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„Wir hätten selbst nicht in uns investiert“: Die Erfolgsgeschichte von Kitchen Stories in 6 Schritten

Mit einer Rezepte-App hat das Berliner Startup Kitchen Stories 2014 den App-Store erobert – und wächst seitdem kontinuierlich weiter. Dabei waren die Anfänge gar nicht so einfach. Wie es die Gründerinnen trotzdem geschafft haben, verraten sie uns im Rahmen der t3n-Themenwoche Startups.

Von Lisa Hegemann
8 Min.
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(Foto: Kitchen Stories)

Wie die App von Kitchen Stories zum Erfolg wurde

(Foto: Kitchen Stories)

Verena Hubertz und Mengting Gao haben Kitchen Stories 2013 gegründet. (Foto: Kitchen Stories)

Wie weit Kitchen Stories inzwischen gekommen ist, verdeutlicht die Zeitleiste im Büro des Rezepte-Startups. An einer Wand hängen dort die Bilder aus den Anfängen, Bilder von den ersten Video-Drehs, von den ersten Arbeitsplätzen, von der ersten Zeit. Seitdem hat sich viel verändert: Statt wie in den ersten Monaten in einer Airbnb-Wohnung zu drehen, leistet sich das Unternehmen heute eine eigene Küche; statt zwei Gründerinnen sitzen heute 25 Mitarbeiter im Berliner Loft. Die Bilder stellen damit nicht nur eine Art Zeitraffer dar, sondern auch eine Visualisierung des Wachstums.

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Diese Erfolgsgeschichte war am Anfang nicht unbedingt abzusehen. Kitchen Stories wurde 2013 von Mengting Gao und Verena Hubertz gegründet. In ihrer App präsentieren sie Erklärvideos zu Kochrezepten – mit konkreten Angaben, wie lange die Zucchini garen muss oder wie die Melone am besten geschält wird. Was erst einmal banal klingt, scheint einen Nerv getroffen zu haben: Mittlerweile zählt das Startup mehr als zehn Millionen Downloads und eine siebenstellige Zahl an regelmäßigen Nutzern. In diesem Text erzählen Verena und Mengting, wie sie das geschafft haben.

Die Anfänge: Warum nicht eine Burrito-Kette?

Mengting: Eigentlich wollten wir gar kein digitales Geschäftsmodell aufbauen. Unsere erste Idee drehte sich eher um die klassische Restaurantbranche: Wir wollten eine Burrito-Kette eröffnen. Wir haben an der WHU studiert (dort hat auch Rocket-Chef Oliver Samwer seinen Abschluss gemacht, Anm. d. Red.) und waren dadurch von vielen Gründern umgeben. Vielleicht waren wir dadurch vorbeeinflusst, jedenfalls hat es immer gekribbelt, etwas Eigenes zu machen. Als wir einmal abends mit ein paar Freunden bei einem Bier zusammensaßen, fragte uns jemand: „Warum macht ihr nicht eine Burrito-Kette auf?“

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Das fanden wir irgendwie ganz cool. Verena ist ein großer Tex-Mex-Fan und ich wollte immer irgendwas mit Food machen. Motto: Hauptsache Essen. Wir haben Freunde in den USA, die dort eine Dönerkette gestartet haben und dort nun recht erfolgreich unterwegs sind. Das nahmen wir uns als Vorbild. Wir fingen ernsthaft an, an einem Business-Plan zu basteln, schrieben Ladenkonzepte, suchten am Potsdamer Platz die perfekte Location und maßen aus, wie viele Leute dort vorbei kommen.

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Aber nach drei Monaten stellten wir fest: Vielleicht ist das doch nicht das Richtige für uns. Die Probleme liegen auf der Hand: Du brauchst sehr viel Startkapital, du kannst ein stationäres Geschäft nur sehr schwer skalieren und wenn du nicht den perfekten Standort findest, geht es meistens ganz schnell den Bach runter – da musst du nur 100 Meter neben der Top-Location liegen.

