 1,9 Milliarden Euro – die wohl futsch sind. Jetzt wurde bekannt, dass Marsalek, der nach Bekanntwerden des Skandals fristlos entlassen worden und anschließend untergetaucht war, die FPÖ mit Informationen aus dem österreichischen Verfassungsschutz versorgt haben soll.

Ex-Wirecard-Manager im Fokus

Einem Bericht der österreichischen Tageszeitung Die Presse zufolge soll Marsalek über einen Mittelsmann vertrauliche Informationen aus dem Bundesamt für Verfassungsschutz (BVT) und dem Innenministerium an die rechtspopulistische FPÖ weitergegeben haben. In der Folge soll dies letztendlich den Skandal um das BVT ausgelöst haben, bei dem die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) im Februar 2018 eine nächtliche Hausdurchsuchung im Verfassungsschutz vorgenommen hatte.

Involviert gewesen sein soll damals auch das Kabinett des FPÖ-Innenministers Herbert Kickl. Die von angeblichen Belastungszeugen hervorgebrachten Vorwürfe hatten sich später überwiegend als haltlos erwiesen. So sollen Beamte des Verfassungsschutzes südkoreanischen Geheimagenten nordkoreanische Passrohlinge beschafft haben. Im Anschluss an die Razzia war eigens ein Untersuchungsausschuss eingerichtet worden. Kritiker warfen der FPÖ vor, mit der Aktion vor allem den ihr wegen Ermittlungen gegen Rechtsextreme unbequemen Verfassungsschutz unterminieren zu wollen, wie ORF.at schreibt.

Ibiza-Affäre enthüllt möglichen Informanten

Die Informationen über Marsalek sollen übrigens aus SMS-Chatprotokollen zwischen Ex-FPÖ-Politiker Johann Gudenus und dessen Vertrauten Florian S. stammen, wie Die Presse schreibt. Demnach sei dort ein „Jan“ als Quelle für heikle Informationen aus dem Innenministerium aufgetaucht. Gudenus‘ Mobiltelefon war im Sommer 2019 im Zuge der Ermittlungen zur sogenannten Ibiza-Affäre von österreichischen Ermittlungsbehörden beschlagnahmt worden.

Das österreichische Innenministerium hat erklärt, dass es im Fall Marsalek ermitteln wolle. Allerdings schloss die Behörde aus, dass Marsalek unter seinem echten Namen als Informant tätig war. Allerdings soll sich der Ex-Wirecard-Manager in Großbritannien mit dem Besitz von Geheimdokumenten gebrüstet haben, wie die Financial Times schreibt. Bei einem Treffen mit Mitgliedern der Finanzbranche soll er demnach ein Dokument herumgezeigt haben, das die Formel für das Nervengas Nowitschok enthalten haben soll. Damit waren im Jahr 2018 der russische Ex-Doppelagent Sergej Skripal und seine Tochter im britischen Salisbury angegriffen worden. Wirecard wollte sich laut dem Spiegel zu den Vorwürfen gegen Marsalek nicht äußern.

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