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Kia EV9 im Test: Die Größe ist Fluch und Segen zugleich

Der EV9 ist das neue Vorzeigemodell von Kia. Das vollelektrische SUV bietet unglaublich viel Platz und Komfort. Man muss aber auch einen Kompromiss eingehen, wie unser Test zeigt.

Von Frank Feil
5 Min.
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Der Kia EV9 ist über fünf Meter lang und fast zwei Meter breit. Dafür bietet er seinen Insassen aber auch jede Menge Platz. (Foto: Frank Feil)

Kia hat mit dem EV6 bereits in der Vergangenheit ein beeindruckendes Elektroauto abgeliefert, das in vielerlei Hinsicht auch noch heute als State-of-the-Art angesehen werden kann. Mit dem vollelektrischen Crossover, der dank 800-Volt-Technik nur 18 Minuten von 10 auf 80 Prozent SoC (State-of-Charge) braucht und als EV6 GT stolze 430 Kilowatt (585 PS) leistet, hat der koreanische Hersteller den Fokus vor allem auf Design und Dynamik gelegt.

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Mit dem neuen EV9 will man dagegen in erster Linie Familien ansprechen, denen bei einem Auto – neben einem gewissen Komfort – vor allem eines wichtig ist: das Platzangebot. Denn genau in diesem Segment ist die Auswahl noch immer recht überschaubar, wenn man ein Elektroauto haben möchte.

Und tatsächlich kommt der Kia EV9 schon sehr nahe an das heran, was man „perfektes Familienauto“ nennen könnte, wenn da nicht seine schiere Größe wäre.

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Aber der Reihe nach.

Kia EV9 im Test

Kia setzt beim EV9 auf ein markantes Design. (Foto: Frank Feil)

Kia EV9: Bei 72.490 Euro geht’s los

Wie schon in früheren Artikeln erwähnt, muss man sich von der Vorstellung des „günstigen Koreaners“ verabschieden. Die Zeiten sind vorbei. Analog zu den chinesischen Autobauern haben sich inzwischen auch Marken wie Hyundai und Kia das Premium-Label auf die Fahnen geschrieben.

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Und so dürfte manch einer nicht schlecht staunen, wenn er den Kia-Konfigurator öffnet und dabei feststellt, dass bereits der EV9 RWD, also das Einstiegsmodell mit Heckantrieb und 150 Kilowatt (204 PS), bei 72.490 Euro liegt. Für den EV9 AWD mit Allradantrieb und 283 Kilowatt (385 PS) muss man mindestens 76.490 Euro auf den Tisch legen – und wer dann noch die nahezu vollausgestattete GT-Line möchte, landet schnell bei über 83.000 Euro.

„Für einen Kia?“ – diese Frage bekamen wir während unseres einwöchigen Tests gleich mehrfach gestellt. Und blickten dabei in ungläubige Gesichter.

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Aber man muss alles in Relation sehen. Der Kia EV9 ist ein 5,01 Meter breites und 1,98 Meter breites Elektroauto mit unglaublichen 828 Litern Kofferraumvolumen. Legt man alle Sitze um, fasst das SUV sogar bis zu 2.393 Liter. Ebenfalls erwähnenswert: Der EV9 verfügt von Haus aus über sieben Sitze, eine 99,8-Kilowattstunden-Batterie und 210 Kilowatt Ladeleistung. Und selbst im Einstiegsmodell gehören adaptive Geschwindigkeitsregelanlage, aktiver Totwinkelassistent mit Lenk- und Bremseingriff, Sitzheizung und -belüftung vorne und hinten sowie ein Meridian-Premium-Soundsystem mit insgesamt 14 Lautsprechern zur Serienausstattung.

Kia EV9 im Test

Bereits von Haus aus verfügt der Kia EV9 über jede Menge Sonderausstattung. (Foto: Frank Feil)

Für wohlgemerkt 72.490 Euro. Für das Mercedes-Benz EQE SUV mit einem bedeutend kleinerem Platzangebot und nahezu keinerlei Komfort- und Assistenz-Features werden mindestens 83.478 Euro fällig. Dennoch sind über 70.000 Euro für ein Familienauto nicht gerade wenig.

Kia EV9: Reichweite und Ladeleistung

Wie bereits erwähnt, hat Kia dem EV9 eine 99,8-Kilowattstunden-Batterie spendiert. Im WLTP-Zyklus kommt das Modell mit Heckantrieb somit bei einem Verbrauch von 20,2 Kilowattstunden pro 100 Kilometer auf eine Reichweite von bis zu 563 Kilometer. Beim Allradmodell erhöht sich der WLTP-Durchschnittsverbrauch auf 22,3 Kilowattstunden pro 100 Kilometer, die Reichweite sinkt auf 512 Kilometer.

