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Ratgeber

Was Minimal Webdesign ist und wie es richtig funktioniert

Weniger ist mehr. Dieses Konzept ist sehr vielschichtig. (Bildquelle: Pixabay)

Warum ist Minimal Webdesign besser? Diese Frage beantworten wir heute. Dabei geht es nicht nur um das Design an sich, sondern um das Gesamtkonzept: Das kommt nicht aus dem Design und ist auch nicht darauf limitiert.

Minimalistisches Design ist in. Sämtliche Flat-Design-Ansätze, Material Design und wie sie nicht alle heißen, bewegen sich in Richtung Minimalismus. Allerdings geht es dabei im Wesentlichen um den Minimalismus in der Darstellung. Icons werden optisch vereinfacht, Farben werden stark reduziert, Seiten erhalten viel Whitespace. So wirken moderne Websites ausgeglichener, ruhiger und überschaubarer. Das ist gut. Aber nur, wenn man es nicht dabei belässt.

Minimalismus als Lebensphilosophie

Minimalismus oder Simplizität oder Essenzialismus – drei Worte für den gleichen Ansatz – beschreiben die bewusste Reduktion des Vorhandenen auf das absolut notwendige Minimum. Wobei sich Minimum hier als das erstrebenswerte Maß definiert, nicht etwa als gerade noch akzeptable Untergrenze.

Bezogen auf das Leben an sich, beschreibt Minimalismus den weitgehenden Verzicht auf überflüssigen Konsum, das Wertschätzen der verbleibenden Besitztümer und das achtsame Wahrnehmen seines Umfelds. Die Wohnung eines Essenzialisten glänzt durch viel Whitespace. Die wenigen Möbel sind sorgfältig ausgesucht. Eine vollgestopfte Bücherwand gibt es ebenso wenig wie andere Sammlungen von Gegenständen, die nur Platz wegnehmen. Im Keller lagern nicht die Klamotten der letzten dreißig Jahre und es gibt auch keine Bestände an Dingen, die man eventuell nochmal irgendwann gebrauchen könnte.

Minimalismus spiegelt sich in der Wohnung wider. (Bildquelle: Pixabay)
Minimalismus spiegelt sich in der Wohnung wider. (Bildquelle: Pixabay)

Der Minimalist braucht keine 600 Facebook-Freunde und legt auch keinen Wert darauf, ob ihm bei Twitter auch nur eine Person folgt. Auch in Beziehungsfragen im weiteren Sinne gilt, weniger ist mehr. Nur echte Freunde bleiben übrig, was zum einen für jene verbliebenen mehr Zeit gibt und zum anderen viel Oberflächlichkeit aus dem Leben entfernt.

Menschen, die den Minimalismus für sich entdeckt haben, fühlen sich häufig glücklicher, weil sie ihr Leben überschauen können, sich nicht getrieben fühlen und achtsam im Umgang mit sich selbst sind. Von dieser Sorte Menschen gibt es leider viel zu wenige, da der Lebensentwurf völlig konträr zu dem läuft, was uns die Werbeindustrie mit brachialer Gewalt täglich um die Ohren haut. Dabei hast du sicherlich selbst schon bemerkt, dass Konsum allein nicht glücklich macht.

Man kann mit Sicherheit eines sagen: Minimalismus funktioniert, wenn man ihn konsequent umsetzt.

Minimalismus als Designphilosophie

Im Produktdesign der letzten Jahrzehnte hat sich ebenfalls gezeigt, dass minimalistische Ansätze sehr erfolgreich sind. Der berühmte Produktdesigner Dieter Rams versuchte seine Produkte stets so minimalistisch zu gestalten, dass sie praktisch keine Benutzeroberfläche mehr hatten, die hätte erklärt werden müssen. Apple orientiert sich an den Ansätzen des Herrn Rams und ist damit ebenfalls sehr erfolgreich.

Auch ein Arbeitsplatz sollte minimalistisch sein. (Bildquelle: Pixabay)
Auch ein Arbeitsplatz sollte minimalistisch sein. (Bildquelle: Pixabay)

Es ist nicht weniger als logisch: Je einfacher das Design eines Produkts ist, desto einfacher ist dessen Bedienung, desto geringer ist die Schwelle für den potenziellen Bediener, sich mit dem Produkt auseinanderzusetzen. Niemand liest gerne Handbücher. Deshalb ist es nicht nur wichtig, ein gutes Handbuch zu schreiben, sondern vor allem im Vorfeld darauf zu achten, dass es so wenige erklärungsbedürftige Elemente wie möglich gibt. Entsprechend dünn wird dann das Handbuch ausfallen.

