News

Netz mit Flecken: LTE-Abdeckung weiterhin lückenhaft

(Foto: Shutterstock / NicoElNino)

Lesezeit: 3 Min. Gerade keine Zeit? Jetzt speichern und später lesen

Schnelles Internet immer und überall in Deutschland – damit werben die Mobilfunkanbieter. Vor allem in ländlichen Regionen herrscht jedoch nach wie vor häufig Funkstille.

Wilhelm Heine ist gefrustet über das mobile Internet auf seinem Smartphone. Je nachdem, wo der Landwirt auf seinem Hof bei Bad Waldsee im baden-württembergischen Landkreis Ravensburg steht, ist der Empfang von LTE (Long-Term-Evolution) mal besser oder schlechter. „Wirklich gut ist es aber nie“, klagt der Landwirt. Gerade wartet der 53-Jährige auf zwei E-Mails, er hatte Pflanzenschutzmittel bestellt. Auch seine Familie bemängelt die langsame Internetgeschwindigkeit auf den Handys. Heine vermutet, der Netzausbau von T-Mobile sei in der Region schlecht.

Glaubt man der interaktiven Netzabdeckungskarte des Bonner Konzerns, sollte LTE und auch UMTS, der frühere Standard, eigentlich verfügbar sein. Rund um Bad Waldsee gibt es aber gleich mehrere Versorgungslücken. Auf Nachfrage erklärt T-Mobile, 93 Prozent der deutschen Bevölkerung erreichen zu können. Vodafone schaffe laut eigener Aussage 90 Prozent, O2 rund 80 Prozent.

Heine ist nicht der einzige, der Probleme mit dem Netz hat: „Bin so viel i(n) D(eutschland) unterwegs wie selten – und wundere mich, wie schlecht Mobilfunknetz flächendeckend ist“, empört sich Finanzstaatssekretär Jens Spahn (CDU) auf Twitter und verweist auf T-Mobile und Vodafone.

Fast fertig!

Bitte klicke auf den Link in der Bestätigungsmail, um deine Anmeldung abzuschließen.

Du willst noch weitere Infos zum Newsletter? Jetzt mehr erfahren

Weiße LTE-Flecken bei Vodafone und O2

Ein Blick auf die Netzabdeckungskarte von T-Moblie zeigt, dass es im nördlichen und südlichen Umland von Berlin, zwischen Celle und Uelzen, im Schwarzwald und dem südlichen Breisgau, sowie rund um Wuppertal Versorgungslücken bei LTE gibt. Bei Vodafone und O2 tun sich bei genauer Betrachtung der jeweiligen Netzkarten noch größere weiße Flecken auf.

Daraus machen die beiden Betreiber keinen Hehl: „Aus wirtschaftlichen und topographischen Gründen wie Hügeligkeit, Berge oder Bewaldung ist der Bau einer LTE-Sendestation nicht überall möglich“, sagt ein Vodafone-Sprecher. Auch in Zukunft könnten daher nicht alle Löcher geschlossen werden. O2 schiebt die „vorübergehenden Auswirkungen“ indes auf die laufende Netzintegration von E-Plus.

Tatsächlich führt auch die Fachzeitschrift „Connect“ das schlechte Abschneiden von O2 beim Netztest 2017 auf den Netzzusammenschluss zurück. Das Unternehmen des Telefónica Konzerns belegt nach der Telekom und Vodafone den dritten Platz. Die größten Engpässe machen die Experten von „Connect“ aber auf der Schiene aus: Wer in der Bahn sitzt, kann sich auf keinen der drei Betreiber wirklich verlassen. Hier sehen die Autoren bei allen Nachholbedarf, trotz der laufenden Ausbauinitiative der Deutschen Bahn in ICE-Zügen.

Ein weiteres Problem: Die oftmals beworbenen Höchstgeschwindigkeiten gibt es nur in wenigen Großstädten. Diese liegen je nach Anbieter zwischen 50 Mbit (O2) und 375 Mbit pro Sekunde (Vodafone). Spätestens an den Stadtgrenzen ist aber in vielen Fällen mit Highspeed Schluss, Menschen im ländlichen Raum gehen leer aus.

Die Netzbetreiber nutzen zudem bei LTE unterschiedliche Frequenzen, sogenannte Bänder. Je nach Hersteller arbeiten Smartphones, Laptops und Tablets mit verschiedenen Modems, die nur mit bestimmten Bändern kommunizieren können. Im schlimmsten Fall bedeutet das: Theoretisch wäre LTE verfügbar, das Endgerät kann es nur nicht empfangen. Wo die Anbieter auf welchen Frequenzen senden, sucht man aber vergeblich.

Deutschland ist nicht gut aufgestellt

Auch im internationalen Vergleich der LTE Verfügbarkeit und Geschwindigkeit ist es um Deutschland nicht gut gestellt. Wie Daten des britischen Unternehmens Opensignal zeigen, kommt die Bundesrepublik nur auf eine Geschwindigkeit von 20,46 Megabits pro Sekunde (Mbps) bei einer Verfügbarkeit von unter 60 Prozent – etwa vergleichbar mit Tunesien. Ähnlich schlecht ist die Verfügbarkeit in Frankreich und Irland. Dass es auch schneller geht zeigt etwa Ungarn, wo das Netz mit 42,61 Mbps fast doppelt so fix wie hierzulande ist. Die LTE-Verfügbarkeit liegt in Ungarn bei über 80 Prozent, wie auch in Schweden, Lettland, Norwegen oder den Niederlanden.

Ein Vergleich von „Connect“ mit den europäischen Nachbarländern kommt auf ähnliche Ergebnisse: Selbst der in den Niederlanden Letztplatzierte, Tele2, erzielt mehr Punkte als die in Deutschland führende Telekom. Als Grund machen die Tester zum einen die Topographie aus, aber auch teure Mobilfunklizenzen in Deutschland.

Von Problemen beim Ausbau in Deutschland möchte der Digitalverband Bitkom allerdings nichts wissen. „LTE ist für mehr als 96 Prozent der Haushalte verfügbar“, sagt Nick Kriegeskotte, Bereichsleiter für Telekommunikationspolitik. Neben LTE sei künftig der neue Standard 5G für vernetzte Fahrzeuge oder das Internet der Dinge wichtig. Zu der Netzabdeckung einzelner Provider äußere man sich nicht. dpa

Ebenfalls spannend: 

Meistgelesen

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

2 Kommentare
Niko Müller
Niko Müller

War jetzt 2.000 Meilen in 18 Tagen im UK unterwegs, London, Cambridge, Yorkshire, Schottland, Lake District, Wales und wieder London, und hatte ein einziges Males LTE für ein paar Stunden. O2 hat es wohl wg. der neuen EU-Roaming Verordnung einfach abgestellt, so blieb nur 3g anstelle von 4g…
Was soll ich da noch sagen? (mein Vertrag > 9 GB LTE/4g)

Antworten
Lars
Lars

Wer Premium will, muss Premium bezahlen. Und wer O2 Geld zuwirft, scheint keinen funktionierenden Service zu erwarten.

Antworten

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!

Hey du! Schön, dass du hier bist. 😊

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team bestehend aus 70 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Danke für deine Unterstützung.

Digitales High Five,
Luca Caracciolo (Chefredakteur t3n) & das gesamte t3n-Team

Anleitung zur Deaktivierung