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Soweit die Theorie. Zeit für die Praxis. In unserem Test bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt und einem hohen Autobahnanteil lag der Verbrauch des EV9 bei durchschnittlich 27,9 Kilowattstunden pro 100 Kilometer, was in einer Reichweite von rund 360 Kilometer resultierte. Im Sommer sollte sich der Verbrauch aber je nach Fahrprofil mühelos auf 23 Kilowattstunden pro 100 Kilometer senken lassen. Bis zu 450 Kilometer sind dann durchaus realistisch.

Kia EV9 im Test

Der EV9 braucht am Schnelllader nur 24 Minuten von 10 auf 80 Prozent SoC. (Foto: Frank Feil)

Für ein Fahrzeug dieser Größenordnung ist das vollkommen in Ordnung, vor allem wenn man bedenkt, dass die Formgebung nicht auf Aerodynamik, sondern auf maximale Praktikabilität optimiert ist. Oder anders ausgedrückt: Ein Fahrzeug mit sieben Sitzen und 828 Litern Kofferraumvolumen kann schlichtweg nicht so effizient wie ein Coupé oder eine Limousine sein.

Zumal die Reichweite ohnehin immer zusammen mit der Ladeleistung betrachtet werden sollte – und dank 800-Volt-Technik gibt es diesbezüglich beim EV9 nichts zu beanstanden. Maximal sind 210 Kilowatt möglich, die das Fahrzeug auch relativ lange hält. Erst ab etwa 50 Prozent SoC geht es langsam bergab. Bedeutet: 24 Minuten von 10 auf 80 Prozent SoC am Schnelllader. Damit lässt der Koreaner viele Konkurrenten aus dem Premium-Bereich im Schatten stehen.

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Kia EV9: Innerstädtisch braucht man gute Nerven

Der Kia EV9 ist aus technischer Sicht absolut State-of-the-Art. Die Assistenzsysteme sind vom Feinsten, es gibt allerlei Komfortfeatures, das Platzangebot ist gigantisch und auch als Elektroauto macht das SUV durchweg eine gute Figur.

Allerdings muss man dafür einen Trade-off eingehen: Der EV9 sieht aufgrund seiner markanten Designsprache nicht nur wie ein bulliger Koloss aus, sondern ist es auch. Die Länge von etwas mehr als fünf Metern ist dabei gar nicht so sehr das Problem. Aber mit 1,98 Metern ist der vollelektrische Kia sogar gute drei Zentimeter breiter als ein Mercedes-Benz EQS SUV – und das will was heißen.

Kia EV9 im Test

Der Kia EV9 verfügt über sieben Sitze und mehr als 2.300 Liter Kofferraumvolumen bei umgeklappten Sitzen. (Foto: Frank Feil)

Kia EV9 im Test

Der Kia EV9 verfügt über sieben Sitze und mehr als 2.300 Liter Kofferraumvolumen bei umgeklappten Sitzen. (Foto: Frank Feil)

Kia EV9 im Test

Der Kia EV9 verfügt über sieben Sitze und mehr als 2.300 Liter Kofferraumvolumen bei umgeklappten Sitzen. (Foto: Frank Feil)

Solange man nur auf der Autobahn oder Landstraße unterwegs ist, ist das alles kein Problem, aber gerade innerstädtisch braucht man mit dem Giganten ein gutes Nervenkostüm. Einen passenden Parkplatz am Straßenrand zu finden, wird schnell zur Geduldsprobe. Und als wir uns dann einmal in ein Parkhaus gewagt haben, konnten wir in diesem nur mit eingeklappten Außenspiegeln rangieren. Bereits das Einfahren war aufgrund einer leichten Kurve Millimeterarbeit. Denn der EV9 ist nicht nur groß, sondern aufgrund seiner Form auch unübersichtlich. Da helfen auch die ganzen Kameras und Assistenten nur bedingt weiter.

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Fazit zum Kia EV9: Platz ohne Ende

Wenn man den Kia EV9 mit drei Worten beschreiben müsste, dann wohl mit „Platz ohne Ende“. Einerseits zählt das SUV neben dem VW ID Buzz zu den geräumigsten Elektroautos am Markt und ist zugleich eines der wenigen mit bis zu sieben Sitzen. Andererseits passt der EV9 aufgrund seiner gigantischen Außenmaße aber auch kaum in eine normale Parklücke – und wenn es in einer Seitenstraße mal enger zugeht, bleibt oft nur der Rückwärtsgang.

Wer damit kein Problem hat, für den ist der Kia EV9 ein erstklassiges und vor allem familientaugliches Elektroauto, das keine Wünsche offen lässt.

Zugegeben, der Preis erscheint auf den ersten Blick etwas hoch, aber verglichen mit der Konkurrenz ist der EV9 in Anbetracht dessen, was man für sein Geld bekommt, schon wieder preiswert.

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