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Podcast

Lieferando-Gründer Christoph Gerber: „Das Modell Rocket Internet hat ausgedient”

Lieferando-Gründer Christoph Gerber. (Foto: Lieferando)

Der Verkauf von Lieferando machte Christoph Gerber reich. Im Podcast-Interview mit Startup Notes spricht der Gründer über die Beinahe-Pleite und übt Kritik an Rocket Internet.

Mit wenig Erfahrung und nicht viel mehr als einer Idee ging das Team von Lieferando 2009 an den Start. Nach fünf Jahren hartem Wettbewerb im Markt für Food-Delivery-Services erfolgte für 62,9 Millionen Euro der Exit an die niederländische Takeaway.com-Gruppe, welche 2016 mit einer Bewertung von knapp einer Milliarde Euro an die Börse ging. Eine Entwicklung, von der viele Gründer träumen.

Lieferando stand mehrmals vor der Pleite

„Ich dachte, wir würden mit Lieferando nie Geld verdienen.“

 Auch Christoph Gerber hatte diesen Traum, als er mit Mitte 20 die Uni vorzeitig verließ, um die Idee eines Freundes in die Tat umzusetzen. Ende der 2010er-Jahre war der Markt für Food-Delivery-Dienste praktisch noch nicht existent. Die Gründer von Lieferando waren jedoch nicht die Einzigen, die zum damaligen Zeitpunkt das Potential der Verbindung von E-Commerce und Restaurant-Lieferservice erkannten. So kam es zwischen den Wettbewerbern wie Lieferheld unter anderem zu Klagen und Polizei-Razzien. Es wurde mit harten Bandagen gekämpft. Dem Team von Lieferando sei sogar mehrfach beinahe das Geld ausgegangen; „Bis kurz vor dem Kaufangebot von Takeaway dachte ich, wir würden mit Lieferando nie Geld verdienen”, sagt Gerber im Gespräch mit Startup Notes. Letztendlich haben sich all die Mühen dennoch ausgezahlt. „Als Unternehmer muss man immer weitermachen, insbesondere wenn das eigene Startup in Schwierigkeiten steckt“, so der Gründer.

„Was war das letzte erfolgreiche Unternehmen von Rocket Internet? Ich kann keines nennen”

Als Gründer ist Gerber in der deutschen Hauptstadt heimisch. Trotz seines früheren Erfolgs sieht er die Startup-Szene in Berlin eher kritisch. „Es gibt zu viele Gründer, die gut sind im Reden anstatt sich auf das Machen zu konzentrieren”, sagt Gerber. Die Gründerszene in Berlin sei nicht das „Centre of the Universe”, wie viele glauben. Man könne gerne all die Entwicklungen um das Startup-Ökosystem der Hauptstadt aufregend finden, müsse dabei letztendlich jedoch realistisch bleiben.

Das Modell „Company Builder”, das Rocket Internet lange verfolgt hat, sei laut Gerber nicht mehr zeitgemäß. Durch die zunehmende „Demokratisierung“ von Tools und Lösungen werde notwendiges Wissen mittlerweile in einem großen Umfang geteilt, sodass Company Builder in ihrer ursprünglichen Funktion nicht mehr gebraucht werden. Den Zugang zu Investoren und in das Startup-Ökosystem könnten auch gute Business Angels bieten. „Was war das letzte erfolgreiche Unternehmen von Rocket Internet? Ich kann keines nennen”, merkt Gerber kritisch an.

Mit Talon One noch mal von vorne

Trotz des erfolgreichen Exits mit Lieferando und anschließendem IPO der Takeaway.com-Gruppe, von dem er persönlich stark profitierte, arbeitet Christoph Gerber bereits seit Ende 2015 an seinem neuen Startup Talon One. Das Unternehmen bietet eine One-Stop-Lösung für das Backend zum Verwalten von Promotional-Marketing-Kampagnen. Unternehmertum mache ihm einfach Spaß und es sei das, womit er seine Zeit verbringen möchte, sagt Gerber. Trotz des Wechsels vom B2C- zum B2B-Geschäft mit langen Sales-Cycles, kämen ihm die teils schmerzhaften Lernerfahrungen aus der Vergangenheit nun zugute. „Ich bin heutzutage nicht mehr so leicht aus der Ruhe zu bringen”, sagt Gerber.

Ihr könnt den Podcast von Startup Notes auf iTunes oder Soundcloud abonnieren.

Passend zum Thema: Lieferando-Gründer: „Die Leute bestellen ihre Pizza lieber am Telefon“

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2 Reaktionen
Menzah

Starke und sehr reflektierte Persönlichkeit, der Christoph Gerber. Macht auf Anhieb einen sympathischen Eindruck (im Vergleich zu manch anderen Berliner Persönlichkeiten, die bspw. bei Rocket Internet arbeiten...)

Sebastian_W

Meiner Meinung nach war es die richtige Entscheidung von Herrn Gerber sich von Lieferando zu trennen. Den selbst unter dem Dach der Takeaway.com-Gruppe soll Lieferando erst in ein bis zwei Jahren profitabel werden.

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