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Kolumne

Wie Karl Marx das Google-Phänomen beschrieben hat

Karl-Marx-Statue in Trier. (Foto: dpa)

2018 ist Marx-Jahr. Der Ökonom, politische Aktivist und Philosoph wird als Visionär gefeiert und als Wegbereiter totalitärer Systeme verflucht. Spannend ist: In der Digitalwirtschaft gilt vieles, was er am Kapitalismus beobachtete, verstärkt. Die Neuland-Kolumne.

200 Jahre nach der Geburt von Karl Marx und fast 30 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer dominiert Karl Marx wieder die Medien. Er wird gefeiert und gehasst, vor allem aber wird immer wieder seine Relevanz für die heutige Zeit betont, selbst von wirtschaftsnahen Medien von Economist bis Handelsblatt.

Festzuhalten bleibt: Wenn auch sein Lösungsvorschlag für die soziale Frage seiner Zeit zu Diktaturen und wirtschaftlichem Kollaps führte – seine Beschreibung des Kapitalismus, seiner Triebkräfte und seiner Probleme liest sich auch heute noch erstaunlich modern.

Beispiel gefällig?

„Das Bedürfnis nach einem stets ausgedehnteren Absatz für ihre Produkte jagt die Bourgeoisie über die ganze Erdkugel. Überall muss sie sich einnisten, überall anbauen, überall Verbindungen herstellen. Die Bourgeoisie hat durch ihre Exploitation des Weltmarkts die Produktion und Konsumtion aller Länder kosmopolitisch gestaltet. […] An die Stelle der alten lokalen und nationalen Selbstgenügsamkeit und Abgeschlossenheit tritt ein allseitiger Verkehr, eine allseitige Abhängigkeit der Nationen voneinander. Und wie in der materiellen, so auch in der geistigen Produktion. Die geistigen Erzeugnisse der einzelnen Nationen werden Gemeingut. Die nationale Einseitigkeit und Beschränktheit wird mehr und mehr unmöglich, und aus den vielen nationalen und lokalen Literaturen bildet sich eine Weltliteratur.“

Das schreiben Karl Marx und Friedrich Engels in ihrem Kommunistischen Manifest von 1848 – eine Beschreibung der frühen Globalisierung, die bis heute anhält.

Es ist offensichtlich, dass das Internet als große Vernetzungsmaschinerie diese von Marx und Engels bereits beschriebenen Triebkräfte der Globalisierung noch verstärkt hat. Weniger offensichtlich ist allerdings, dass Marx viele Phänomene, die erst durch die Digitalwirtschaft ihre volle Relevanz entfaltet haben, bereits vorwegnahm.

Marxismus im Schnelldurchlauf

Um das zu verstehen, gehen wir einmal im Schweinsgalopp durch die marxistische Theorie: Marx sieht die westlichen Industrienationen zu seiner Zeit in zwei sich gegenüberstehende Klassen gespalten – die abhängig beschäftigten Lohnarbeiter und die Klasse der Kapitalisten, die die Produktionsmittel (Fabriken et cetera) und den Boden besitzt.

Marx sieht hier einen Widerspruch zwischen den Produktionsfaktoren Kapital und Boden auf der einen und Arbeit auf der anderen Seite. Der Kapitalist hat ein Interesse an einem möglichst hohen Profit. Dieser wird erreicht, indem die Differenz zwischen dem, was ein Arbeiter kostet und dem, was das Produkt kostet, das dieser herstellt, möglichst hoch ausfällt. Diese Differenz zwischen Arbeitslohn und dem Preis der fertigen Produkte, die ein Arbeiter herstellt, nennt Marx den Mehrwert.

In der Theorie von Marx wird der Mehrwert wird vom Arbeiter erwirtschaftet und vom Kapitalisten abgeschöpft. Je stärker der Kapitalist den Arbeitslohn drückt, desto größer wird der Mehrwert und damit der Profit. Je mehr Profit der Kapitalist erwirtschaftet, desto mehr kann er in weiteres Kapital reinvestieren, was wiederum zu noch größerem Profit und damit noch mehr Kapitalbesitz führt. Dadurch kommt es zur sogenannten Akkumulation, also der Anhäufung von Kapital.