Minimalismus im Webdesign

Du hast sicherlich inzwischen erkannt, worauf ich hinaus will. Minimalismus existiert auf allen Ebenen. Stets ist es möglich, etwas weiter zu vereinfachen. Dabei musst du natürlich stets den bekannten Spruch Albert Einsteins im Kopf behalten, der da lautet:

Mach die Dinge so einfach wie möglich, aber nicht einfacher.

Im Webdesign bist du derzeit sehr trendy unterwegs, wenn du dich an einen der modernen Designansätze hältst und somit ein Minimal Webdesign ablieferst. Allerdings ist diese eher oberflächliche Betrachtung des Layouts, der reinen Optik, nicht ausreichend, um von einem wahren minimalistischen Webdesign sprechen zu können. Dazu bedarf es weiterer Elemente.

Gerade im Webdesign wird häufig, gerne auch kundeninduziert, der Fehler gemacht, Webseiten mit jeglichem vorhandenen Content zu füllen. Dem liegt der Gedanke zugrunde, dass man ja schließlich im Netz eine unbegrenzte Menge an Fläche hat. Warum sollte man also nicht auch noch den Geschäftsbericht von 2009 zeigen? Frisst doch kein Brot.

Unter dem Gedanken des Minimalismus solltest du indes genau umgekehrt vorgehen und so tun, als wäre der Platz tatsächlich knapp. Die hilfreichste Überlegung, um hier auf die richtige Spur zu gelangen, ist, die Frage zu stellen, was das Ziel der geplanten Website ist. Soll sie verkaufen? Wenn ja, was? Soll sie informieren? Wenn ja, worüber? Je nach Projekt stellen sich weitere Fragen.

Bei der Beantwortung ist es wieder wichtig, minimalistisch vorzugehen, also die Dinge klar auf den Punkt zu bringen. Soll die Website ein Produkt verkaufen, gilt es, die Gestaltung vollständig darauf auszurichten. Kommen mehrere Produkte in Betracht, kann das Paretoprinzip helfen.

Das Paretoprinzip beschreibt das statistische Phänomen, wenn eine kleine Anzahl von hohen Werten einer Wertemenge mehr zu deren Gesamtwert beiträgt als die hohe Anzahl der kleinen Werte dieser Menge.

Landläufig ist der Effekt bekannt durch die Aussage, dass man mit 20 Prozent des Einsatzes 80 Prozent des Ergebnisses erreichen kann, während man für die verbleibenden 20 Ergebnisprozent 80 Prozent des Einsatzes bringen müsste. Die Erkenntnis, die sich daraus ergibt, ist an sich eindeutig. Wenn man einmal identifiziert hat, welche konkreten Tätigkeiten es sind, die einem 80 Prozent des Ergebnisses bringen, kann man sich voll darauf fokussieren und die 80 Prozent Aufwand für mickrige 20 Prozent Ergebnis einfach aufgeben.

Im Falle unseres Beispiels mit der E-Commerce-Website würden wir also mit unserem Kunden versuchen, zu ermitteln, welche 20 Prozent der Produktpalette 80 Prozent des Umsatzes generieren. Auf diese 20 Prozent würden wir dann die Website optimieren.

Generell sollten Inhalte nur dann auf eine Website gelangen, wenn sie dem zuvor definierten Ziel entsprechen und mutmaßlich zur Erreichung beitragen. Schließlich ist zu beachten, dass wir für bestmögliche Ergebnisse die höchstmögliche Aufmerksamkeit des Website-Besuchers benötigen. Wenn wir ihn nun durch irrelevante, weil nicht zielführende Inhalte ablenken, tun wir niemandem einen Gefallen.

Ernest.AI ist ein ziemlich radikales Beispiel, das bei den diesjährigen Awwwards Erwähnung fand. (Screenshot: t3n)
Ernest.AI ist ein ziemlich radikales Beispiel, das bei den diesjährigen Awwwards in der Kategorie „Minimal“ Erwähnung fand. (Screenshot: t3n)

Übertrage diese Überlegung einfach auf alle Elemente der Website und du wirst zu einer schlanken, schnellen, effizienten Präsenz gelangen, die unter allen denkbaren Aspekten erfolgversprechend ist.

Du brauchst nicht viele Bilder. Bilder verzögern den Seitenaufbau. Die Bilder, die du verwendest, schickst du vorher durch einen Minimalisierer wie TinyPNG oder JPEGmini.

