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Nach(-)Halle: Was können Twitch und Co. tun, um Terror-Streams Herr zu werden?

Am 09.10.2019 geschah der Terroranschlag von Halle. Der Täter übertrug ihn live auf Twitch. Was können Plattformen gegen so etwas tun? (Bild: t3n)

Der Terrorist von Halle streamte seinen Anschlag live auf Twitch. Er ist nicht der erste „Active Shooter“, der ein Video seiner Tat per Live-Übertragung im Internet verbreitet. Können Twitch und andere Plattformen etwas dagegen tun? Und wenn ja, was?

Am 9. Oktober, dem jüdischen Feiertag Jom Kippur, passierte #Halle0910: Ein Mann attackierte mit teils selbst gebauten Waffen eine Synagoge in Halle, versuchte ins Gebäude einzudringen, scheiterte, und tötete danach zwei Unbeteiligte, verwundete zwei weitere schwer. Nach kurzer Flucht wurde er letztendlich festgenommen. Dass die Tat antisemitisch motiviert war, und dass gegen ihre Ursachen, die Motivation des mutmaßlichen Täters (eines 27-jährigen, weißen Eislebeners) und ein grundlegendes Problem mit antisemitischen Haltungen in Deutschland etwas getan werden muss, halten wir mal fest. Für einen anderen Ort, eine andere Zeit.

Auf Twitch live dabei

Der Anschlag wurde für rund 35 Minuten live auf der Streaming-Plattform der Amazon-Tochter Twitch übertragen und  war danach für etwa weitere 30 Minuten als Video dort gespeichert und zu sehen. Wie Twitch angab und auch Golem berichtete, hatte der mutmaßliche Täter den Kanal zwei Monate zuvor angelegt und nur einmal für einen Streaming-Versuch benutzt. Das kann dort jeder, der sich mit einer gültigen Mail-Adresse anmeldet.

Der mutmaßliche Täter filmte seine Tat mit einer Helmkamera, vorher und während seiner Flucht auch sich selbst, sprach in gebrochenem Englisch in die Linse. Dabei ging es um seine Pläne, seinen Ärger über seine eigene Inkompetenz, und seine Motivation, die hier nicht noch einmal reproduziert werden soll. Englisch wählte er vermutlich, um auch sein internationales Publikum zu erreichen. Er nannte sich selbst „Anon“, kurz für „Anonymous“ – so nennen sich viele Nutzer der Message-Boards 4chan und (dem seit einigen Monaten vom Netz genommenen) 8chan. Er reiht sich mit seiner Tat, der Live-Übertragung und der „Anon“-Selbstbezeichnung hinter den Terroristen von Christchurch, Poway und El Paso in den USA ein.

Wie Twitch auf Twitter mitteilte, sahen etwa fünf Personen bei der Live-Übertragung zu (ob die ganzen 35 Minuten oder kürzer, ist derzeit nicht bekannt). Beendete Übertragungen bleiben bei Twitch automatisch mehrere Wochen als VOD (Video-on-Demand) gespeichert, sodass man sie auch im Nachhinein noch ansehen kann. Laut Twitch taten genau das rund 2.200 Menschen, ehe das Video gemeldet, dann gelöscht und der Twitch-Account des Streamers gesperrt wurde. Auf weitere Nachfragen von t3n hat Twitch bis Redaktionsschluss nicht reagiert.

Das Video sowie ein kürzerer Ausschnitt daraus wurden jedoch von Zuschauern heruntergeladen, gespeichert und unter anderem über den Messenger Telegram verbreitet. Dort hatte eines der Videos den Dateinamen „Joker.mp4“ – wahrscheinlich in Anspielung auf den aktuellen Kinofilm. Allein über Telegram erreichte das Video laut Angaben der Extremismus-Expertin Megan Squire bis zur Nacht des 10. Oktober 2019 gut 50.000 Views – mittlerweile dürften es noch mehr sein, das Video wurde noch nicht aus Telegram entfernt. Der kürzere Clip soll knapp 4.000 Views haben.

Auch über die Video-Plattform Bitchute wurden die Videos verbreitet. Die auf Bittorrent basierende Plattform steht regelmäßig in der Kritik, da viele Medien mit rechten und rechtsextremen Inhalten dort zirkulieren – was den Betreiber nicht zu stören scheint.

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2 Kommentare
Benutzer
Benutzer

Aktion statt Reaktion.

Prävention statt Eskalation.

Bilden und Ursachen rrforschen statt Sicherheitsapparate ausbauen und mit Sperrfiltern drohen.

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Julius Beineke

‚Julius Beineke gefällt das‘

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