Das Resultat: Immer mehr Kapitalisten mit wenig Kapital werden durch Kapitalisten mit größerem Kapitalbesitz verdrängt und rutschen in das Proletariat der besitzlosen Lohnarbeiter ab. Dadurch entsteht ein Überangebot an Arbeitskräften, wodurch die Löhne noch weiter gesenkt und der Profit damit noch weiter gesteigert werden kann. Am Ende dieses Verdrängungswettbewerbs steht die fast vollständige Konzentration des Kapitals in wenigen Händen und die völlige Verelendung der Arbeiter („Proletarisierung“), bis diese „nichts zu verlieren [haben] als ihre Ketten“ und mit einer Revolution die nächste Entwicklungsstufe der Gesellschaft, den Sozialismus, einläuten.

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Eine Reaktion
KNoV

1. Nicht die Verarmung von einzelnen Kapitalisten durch das Kapital anderer führt zu einem Überangebot an Arbeitskräften, sondern das Fortschreiten des technologischen Fortschritts (der ja ein zentraler Bestandteil des Marxismus ist).

Dadurch, dass immer weniger Zeit notwendig wird, durch das Erfinden neuer Produktionsmittel, wird weniger Arbeitskraft gebraucht um etwas herzustellen, ergo es werden weniger ArbeiterInnen gebraucht, ergo es entsteht ein größeres Heer an Arbeitslosen.

2. Marx irrte nicht.
Der/die ArbeiterIn hat nichts zu verlieren, aber er hat eine Welt zu gewinnen. Damit ist gemeint, dass die ArbeiterInnen aufgrund ihrer ökonomischen Schicht nichts zu verlieren, weil sie völlig von den Kapitalisten abhängig waren, sie sind darauf angewiesen, dass der Kapitalist ihnen ihre Arbeitskraft abkauft. Sie haben ja nichts zu verkaufen außer ihrer Arbeitskraft.

3. Revolution und Wohlstand
Marx hat sich dazu, ob die Revolution ausbricht nur, weil große Teile der Bevölkerung verelendet sind, meines Wissens nach nicht geäußert (Quelle?). Marx sprach auch meist von der Ausbeutung, das ist eben nicht gleich zusetzen mit dem Nichtvorhandensein von Wohlstand. Die Ausbeutung beschreibt etwas ganz anderes. Ich als Programmierer werde genauso ausgebeutet wie jeder Stahlarbeiter. Ob jemand ausgebeutet und vor allem wie stark jemand ausgebeutet wird, richtet sich danach wie viel Wert der Kapitalist von der verrichteten Arbeit abgeschöpft hat. Dadurch kann es zum Beispiel sein, dass ein Arbeiter im europäischen Raum mehr Wohlstand genießt als ein Kapitalist aus einem ärmeren Land.

4. Der Kapitalismus rettet sich selbst
Der Kapitalismus ist nicht besonders effizient. Das beweist er tagtäglich dadurch, dass dutzende Firmen getrennt an ein und der selben Sache arbeiten anstatt die Ressourcen gemeinsam zu nutzen.

Der Kapitalismus kann nur dadurch weiter bestehen, weil er immer Felder schafft (z.B. durch Kapitalvernichtung (Griechenland letztes Jahr und der 2. Weltkrieg zum Beispiel)) in die er wieder investieren kann und seine Profitrate weiter erhöhen kann.

5. Sovjet Union, China, Nord Korea
Man sollte auch unterscheiden zwischen den stalinistischen Staaten und der frühen Sovjet Union (vor dem Putsch von Stalin). Der Kern des marxistischen Sozialismus ist jener, dass die Produktionsmittel dem Proletariat also allen gehören und auch gemeinschaftlich über die Produktion entschieden wird. All dies fand und findet nicht statt in China, Nord Korea und der Sovjet Union ab Stalin.

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