Interview

Daimler-Tochter Moovel: „Wir helfen dem Kunden dabei, kein eigenes Auto mehr besitzen zu müssen“

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t3n.de: Siehst du Moovel als wesentlichen Teil der Digitalisierungsstrategie von Daimler?

Wir sind ein Teil der Digitalisierungsstrategie. Wir unterstützen Daimler in dem Transformationsprozess von einem Autohersteller zu einem Mobilitätskonzern. Und wir sehen uns als Wegbereiter. Wir schaffen mit Moovel eine Art Betriebssystem für urbane Mobilität, das Zugang zu ganz unterschiedlichen Mobilitätsanwendungen bietet.

t3n.de: Bei Daimler strebt man verständlicherweise weiterhin eine „technologische Führerschaft“ beim Fahrzeugbau an. Alles andere würde auch überraschen. Nur: Wie reell ist dieser Anspruch noch in Zeiten von Google und Tesla?

Ich sehe Daimler in allen Bereichen in einer klaren Technologieführerschaft, über alle Sparten hinweg. PKW, LKW, Transporter, Busse. Daimler hat aus meiner Sicht das breiteste Angebot an neuen Technologien, die bereits im Betrieb oder zumindest in Pilotbetrieben sind.

t3n.de: Kann man denn mit Moovel überhaupt schon Geld verdienen, oder hängt das Unternehmen am Tropf von Daimler?

Daimler versteht Moovel als Investment in die Zukunft. Und in der Zukunft soll mit Moovel natürlich Geld verdient werden können.

t3n.de: Wie soll Moovel auf dem hart umkämpften Mobilitätsmarkt auf Dauer bestehen?

Wir wollen weiter verstehen lernen, wie sich die Nutzung verschiedener Mobilitätsformen entwickelt und sich der Bedarf nach Mobilität verändert. Und hierfür wollen wir die passenden Produkte anbieten. Da müssen wir viel experimentieren.

t3n.de: Da könnte euer „Lab“ helfen, eine Art Forschungslabor, das ihr euch zugelegt habt. Ist das eher Fassade oder Teil eurer Strategie?

Wir sind natürlich der Meinung, dass wir ein hochinnovatives Unternehmen sind. Aber ist das wirklich so? Das Lab ist für uns eine sehr wichtige Einrichtung, um über unseren eigenen Tellerrand hinauszuschauen. Welche Entwicklungen sind als Nächstes und Übernächstes zu erwarten? Wie verändern sich Verhaltensweisen von Nutzern? Menschen, die sich mit Mobilität beschäftigen und nach einer spannenden Aufgabe suchen, können wir im Moovel-Lab ein passendes Umfeld bieten.

t3n.de: Wie sieht die Kooperation mit Startups aus?

Unser Lab kooperiert mit Startups und Forschungseinrichtungen weltweit. Eines unserer Konzepte heißt: „Artists in Residence“. Forscher aus aller Welt arbeiten im Lab für eine bestimmte Zeit – in der Regel drei bis sechs Monate – an einem konkreten Projekt.

t3n.de: Derzeit beschränkt sich Moovel auf die Daimler-Dienste car2go, mytaxi, Zugverbindungen der Deutschen Bahn und den öffentlichen Personennahverkehr in Stuttgart und Hamburg. Planst du weitere Kooperationen?

Wir bewerten laufend die Integration anderer Mobility-Service-Provider (MSP), also zum Beispiel weiterer Car-Sharing-Anbieter. Wir heißen alle innovativen Anbieter auf unserer Plattform willkommen. Auch das Leihen von Fahrrädern ist mehr als ein Trend und wird sich weiterentwickeln.

t3n.de: Wird Flixbus noch in die App integriert? Das dürfte vor allem für junge Leute interessant sein…

Unsere Nutzer würden hiervon sicher profitieren, denn wenn man als Fahrgast mit dem Fernbus an der Haltestelle ankommt, geht es natürlich darum, zum Ziel weiterzureisen. Wir sind im Dialog mit den Kollegen von Flixbus.

t3n.de: Flinkster, das Carsharing der DB, hat Moovel wieder aus der App entfernt…

Beide Systeme haben sich seit dem Start der Kooperation stark weiterentwickelt. Der Aufwand und die Komplexität, beide Systeme in einer App zu vereinen, sind stark angestiegen. Vor diesem Hintergrund haben wie uns gemeinsam dazu entschieden, die Schnittstellen zu überprüfen und die Zusammenarbeit zu pausieren.

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