Du hast deinen AdBlocker an?

Es wäre ein Traum, wenn du ihn für t3n.de deaktivierst. Wir zeigen dir gerne, wie das geht. Und natürlich erklären wir dir auch, warum uns das so wichtig ist. Digitales High-five, deine t3n-Redaktion

Interview

MyEnso-Gründer: „Was Amazon macht, kann uns egal sein“

Norbert Hegmann und Thorsten Bausch wollen mit MyEnso die Lebensmittelbranche aufmischen. (Foto: MyEnso)

Das Bremer Lebensmittel-Startup MyEnso macht vieles anders als die Großen der Branche: Basisdemokratie, Genossenschaft der Kunden, Ersetzen des Dorfladens. Kann das gut gehen?

Lebensmittel online zu bestellen ist ein Trendthema. Spätestens seitdem Amazon im vergangenen Jahr seinen Lieferdienst für Lebensmittel auch in Deutschland an den Start gebracht und Rewe seine Liefer-Flatrate eingeführt hat. Der Markt, soviel steht fest, kann in den nächsten Jahren noch auf hohe Zuwachsraten hoffen.

Zum ersten Mal hat im vergangenen Jahr der Online-Umsatz für Lebensmittel die Grenze von einer Milliarde Euro überschritten und der achtfache Umsatz ist laut einer Studie der Unternehmensberatung Oliver Wyman in den nächsten fünf Jahren realistisch. Lebensmittel gelten als situatives Handelsgut: 56 Prozent der Kunden kaufen gelegentlich online ein, nutzen aber genauso selbstverständlich den Discounter oder Supermarkt in herkömmlicher Form.

MyEnso will gegen Amazon und Rewe antreten

Einen etwas anderen Ansatz als die großen Food-Ketten fährt MyEnso. Das Bremer Startup hat dieser Tage seinen Webshop auf die Straße gebracht – beliefert bis Ende des Jahres aber zunächst aber nur die „Pioneers“ genannten Modellkunden, klassische Early Adopter. Die durften in den letzten Wochen (und auch in Zukunft) darüber abstimmen, welche Produkte und Hersteller ins Sortiment kommen und welche Shop-Features und Services umgesetzt werden. Ob eine solche basisdemokratische Herangehensweise funktioniert, wird sich also erst noch zeigen müssen.

Die Pioniere dürfen mitbestimmen: MyEnso setzt auf viel Marktforschung und will Kunden so langfristig an sich binden. (Bild: MyEnso)

Spannend genug ist das Modell aber in jedem Fall, weswegen wir mit Thorsten Bausch, einem der beiden Gründer, gesprochen haben. Er hat uns erklärt, weshalb es ihnen eigentlich egal sein kann, was Amazon mit seinem Lieferdienst macht und warum der Preis zumindest bislang gar nicht mal der wichtigste Punkt beim Online-Lebensmittelkauf ist.

t3n.de: Thorsten, ihr fragt eure Kunden, welche Artikel ins Sortiment sollen und welche Dienstleistungen sie erwarten. Was hat euch das an Erkenntnissen gebracht?

Thorsten Bausch: Wir haben schon vor der Gründung unseres Unternehmens 1,5 Millionen Euro in Marktforschung investiert, um herauszufinden, was potenzielle Kunden wollen, wer sie sind und unter welchen Umständen sie ihre Lebensmittel online einkaufen würden. Uns ging es darum, dass wir verstehen, warum die Deutschen bisher nicht so gerne im Online-Supermarkt einkaufen. Unsere erste große Erkenntnis war, dass über 50 Prozent aller Deutschen im Internet bereits Supermarkt-Produkte eingekauft haben, aber eben nicht in einem Online-Supermarkt, sondern bei Spezialanbietern. Überraschend war auch, dass die typischen Käufer nicht unbedingt die jungen Hipster sind. Das Durchschnittsalter liegt bei 44,2 Jahren, der Anteil der Männer sogar bei 45 Prozent. Nur 14 Prozent der befragten Käufer besitzen kein Auto. Die Hauptgründe, warum die Menschen ihren Lebensmitteleinkauf online tätigen würden, sind natürlich die Bequemlichkeit und Zeitersparnis. Aber ein weiterer wichtiger Treiber, den ein Viertel der Befragten angab, war, dass manche Produkte offline schwer erhältlich sind.

t3n.de: Wie aussagekräftig ist eine solche Befragung überhaupt? Möglicherweise verhalten sich die Kunden dann tatsächlich doch anders, als sie in einer solchen Befragung erklären, etwa beim Thema Zahlungsbereitschaft und Kaufhäufigkeit.

Wir konnten nahezu alle Erkenntnisse kreuzen und so an anderer Stelle noch einmal beweisen. So haben wir beispielsweise gemeinsam mit dem führenden Marktforschungsinstitut Kantar TNS 6.000 Online-Interviews geführt, haben mehr als 100.000 Bons von Online-Einkäufen ausgewertet und eine achttägige Online-Community mit Online-Käufern sowie einen eigenem Testmarkt durchgeführt. In einem Workshop mit einer Supergroup haben wir dann konkrete Ideen entwickelt, wie ein Online-Supermarkt sein sollte, der den Kunden gefällt. Die Erkenntnisse lassen sich also verlässlich hochrechnen und verifizieren.

t3n.de: Wo liegt denn das Hauptbedürfnis der Kunden?

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Schreib den ersten Kommentar!

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.

Jetzt anmelden

Finde einen Job, den du liebst