Du brauchst auch nicht viele Farben. Weniger ist mehr. Achte bei den Farben darauf, dass die Elemente, die du zum Auslöser einer Aktion (CTA) erklären willst, eine dominante Farbe haben, die keines der anderen Elemente hat. Zugleich sollte auch keines der anderen Elemente farblich ähnlich dominant gekennzeichnet sein.

Wenn du schon Drop-Down-Menüs verwenden willst, dann bitte nicht solche, die innerhalb der zweiten Ebene, also dem eigentlichen Drop-Down, noch weitere Flyouts bieten. Das ist nicht im Sinne der Klarheit und Übersichtlichkeit und bietet dem Besucher viel zu viele Alternativen, als dass er sich auf eine Aktion konzentrieren könnte. Bei der Gelegenheit kannst du auch gleich die Überlegung, eine Sidebar anzulegen, begraben.

Am Ende hast du eine ziemlich kleine Website, sowohl vom Gesamtumfang als auch vom Dateigewicht her. Das ist gut unter SEO-Aspekten, aber ebenso unter Konversions-Gesichtspunkten. Es mag dir irgendwie seltsam vorkommen, dass du keinen Boliden erschaffen hast. Und es ist gut möglich, dass auch dein Kunde zunächst irritiert ist.

Erklär ihm das Konzept des Minimalismus. Er wird es dir danken.

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8 Reaktionen
HendrikSchmidt

Minimalismus bedeutet Einfache, unkomplizierte Typografie und ein nackter Gebrauch von Farbe machen für ein Design, das ästhetisch angenehm aber minimal ist. Große Inspiration! Ich möchte an Projekten arbeiten, die minimalistisch sein werden.
http://www.impuls1.de/webdesign-hannover/

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danielcale

Es finde diese Artikel sehr interesant... Bin auch selbst große Fan des Minimalismus und habe meine webseite in diese Sinne aufgebaut https://seo-md.net

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Sandra

Im privaten Alltag kommt vor dem Minimalismus der Konsumverzicht – schon dadurch wird man glücklicher und zufriedener. Ergänzt um ein „zurück zur Natur“, d.h. mit Bedacht die Themen Ernährung und Bewegung in einem entspannenden Umfeld anzugehen, hilft auch… ;-)
Bei den Webseiten nun ist es stark abhängig von der Art bzw. Vorgabe des Auftraggebers – ein Magazin kann sicher auf Wunsch minimalistisch umgesetzt werden, ein Portfolio eines Fotografen wohl eher nicht so – zumindest, wenn man unter „minimalistisch“ auch das Weglassen der meisten Bilder versteht, wie im Artikel vorgeschlagen...
@Peter: Bei den von dir verlinkten WP-Themes von David (MinimalThemes/FastWP) steht sein „Steckenpferd“ Geschwindigkeit stark im Vordergrund der Entwicklungen. Hier gibt es zuweilen aber Zielkonflikte, wenn im Projekt ein mehr an medialem Content gefordert ist. Auch spricht es die eine oder andere Zielgruppe der zu gestaltenden Webseiten nur bedingt an, die Sites dann minimalistisch aufzusetzen, denn im weitesten Sinne gilt ja auch noch „Design follows function“ – und nicht immer ist die geforderte „Funktion“ nur die Ladegeschwindigkeit ;-) …

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grim

@peter
Eigenwerbung?! Die sehen ja potthässlich aus, die Seiten da.

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Karl

Du bist potthässlich

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Karl Marks

Wenn 'grim' die Seiten als Hässlich empfindet ist das doch ok - Geschmäcker sind schließlich verschieden.

Ihre Beleidigung ist dagegen ziemlich Kindisch und Niveau los...

peter

Interessant. Bin selbst großer Fan des Minimalismus und gerade in der heutigen Zeit ist das wichtiger denn je. Schaut euch mal die Wordpress Themes an, wie komplex und verschachtelt diese zum Teil sind. Bin selbst erst seit kurzem über http://minimal-themes.com/ gestolpert und hab mir da mal eins gegönnt und bin durchaus zufrieden.

Manchmal ist zu minimal zwar auch nicht so gut, weil man sich dann wieder Optionen und schnelle Klicks wünscht, aber gerade für die Performance ist weniger einfach mehr. Naja just my 2 cents :P

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Karl Marks

Schöner Ansatz - allerdings alle samt nicht mein Geschmack.

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