Rezepte per Video – das ist das Geschäftsmodell hinter dem Startup Kitchen Stories. (Foto: Kitchen Stories)

Rezepte per Video – das ist das Geschäftsmodell hinter dem Startup Kitchen Stories. (Foto: Kitchen Stories)

Wir mussten also noch mal von vorne anfangen. Wir setzten uns an das Zeichenbrett und haben nach einer Idee gesucht – richtig betriebswirtschaftlich, mit Excel-Tabelle und Zahlenanalyse. Aber am Ende des Tages fanden wir Geschäftsmodelle immer nur toll, wenn sie mit Essen zusammenhingen. Ich kochte damals in unserer Wohngemeinschaft immer Rezepte von amerikanischen Youtubern nach, Schritt für Schritt.  Aber das war immer super kompliziert, weil es nie haargenau so dort stand, wie man es kochte. Verena war hingegen auf Chefkoch.de und Co. immer absolut verloren. Irgendwann haben wir uns gefragt, warum es keinen zeitgemäßen Videoansatz gibt, sodass wirklich jeder das Rezept nachkochen kann. Und so entstand die Idee zu Kitchen Stories. Unser Ansatz ist, ein Rezept so verständlich zu beschreiben, dass es wirklich jeder selbst kochen kann.

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Der App-Store: „Es war einfach Zufall“

Mengting: Wir überlegten uns, dass wir mit Bildern und Videos arbeiten wollen, um das Thema Kochen auch emotional zu besetzen. Das Problem bei klassischen Rezepte-Webseiten ist ja, dass du oft gar kein Bild siehst und dadurch nicht weißt, wie dein Essen aussehen soll, ob du es also richtig umgesetzt hast. Und wir wollten ein Medium wählen, auf dem wir konkurrenzfähig sind. Da kam das iPad ins Spiel. Dort gab es noch nichts Vergleichbares. Um das Konzept umzusetzen, haben wir zig Entwickler interviewt. Am Ende arbeiteten wir mit einem studentischen Entwickler zusammen. Der hatte nur einen Tag in der Woche Zeit für uns, aber er war der Einzige, den wir uns leisten konnten.

„Wir trauten uns gar nicht, jemandem davon zu erzählen.“

Was dann kam, war ein riesiger Zufall. Als wir die ersten 100 Rezepte für das iPad zusammen hatten, reichten wir das Ganze bei Apple ein. Und in diesem Review-Prozess, den jedes Unternehmen durchgeht, wenn es in den App Store will, entdeckte uns Apple. Die Mitarbeiter dort schrieben uns an und gaben uns Hinweise, was wir noch verändern könnten. Als wir live gingen, hat uns Apple dann im deutsch- und englischsprachigen Raum gefeatured. Das brachte uns natürlich eine riesige Visibilität ein. Wir trauten uns damals nicht, jemandem davon zu erzählen, weil wir viel zu viel Angst hatten, dass irgendetwas nicht klappt. Aber das hat es.

Verena: Wir haben dann schnell internationalisiert, gingen auf zwölf Sprachen und arbeiten seitdem sehr eng mit Apple zusammen. Wenn zum Beispiel am Montag der chinesische Neujahrstag ansteht und wir die Möglichkeit haben, kurzfristig an der Apple-Kampagne teilzunehmen, dann drehen wir ein Video passend zum Thema. Wir versuchen aber vor allem, immer nah an den nächsten technischen Veränderungen zu bleiben. Auf Veranstaltungen und Keynotes kann man viel darüber herausfinden, was Apple als nächstes plant, wie sich das Betriebssystem verändert. Und darauf bereiten wir uns vor. Wir wollen bei neuen technischen Entwicklungen immer ganz früh mitmachen.

