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Otto, Telekom – und jetzt Daimler? Deutsche Konzerne verzweifeln am Mobile Payment

(Foto: dpa)

Deutsche Konzerne versuchen sich seit Jahren an hauseigenen Bezahllösungen für das Smartphone. Doch so richtig zünden die Projekte bisher nicht. Jetzt gibt es auch bei Daimler neue Probleme.

Immerhin – eine Website gibt es. Das ist aber auch alles, knapp anderthalb Jahre, nachdem der Stuttgarter Automobilkonzern Daimler mit stattlichem Aplomb seinen Einstieg ins Payment-Geschäft verkündete. „Mercedes Pay – Coming Soon“ steht in fetten Lettern auf der Seite, darunter heißt es: „Mercedes Pay is your wallet for the next generation of mobility services by Daimler. Join us and discover a whole new world of opportunities beyond your driving experience.“

Zu joinen gibt es dann allerdings nichts. Die „whole world“ besteht lediglich aus einem Impressum, das gleichwohl eine dicke Überraschung bereithält. Denn der bisherige Geschäftsführer von Mercedes Pay, Jürgen Wolff, taucht dort gar nicht mehr auf. Stattdessen steht da jetzt ein neuer Name: Bartosz Swatko.

Was ist da los?

Rückblick: Im Januar vergangenen Jahres vermeldete Daimler stolz die Übernahme einer der vielen neuen Payment-Firmen, die sich da draußen tummeln, nämlich der Paycash Europe. Paycash war ein 2012 gegründetes, in der Szene vielbeachtetes, deutsch-luxemburgisches Startup, das neben mobiler Bezahlung auch Krypto-Lösungen und Wallet-Systeme anbot. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Er dürfte laut Branchenkennern im ein- oder vielleicht niedrigen zweistelligen Millionenbereich gelegen haben.

Die Ziele, die das Traditionsunternehmen mit der Akquisition verband, waren eindeutig definiert: „Mit dem Einstieg ins E-Payment-Business wird die Daimler AG unter dem Markennamen ‚Mercedes Pay‘ künftig seinen eigenen elektronischen Zahlungsdienstleister an den Start bringen“, hieß es in einer Presse-Mitteilung. Als „elementaren Bestandteil unserer Mobilitäts- und Digitalisierungsstrategie“ bezeichnete Finanzchef Bodo Uebber die neue Tochter. Und Klaus Entenmann, Chef des hauseigenen Finanzkonzerns Daimler Financial Services, sekundierte: „‚Mercedes Pay‘ ermöglicht ein technisch einfaches und sicheres Abwickeln unserer digitalen Angebote“ – womit zum Beispiel der Sharing-Anbieter Car2go oder die Mytaxi-App gemeint waren. Die Produktidee wurde wurde klar benannt: Um eine „E-Wallet“ sollte es gehen, also um den „virtuellen Geldbeutel“ von Mercedes.

Das klang irgendwie alles schlüssig. Irgendwie aber auch wieder nicht.

Denn. Die Wallet gilt vielen Branchenmanagern zwar einerseits als heiliger Gral der E-Payment-Revolution. Andererseits: Speziell im deutschen Markt ist der Begriff inzwischen ein Synonym für „Scheitern“. So verbrannte der Versandhandelsriese Otto schiere Unsummen beim jahrelang vergebens betriebenen Versuch, eine eigene Wallet-Lösung namens Yapital im Markt zu etablieren; 2015 wurde das Vorhaben begraben (eine Analyse, warum Yapital scheiterte, kannst du bei den Kollegen von Gründerszene lesen). Nicht besser als Otto erging es den großen Mobilfunk-Unternehmen des Landes. Als letztes verkündete jüngst der Vodafone-Konzern das Ende seines Geldbeutel-Projekts: Ende Juni soll die „Vodafone Wallet“ abgeschaltet werden. Zuvor hatten bereits die Telekom („Mywallet“) und O2 („Mpass“) ihre eigenen mobilen Portemonnaies dichtgemacht.

Nun mögen dem Scheitern von Otto, Vodafone oder der Telekom jeweils spezifische Managementfehler zugrundeliegen – darüber hinaus schwebt über jedwedem Geldbeutel-Projekt allerdings eine sehr generelle Frage: Braucht der Kunde die jeweilige Wallet wirklich? An Bezahlverfahren herrscht schließlich kein Mangel. Bei Rewe zum Beispiel konnten die Menschen ihre Einkäufe ja auch schon begleichen, bevor Rewe zum vorübergehenden Flagship-Partner von Yapital wurde. Und bei Car2go funktioniert die Zahlungsabwicklung auch ohne „Mercedes Pay“. Dieselbe Gretchenfrage stellt sich übrigens – wenn auch in einem etwas anderen Kontext – für Paydirekt, den Paypal-Klon der deutschen Banken: Wer braucht die Kopie, wenn es das kostenlose Original schon gibt? Hinzu kommt: Würden die Wallets nicht spätestens im Markt zerrieben, wenn Apple oder Google mit ihren eigenen mobilen Bezahllösungen auf den deutschen Markt kommen? 

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