Analyse

Die Linke will Bitcoin verbieten – wieso das nicht gelingen wird

(Foto: Shutterstock)

Die Partei Die Linke will nach Inhalt des Wahlprogramms zur Europawahl Bitcoin verbieten. Die Forderung zeugt von einem mangelhaften Verständnis der Thematik.

Am 26. Mai wählen die EU-Mitgliedsstaaten ein neues Europaparlament. Der Blick ins Wahlprogramm der Partei Die Linke dürfte Bitcoiner, die der Linken bis dato die Stange hielten, indes böse überrascht haben: „Kryptowährungen wie Bitcoin, die bei ihrer ‚Schürfung‘ große Mengen Strom verbrauchen, wollen wir verbieten“, heißt es in Unterpunkt sechs „Klimaschutz kennt keine Grenzen. Für ein soziales und ökologisches Europa“ des Wahlprogramms zur Europawahl.

Die Forderung überrascht. Schließlich spricht selbige Partei in Unterpunkt fünf höchstselbst „von billigem Geld der Europäischen Zentralbank“, das die Finanzmärkte beruhigt habe, „aber wegen unzureichender Investitionen nicht in der realen Wirtschaft“ angekommen sei. Damit trifft die Partei in der Tat einen Nerv: Denn das „billige Geld“ kommt in erster Linie der Finanzwirtschaft zugute und nicht „dem kleinen Mann“.

Bitcoin ist antiautoritär

Ganz im Gegensatz dazu Bitcoin. Schließlich ist Bitcoin als privatwirtschaftliche Alternative zu „schlechtem“ Fiatgeld eine mögliche Lösung der Probleme, die die Linke zurecht anspricht. Diesen Aspekt verkennt die Partei vollständig. Stattdessen beruft man sich auf die Reproduktion leerer Phrasen wie die Mär der Umweltsünde Bitcoin. Um es kurz zu machen: Bitcoin ist kein Klimasünder. Sicher, der Proof-of-Work-Algorithmus ist energieintensiv. Muss er auch, denn ohne das Bollwerk an gelösten Rechenrätseln wäre Bitcoin eben nicht Bitcoin.

Zudem zeugt der Vorwurf von einem mangelnden Verständnis vom Rohstoff Energie im Allgemeinen. Energie ist nicht etwa ein endliches Gut, wie es das Wahlprogramm suggeriert, sondern muss eben gewonnen werden. Der Punkt ist: Es ist genügend Energie für alle da, die Frage ist nur, wofür man sie einsetzt. Überdies nutzen Miner in erster Linie erneuerbare Energien, etwa aus Wasserkraftwerken.

Um eine zensurresistente, antiautoritäre, apolitische und inflationssichere Währung zu sichern, erscheint der Energieaufwand gerechtfertigt. Vergleiche mit dem Energieverbrauch Argentiniens sind populistisch und werden der Komplexität der Thematik schlicht nicht gerecht.

Wie genau die Partei ein Bitcoin-Verbot in der Praxis umsetzen will, geht aus dem Programm indes nicht hervor. Kein Wunder: Schließlich lässt sich Bitcoin als dezentrales Konstrukt nicht einfach „abschalten“. Gegenüber BTC-Echo stellte die Pressestelle der Partei klar: Bei dem Verbot handle es sich daher eher um eine symbolische Forderung. Einzig das Mining könne man innerhalb der EU verbieten, betonte der stellvertretende Pressesprecher der Linken Götz Lange.

Dieser Artikel erschien zuerst bei BTC Echo.

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3 Kommentare
Bitcoin-Gegner
Bitcoin-Gegner

Bitcoin ist vor allem eines – Energieverschwendung. Und auch wenn der enorme Stromverbrauch aus EEG wie Wasserkraft kommt, warum sollte dieser Strom dann nicht sinnvoll genutzt werden und dafür Atom und Kohle gespart werden?

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Thomas D.

Das hoch volatile Konstrukt Bitcoin (bzw. Kryptowährung) soll die Lösung sein? Für Spekulanten vielleicht. Und wo ist der Bitcoin „Inflationssicher“? Der Kurs war mal fast bei 20k und danach irgendwann bei 3k, selbst wenn er wieder gestiegen ist, ist die Inflation (sofern das bei der Achterbahn noch so genannt werden kann) enorm. Lustigerweise haben dann knapp 30 mio. Euro gereicht, um den Kurs wieder um fast 20% einbrechen zu lassen, das sieht mir auch nicht nach „stabil“, „manipulationsresistent“ etc. aus.

Das „billige“ Geld kommt zudem sehr wohl dem „kleinen Mann“ zu Gute. Versucht mal einen Handwerker zu bekommen, die wissen alle nicht wohin mit den Aufträgen und die Stundensätze steigen. Es scheint also eine Menge investiert zu werden und nicht nur in Finanzprodukte. Nur wer sein Geld auf dem Sparbuch und in ähnlichen Konstrukten parkt, hat Pech. Allerdings sind das ja nicht die einzigen Anlageformen, die dem „Kleinen Mann“ zur Verfügung stehen und dank der Digitalisierung wird es auch immer einfacher sich über Alternativen zu informieren und diese zu nutzen.

Und die Mär vom vom Umweltsünder Bitcoin ist ganz sicher keine, denn selbst wenn Wasserkraft eingesetzt wird, steht die besagte Energie an anderer Stelle nicht mehr zur Verfügung und müsste dann da mit anderen Mitteln gewonnen werden. Solange nicht die komplette Stromversorgung auf Regenerativ umgestellt ist, ist der zusätzliche Verbrauch immer mit zusätzlichen Emissionen verbunden.

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Nils
Nils

Diesen extrem tendenziösen Artikel hätte man auch direkt als „Kommentar“ kennzeichnen können. In der Echo-Kammer der Bitcoin Freunde sind Dinge wie die „Mär von einer Umweltsünde“, „Inflationssicherheit“ usw. sicher akzeptiert, in anderen Medien hätte ich aber zumindest erwartet dass dies auch belegt wird.

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