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Die Investorensuche: „Es gab keinen Grund, an uns zu glauben“

Verena: Als wir am Anfang nach Investoren gesucht haben, wollte uns keiner Geld geben. Es gibt ja eine gewisse Risikoaversität in Deutschland und die haben wir deutlich zu spüren bekommen. Aber ich kann das auch verstehen, weil wir ja nichts vorweisen konnten, was uns qualifiziert hätte, eine erfolgreiche Koch-App auf den Markt zu bringen. Es ist ganz nett, wenn zwei Mädels ankommen und sagen, sie bauen die beste Koch-App überhaupt. Aber es gibt keinen Grund, daran zu glauben. Ich glaube, wir hätten auch nicht in uns investiert.

Durch die Präsenz im App-Store änderte sich die Meinung der Investoren radikal. Wir waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort. 2014 steckte die Welt mitten in der Mobile-Phase, alle wollten etwas mit Apps machen. Und wir konnten ein Produkt vorweisen, das direkt in der zweiten Woche von Apple gefeatured wurde. Themen wie Usability und Design kannst du zwar in ein Excel-Sheet packen, das kann sich aber keiner vorstellen. Jetzt konnten die Investoren das Produkt auch in der Hand halten. Das half enorm.

Mengting: Am Anfang haben wir wirklich alles gemacht, von der Kaltakquise über Pitching bis hin zu Intros. Aber das war schwer. Wir hatten schließlich das Glück, dass wir auf Moritz Hohl und Verena Pausder von Fox & Sheep getroffen sind. Moritz hat auch an der WHU studiert, uns über ein Feature entdeckt und dadurch herausgefunden, dass wir ebenfalls dort unseren Abschluss gemacht haben. Wir trafen uns zum Mittagessen – und dort machte es sofort Klick. Sie sagten, sie würden super gerne dabei sein und investieren. Und mit ihnen ging es dann richtig los. Durch sie kamen wir auch an andere Investoren. Und so konnten wir 2014 unsere Seed-Finanzierung von 1,8 Millionen Euro abschließen.

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Kitchen Stories wurde 2015 von Apple zu einer der besten Apps des Jahres gewählt. (Screenshot: Kitchen Stories)

Kitchen Stories wurde 2015 von Apple zu einer der besten Apps des Jahres gewählt. (Screenshot: Kitchen Stories)

Das Wachstum: Vom Zwei-Frau-Startup zum 25-Mitarbeiter-Unternehmen

Verena: Nach der Finanzierungsrunde sind wir erst einmal nur ein wenig gewachsen. Wir stellten einen CTO und einen Art Director ein, sodass wir 2014 relativ konstant zu viert waren. Das große Wachstum kam erst, als wir weiter internationalisieren und zusätzlich Android ausbauen wollten. Da ging plötzlich alles Schlag auf Schlag. Vor allem unsere Entwicklertruppe hat sich schnell vergrößert. Gleichzeitig mussten wir auch mehr Inhalte produzieren und mehr Leute für den Content einstellen. In der Anfangsphase haben wir zwei Mal im Jahr – im Herbst und im Frühjahr – in einem Airbnb-Haus geshootet, heute drehen wir alle sechs bis acht Wochen ein Video. Wir sind quasi mit dem Produkt gewachsen. Und damit waren wir dann plötzlich auch Chefinnen. Das ist schon ein Lernprozess.

Mengting: Jetzt befinden wir uns gerade auf dem Weg, viel Verantwortung in die Hände Einzelner zu geben. Wir sind inzwischen komplett darauf angewiesen, denn wir können nicht mehr alles selbst machen. Wir mussten lernen, loszulassen. Das ist wahrscheinlich eines der größten Themen beim Wachstum. Wir müssen aber auch immer neue Leute einstellen. Gerade in Berlin gibt es einen sehr starken Kampf um Entwickler. Da musst du die Leute auch begeistern, mit dem Produkt, mit der Vision. Unser CTO ist selbst ein Foodie, er kann sich für Essen begeistern. Das hat natürlich echt geholfen, ihn von uns zu überzeugen.

Die Konkurrenz: Die Rezepte-Videos von Buzzfeed und Co. 

