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Ratgeber

Mythen über Traumjobs: Diese Märchen solltest du niemals glauben

Im großen Konzern bist du sicherer, Karriere geht nur bis Mitte 30 und der Sprung ins kalte Wasser ist am besten: Märchen wie diese zementieren eine Erwartung, die viele Karrieren behindert.

3 Min.
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Nicht alles, was erzählt wird, stimmt auch. (Foto: fizkes / Shutterstock)

Ewige Wahrheiten sind selten. Das gilt auch für Karrieretipps und -weisheiten. „Die Zeiten ändern sich“, das ist die eine Wahrheit, die wirklich konstant ist. Die meisten anderen sind frei erfunden, klingen plausibel und ganz toll – sollen aber nur das Ego einer Gruppe streicheln. Andere sind schlicht veraltet. So werden Wahrheiten zu Mythen und schließlich zu Karrierebullshit. Einige Beispiele, die du dir ganz schnell aus dem Kopf schlagen kannst:

„Im großen Konzern bist du sicher“

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Nein, bist du nicht. Auch große Konzerne müssen mal Leute entlassen. Sie müssen Sparziele erreichen, Sparten dichtmachen oder Prozesse optimieren. Bei betriebsbedingten Kündigungen gelten die Regeln der Sozialauswahl, bei denen gerade junge Menschen, die noch keine Zeit hatten, sich abzusichern, sofort durchs Raster fallen. Auf einen Konzern zu vertrauen, ist deshalb keine kluge Methode für Menschen, die auf Sicherheit setzen. Wichtiger ist die Investition in die eigenen Fähigkeiten – und das Aktiendepot.

„Karriere geht nur bis (spätestens!) Mitte 30“

… behaupten gerade junge Männer so gern. Wer wird dabei ausgeschlossen? Genau: Männer und Frauen, die gern Elternzeit nehmen wollen, vielleicht sogar mehrfach; Frauen allgemein, denn die sind ja immer ein Risiko; und Menschen, die schon etwas älter sind und nach ihrer Zeit als Expert*innen führen und gestalten wollen. Dieser Karrieremythos pusht eigentlich nur eine Gruppe: junge Männer, die keine Familien wollen oder sich in ihren Familien nicht einbringen. Wie praktisch! Denkt man sich die Regel weg, steht der Wirtschaft plötzlich ein gewaltiges Potenzial offen.

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Karriere-Tipps an das frühere Ich: „Ach, hätte ich doch bloß“

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„Anfangs musst du das schlechte Gehalt schlucken“

Nö. Musst du gar nicht. Wer sagt das denn? Und wieso soll diese Person für dich entscheiden? Du musst gar nix schlucken, außer Vitamin D in den Wintermonaten. Informiere dich über Gehälter oder Honorare in deiner Branche und verhandle so, wie du es dir selbst erlauben kannst. Vielleicht denkst du intuitiv: Je wichtiger mir der Job ist, desto geringer sollte ich einsteigen. Doch das stimmt nur bedingt. Mit deinen Gehaltsvorstellungen benennst du deinen Wert – den solltest du nicht zu niedrig ansetzen. Liegst du zu hoch, die Firma will dich aber, werden sie verhandeln und ihr könnt einander entgegenkommen. Und übrigens: Innerhalb einer Firma sind größere Gehaltssprünge manchmal schwierig. Wenn es dein Traum ist, in diesem Konzern Karriere zu machen, wird dieser Traum bei zu geringem Einstiegsgehalt ziemlich teuer.

„Der erste Job entscheidet über dein Leben“

Tut er nicht. Der erste Job entscheidet über dein Berufsleben in den Monaten oder Jahren, in denen du ihn ausübst. Wenn du dich vergriffen hast: wechsle! Aber lass dich nicht von dem Gedanken behindern, sofort den perfekten Traumjob bekommen zu müssen. Wenn du gerade erst aus der Hochschule oder Ausbildung kommst, dann hast du – sorry – gar keine Ahnung, was dein Traumjob sein wird. Du kannst es nämlich aus Mangel an Informationen gar nicht beurteilen. Mach einen Job, auf den du Lust hast und der dich dahin bringt, wo du gerade hinwillst. Wenn du gerade einfach nur Geld brauchst: verdien Geld! So schlimm ist das nicht.

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„Der Sprung ins kalte Wasser ist oft am besten“

Kaltes Wasser ist kalt. Und sicherlich können Menschen viel lernen, wenn sie einfach mal machen. Aber gleichzeitig können sie viel Schaden anrichten. Bei anderen, in der Firma – und bei sich selbst. Die „spring ins kalte Wasser“-Haltung hat schon viele schlechte Führungskräfte hervorgebracht. Eine professionelle Begleitung, vielleicht in Form eines Mentorings oder Coachings, hätte hier viel Unheil verhindern können. Unsouveräne Führungskräfte traktieren ihre Teams mit Mikromanagement, Kumpelei oder Arroganz, schlechtem Timing und verwirrender Organisation. Niemand ist zum Anführer geboren, lernen kann es aber fast jede*r.

Kündigen in der Krise? Das sind die Gründe – laut 28.000 Beschäftigten

Die Gefahr der Karrieremythen liegt darin, dass sie so plausibel klingen. Sie werden immer wieder kolportiert, deshalb glauben die Menschen sie. Wie so viele daran glauben, dass frischer Kuchen Bauchschmerzen mache. Die glatte Lüge wurde eben oft genug wiederholt. Hinterfrag die Karrierethesen! Sprich darüber. Geh erst einmal vom Gegenteil aus, dann entsteht zumindest kein Schaden.

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Schneider

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