Interview

„Wir dürfen die Wall Street nicht nur alten, reichen Männern überlassen“

Moneymakers-Autorin Aya Jaff. (Foto: Felix Birkenseer)

Aya Jaff kennt das Gefühl: Die Börse scheint kompliziert und undurchsichtig. Für den Schwerpunkt „Geld und Finanzen“ haben wir über ihr Buch „Moneymakers“ gesprochen – und warum es jüngere Menschen für die Finanzwelt begeistern soll.

Vor allem die deutschen Bürgerinnen und Bürger gelten als große Aktienmuffel. Aya Jaff hinterfragt das in ihrem neuen Buch „Moneymakers“ (Amazon, Thalia) und geht auch der Frage nach, ob das Bild des üblen Börsianers zutrifft. Jaff glaubt, dass vor allem Hintergrundwissen wichtig ist, um zu verstehen, wie die Börsenwelt wirklich tickt. „Wer die News richtig lesen kann, wird auf lange Zeit einen kühlen Kopf bewahren“, erklärt sie im t3n-Gespräch und plädiert dafür, dass vor allem Jüngere sich mehr mit Begriffen, Strukturen und Gepflogenheiten des Geldparketts auseinandersetzen sollten. In ihrem Buch erklärt sie die Zusammenhänge – und im t3n-Interview ihr Buch.

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Moneymakers-Autorin Aya Jaff: „Ich wollte wissen, ob das Bild des üblen Börsianers stimmt“

Aya Jaff glaubt: Die Wall Street ist mehr als nur ein Tummelplatz für Bösewichte. (Foto: Felix Birkenseer)

t3n: Aya, mit wie viel Jahren hast du das erste Mal in eine Aktie investiert? Und hat sich das gelohnt?

Aya Jaff: Mit 15 habe ich mich das erste Mal mit Aktien beschäftigt, ein Jahr später habe ich mich dann dazu entschieden, regelmäßig in einen ETF einzuzahlen und parallel dazu mit Spielgeld einzelne Aktienwerte zu kaufen. Das habe ich etwa ein halbes Jahrzehnt gemacht, bevor ich den Fonds dann leergeräumt und vom Gewinn einen Teil meines Führerscheins bezahlt habe. Also für mich hat sich das schon gelohnt!

t3n: Hattest du keine Angst, das Geld zu verlieren?

Eigentlich hatte ich relativ wenig Angst. Eine Krise wie die 2008 hatte ich ja nicht wirklich erlebt. Ich habe ja quasi die Wirtschaft nur von der guten Seite kennengelernt. Auch die Werte, in die ich investiert habe, waren alle relativ sicher und deswegen nicht gerade super gewinnbringend. Dass ich das Geld je verlieren könnte, war mir nicht so richtig bewusst. Vor allem, weil es sich fast immer gut entwickelt hat. Zum Glück. Aber die Krise jetzt macht mich heute natürlich etwas vorsichtiger.

t3n: Vor allem die Deutschen gelten als Aktienmuffel. Warum ist das so?

Das hat viele Gründe. Zum einen haben sich viele Deutsche schon einmal an Aktien verbrannt – wie beispielsweise an der Telekom-Aktie damals –, zum anderen sind viele auch einfach eingeschüchtert von der Börsenwelt. Sie fühlen sich nicht sicher genug bei dem Gedanken, in Aktien zu investieren, da es vor allem auch weder in der Schule, noch in der Universität beigebracht wird. Das wundert mich wirklich immer noch.

t3n: In deinem neuen Buch „Moneymakers“ versuchst du, vor allem junge Menschen zu erreichen, die sich für die Börse interessieren und vielleicht sogar investieren wollen, aber Vorurteile haben. Woher kommt deine Ambition?

Ich hatte selbst unheimlich viele Vorurteile, was das Thema anging, weshalb mich die Börsenwelt aber umso mehr gereizt hat. Ich wollte herausfinden, ob das Bild des üblen Börsianers à la Jordan Belfort wirklich stimmt und ob alle so sind. Schnell habe ich dann aber herausgefunden, dass das nur eine Seite der Medaille ist und es durchaus Themen gibt, die besonders auch meine Generation interessieren.

t3n: Welche sind das?