Verena: Heute tauchen Rezepte-Videos in jedem Facebook-Feed auf, weil viele Plattformen die sogenannten „Quick Bites“ für sich entdeckt haben, also wenige Sekunden lange Rezeptvideos. Wir haben diese Videos auch bei uns im Repertoire, in unserer App und auf den sozialen Medien. Aber wir glauben, dass diese kurzen Videos keinen nachhaltigen Trend abbilden. Man guckt sich das gerne an, aber man wird damit eher selten kochen. Sie sind so wie Katzen-Videos vor zwei, drei Jahren: Sie sind unterhaltsam.

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„Kurze Kochvideos sind wie Katzen-Videos: Unterhaltsam.“

Kochen benötigt andere Voraussetzungen. Es gibt natürlich den Trend, dass sich immer mehr Menschen ihr Essen bestellen. Aber auf der anderen Seite wird Kochen dadurch heute auch mehr zum Event: Du lädst deine Freunde ein und probierst dabei etwas Neues aus. Auch Studenten zählen zu unserer Zielgruppe. Die jüngere Generation lernt Kochen ja nicht mehr von Mama und Papa. Für sie bringt ein „Quick Bite“ wenig. Genau diesse Zielgruppe wollen wir ansprechen und zum Kochen animieren. Die Unterhaltung verstehen wir mehr als Beiwerk. Ebenso sprechen wir natürlich auch den Hobbykoch an, der immer wieder auf der Suche nach neuer Rezeptinspiration ist.

Die Zukunft: Der Weg von der mobilen App auf alle Plattformen

Mengting: Wir haben uns bisher absichtlich auf den mobilen Markt konzentriert, um dort zu wachsen und unsere Marke zu etablieren. Künftig wollen wir aber nicht nur mobil zu finden sein. Inhalte müssen heute auf allen Kanälen abrufbar sein – ob du auf Instagram surfst oder ganz konkret ein Rezept googelst. Wir wollen im nächsten Schritt in diese Kanäle reingehen und die Nutzer dort abfangen, wo sie das Rezept suchen. Eine App ist ja immer ein Kampf um die Aufmerksamkeit des Nutzers.

Verena: Bis jetzt haben wir keinen Fokus auf die Monetarisierung gelegt. Damit fangen wir jetzt langsam an. Unsere App soll den Nutzer auch weiterhin nichts kosten. Deswegen überlegen wir, Kooperationen mit anderen Unternehmen einzugehen, um uns irgendwann finanziell selbst tragen zu können. Es ist aber gut, dass wir venture-backed sind und wir nicht in den nächsten drei Wochen schwarze Zahlen schreiben müssen. Dadurch können wir uns jetzt erst einmal ausprobieren. Wir befinden uns in einer komfortablen Situation.

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Aufgezeichnet von Lisa Hegemann.

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Kommentare (2)

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Max

Schon wieder am geizen mit externen Links.
Wenn ihr von einer App berichtet, dann hätte ich gerne das mich ein Link zu der Homepage der App führt oder zumindestens in den jeweiligen App Store.

Wenn Ihr die App selber auf einen älteren Artikel von euch verlinkt, ist das meiner Meinung nach bullshit.
Habt ihr solche Ängste das eure Leser nicht mehr wieder kommen das ihr so verhemmt gegen externe Links seit?

Gibt natürlich schöne Punkte in Analytics wenn intern eure Seiten aufgerufen werden. Aber ich bezweifle das euch das viel bringt wenn man den Link folgt, nur einen weiteren Artikel von euch vorfindet und die Seite dann direkt wieder schließt und man lieber auf Google zurück greift um die besagte App zu googlen.

Ich verstehe eure „Keine Externen Links“ Politik beim besten willen nicht..

Daniel Hüfner

Hi Max!

Also eine Contra-Externe-Links-Politik gibt es bei uns nicht. Dennoch ist dein Einwand natürlich berechtigt, der Link zur Website von Kitchen Stories ist ergänzt! Das ist wohl untergegangen in der Schlussredaktion.

Danke für Deinen Hinweis und beste Grüße aus der Redaktion!

Daniel

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