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Fossil statt nachhaltig: „Grüne“ Fonds stecken Geld in Öl und Gas

Nachhaltige Fonds haben nach dem russischen Angriff auf die Ukraine fast eine Milliarde US-Dollar in Öl- und Gasfirmen umgeschichtet. Das zeigt eine Studie der Initiative Finanzwende.

Von Ulrike Barth
3 Min. Lesezeit

In nachhaltigen Fonds steckt immer noch viel Greenwashing. (Bild: Ivan Marc/Shutterstock)

Der russische Überfall auf die Ukraine am 24. Februar 2022 hat die Aktienmärkte bewegt. Während die Aktienkurse von Öl- und Gasfirmen boomten, erlebten Techaktien einen massiven Einbruch. Eine Situation, die auch an den Managern sogenannter grüner Fonds nicht vorbeigegangen ist: Sie strickten ihre Portfolios um, verkauften Aktien der Technologie- und Finanzbranche, die als weniger klimaschädlich gelten, und kauften vor allem zusätzliche Aktien von Energiefirmen ein.

Nur sind die angeblich nachhaltigen Fonds dadurch leider ein Stück weniger „grün“ geworden, wie eine Studie der Initiative Finanzwende zeigt. Allein zwischen Dezember 2021 und März 2022 haben als nachhaltig beworbene Fonds 940 Millionen US-Dollar zusätzliches Geld in Energieunternehmen gesteckt, die mit fossilen Energieträgern arbeiten. In erneuerbare Energie flossen dagegen „nur“ 138 Millionen US-Dollar.

Gleichzeitig wurden Techaktien (16 Milliarden US-Dollar) und Aktien des Finanzsektors (zehn Milliarden Dollar) in großem Stil abgestoßen. Durch die Umschichtung sind die Fonds laut der Studie im Durchschnitt um 7,9 Prozent CO₂-intensiver geworden.

Gewinne mitnehmen

Viele „grüne“ Fonds hätten an der Gewinnentwicklung von Ölunternehmen und Co. partizipieren wollen, sagt Co-Autorin Magdalena Senn von Finanzwende Recherche – „ganz so, als hätten sie sich nicht der Nachhaltigkeit verschrieben“. Für die Nichtregierungsorganisation (NGO), die sich der Transparenz im Finanzmarkt verschrieben hat, ist das – wie der Titel der Studie schon sagt – „Greenwashing in Zeiten von Ukrainekrieg und Energiekrisen“.

Die größten Profiteure der Umschichtungen in den „grünen“ Fonds sind der italienische Energiekonzern Eni, in dessen Aktien die untersuchten Fonds rund 226 Millionen US-Dollar gesteckt haben, sowie der indische Mischkonzern Reliance (209 Millionen US-Dollar) und der französische Ölkonzern Total (203 Millionen US-Dollar).

Finanzwende hat für die Untersuchung 2.400 in Europa erhältliche und als nachhaltig beworbene Fonds unter die Lupe genommen. Dazu wurden Daten des Informationsdienstes Morningstar hinzugezogen. Konkret handelt es sich um Fonds, die den Kategorien Artikel 8 und Artikel 9 der EU-Verordnung von Mai 2021 zugeordnet sind und damit als nachhaltig in Bezug auf Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung (ESG) beworben werden dürfen. Insgesamt hatten die Aktienportfolios Ende 2021 einen Wert von rund zwei Billionen US-Dollar, untersucht wurde ein Zeitraum zwischen Ende Dezember 2021 und Ende März 2022.

Greenwashing hat zugenommen

Das Fazit der Studie: Das Gros des Investments „grüner“ Fonds weicht weiterhin von dem ab, was sich Verbraucher üblicherweise unter einem grünen Investment vorstellen. Das Missverhältnis zwischen dem teilweise „blumigen Marketing“ nachhaltiger Fonds und deren Inhalt habe sich durch die neue Marktsituation sogar noch verschärft, schreiben die Autoren.

Die Erkenntnis, dass „grüne“ Fonds weniger nachhaltig sind, als ihre Vermarktung es suggeriert, ist allerdings nicht neu: Schon vor einem Jahr hatte Finanzwende die grünen Investitionsmöglichkeiten genauer angeschaut. Auch damals steckten entsprechende Fonds schon dreimal so viel Geld in fossilen Energien wie in Firmen aus dem Bereich erneuerbarer Energien.

Die Initiative fordert vor allem klare und strenge Regeln, was nachhaltige Fonds tun dürfen und was nicht. Allerdings weist die NGO auch darauf hin, dass die Studie keine pauschalen Aussagen über die Nachhaltigkeit grüner Anlagen treffen kann. Einige Fonds würden auch komplett auf fossile Energieunternehmen verzichten. Wer nach nachhaltigen Fonds ohne Greenwashing sucht, kann also durchaus fündig werden. Allerdings müssen Verbraucher dafür selbst genau hinschauen, welche Aktien in den als „grün“ beworbenen Fonds stecken.

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