Nachhaltigkeit, große Tech-Trends wie AI und Big Data bekommen beispielsweise immer mehr Aufmerksamkeit der Börse. Grundsätzlich will ich aber auch, dass die Wall Street nicht nur alten, reichen Männern überlassen wird. Die Leute sollen verstehen, dass so ziemlich alle beliebten Produkte und Marken um uns herum überhaupt erst durch die Börse so groß gedacht werden konnten. Ich bin dafür, dass man sich damit auseinandersetzt – ob man jetzt Börsenfreund oder -feind ist. Beide Seiten kommen im Buch zum Zug.

t3n: Gerade jetzt in der Coronakrise wird deutlich, wie volatil der Markt momentan ist. Auch der Handelskrieg zwischen den USA und China und der Brexit sorgen zusätzlich für Unsicherheiten. Der IWF hat die stärkste Depression seit 90 Jahren für die kommenden Jahre prognostiziert. Wie passt dein Buch in diese Zeit?

Ich bin der Überzeugung, dass es jederzeit Sinn ergibt, sich mit dem Wirtschaftsgeschehen auseinanderzusetzen. In Krisenzeiten natürlich umso mehr, denn dann versteht man viele Zusammenhänge intensiver und kann insgesamt selbst nicht mehr so stark verunsichert werden von großen Schlagzeilen. Wer die News richtig lesen kann, wird auf lange Zeit einen kühlen Kopf bewahren und mein Buch zeigt genau das: erst einmal Börse, News und Zusammenhänge verstehen, dann seine eigene Rolle im Ganzen identifizieren und schlussendlich mitreden und mithandeln können bei großen Ereignissen.

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t3n: Du stellst in deinem Buch auch Menschen vor, die besonders erfolgreich im Geldgeschäft sind. Warum?

In der Pop-Industrie werden so gut wie immer nur negative Beispiele genannt – wie bei Wall Street oder Wolf of Wall Street –, wenn es um Menschen geht, die mit Aktien handeln. Das prägt natürlich das Berufsbild vor allem in den jungen Jahren sehr stark. So stark, dass man sich dann irgendwann auch gar nicht mehr angesprochen fühlt und insgesamt mit der Branche wenig anfangen kann. Doch es gibt so viele Beispiele von ganz verschiedenen Menschen, die aktiv an der Börse investieren – sowohl im großen als auch kleinen Stil, sowohl fachfremd als auch professionell, von denen man noch nie was gehört hat und die dem Bild überhaupt nicht entsprechen. Die Hoffnung ist, dass junge Leser die Welt durch die Brille dieser Menschen für sich entdecken und verschiedenste Themen ihren Platz finden.

t3n: Eine dieser Personen ist Natascha Wegelin, die auch den erfolgreichen Finanzpodcast „Madame Moneypenny“ führt. Warum gehört sie in diese Liste?

Ich habe Natascha Wegelin interviewt, weil sie so wunderbar erklären kann, warum es auch in Mikro-Perspektive wichtig ist, sich mit seinen eigenen Finanzen auseinanderzusetzen – vor allem aus der Frauensicht. Mein Buch ist ja eher darauf ausgelegt, Leuten die makroökonomischen Zusammenhänge aufzuzeigen. Sie ist ein Moneymaker, weil sie durch ihre Geldanlageentscheidungen einen Wert schafft –  in diesem Fall vor allem zur Vorsorge, denn Frauen sind auch öfter von Altersarmut betroffen.

t3n: Zu guter Letzt: Aktien, ETF, Riesterrente, Kryptowährung? Wo würdest du vorwiegend dein Geld anlegen?

Diese Entscheidung muss jeder für sich selbst treffen. Auch im Buch wird man mit der Frage konfrontiert, wie der zeitliche Horizont für sein Investment ist und was man sich davon erhofft. Hier sind verschiedene Kriterien von Bedeutung: Wie viel Geld hast du bereits angespart? Ab welchem Risiko wird dir persönlich unwohl? Woran glaubst du – an welche Branche, welchen Trend oder welches Produkte? Generell würde ich Anfängern eher raten, die Finger von einzelnen Aktienkäufen zu lassen, wenn sie sich nicht gut genug mit dem Unternehmen auskennen, und sich eher auf ETF zu beschränken – da kann man sein Geld dann idealerweise auch Jahre drinlassen und braucht sich keine Sorgen zu machen.

t3n: Danke dir für deine Zeit!

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Ein Kommentar
Gerrit
Gerrit

Das einzige was die Börse ist, ist ein Kasino. Ein Kasino für die reichen die darüber bestimmen können ob sich arme Bauern morgen überhaut noch Getreide leisten können. Nichts weiter.
Und das einzige was man an der Börse wissen muss ist:
Wenn der Kurs unten ist musst du KAUFEN KAUFEN KAUFEN!
Der Markt wird sich so oder so erholen, egal was für ein Krieg ausgebrochen ist oder wie viele Menschen an einer Pandemie gestorben sind. Früher oder später geht alles wieder seinen gewohnten Gang. Und dann ist es doch besser die Taschen voller billiger ETFs und Aktien zu haben.

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