Ratgeber

New Work: Drei Settings für konzentriertes Arbeiten im Büro

Ist das Großraumbüro eine ideale Arbeitsumgebung? (Foto: Shutterstock / Monkey Business Images)

Neues Arbeiten nur auf mehr Erreichbarkeit und modernere Technik zu beschränken, greift zu kurz: Mehr denn je kommt es auf die Arbeitsumgebungen an – etwa für konzentriertes Arbeiten. Ein Gastbeitrag.

Neues Arbeiten verändert nicht nur die Art, wann und wie wir erreichbar sind, sondern auch das Wo – kurzum also unsere Arbeitsumgebungen. Zwecks besserer Kommunikation im Team und im gesamten Unternehmen (und, wenn wir ehrlich sind, auch aus Kostengründen) entstehen oft Teamarbeitsflächen, oft Großraumbüros genannt, in denen mehrere Personen zusammensitzen und zusammenarbeiten.

Aber: Teamarbeit und Dialogarbeit heißt Austausch. Und wenn die Kollegen den zu laut betreiben, fällt das konzentrierte Arbeiten oft schwer. Deswegen kann es guttun, wenn es für das konzentrierte Arbeiten – wir bezeichnen es als „Tunnelarbeit“ – alternative Arbeitsorte gibt. Orte der absoluten Ruhe, und zwar akustisch, visuell und auch gefühlt. Orte, an denen wir mit einer Deadline im Nacken unsere Präsentation fertig „schrubben“ können oder diesen verzwickten Excel-Formelbezug endlich gedanklich durchdringen können. Orte, die folgendermaßen aussehen können:

Workspace für einzelne Stillarbeit: Die „Denkerzelle“

Möglichkeit eins: Wir schotten uns von allem ab in einer „Denkerzelle“ oder „Dialogbox“. Das sind meist Raum-in-Raum-Konstruktionen aus Glas mit Decke und Tür. Wenn wir diese zumachen, herrscht – relative – Ruhe. Das Wort „Denkerzelle“ hält dabei, was es verspricht, im guten wie im schlechten Sinne. In der Denkerzelle sind wir tatsächlich alleine, kein Geräusch, kein Ausblick, kein Bild und kein Gesicht kann uns ablenken. Das funktioniert für manche von uns gut, für die meisten aber schlecht.

Unsere naturgegebene klaustrophobische Veranlagung dürfte hieran schuld sein. Auch die – vor allem in „günstigeren“ Denkerzellen – meist nur mittelgut funktionierende Belüftung trägt wohl hierzu bei. Denn Denkerzellen lassen sich überwiegend nicht an Fenster anschließen. Zudem führt bei ungünstiger Platzierung der Box im Raum die meist vorhandene Glasfront zu einem gewissen Zoo-Effekt. Wir fühlen uns von hinten oder seitlich beobachtet. Das klingt alles sehr negativ, aber eine oder zwei dieser Zellen in unserer Homebase – also dem Ort, an dem das Team arbeitet – schaden höchstens dem Portemonnaie. Gut funktionieren sie nämlich für längere Telefonate und besonders für Telefonkonferenzen. Ausnahmen bestätigen dabei wie immer die Regel.

Workspace für gemeinsame Stillarbeit: Die „Bibliothek“

Möglichkeit zwei: Wir schließen uns mit anderen zusammen, die genauso konzentriert arbeiten wollen wie wir. Wie früher zu Studienzeiten, als wir uns gemeinsam in der Bibliothek eingeschlossen haben. Wir saßen zu zehnt oder mehr am Tisch, jeder hatte seine Lampe, seinen Laptop und seine Flasche Wasser. Es wurde gebüffelt, bis der Nachtwächter kam, und dabei herrschte absolute Ruhe. Die Klausuren haben wir (oft) bestanden.

Einen solchen Stillarbeitsort können wir uns auch in unserer Arbeitsumgebung schaffen. Das Gute hieran ist, dass wir nicht alleine sind, andere sich gemeinsam mit uns konzentrieren, der Raum angenehm ist und trotzdem Stille herrscht. Um solch eine Bibliothek einzurichten, reicht – je nach Unternehmensgröße – ein (mittel-)großer Raum mit Tür, zwei Workbenches und schicke Tischleuchten. Wichtig ist nur, dass jeder die Bibliotheksregel kennt: Nicht telefonieren, nicht reden und nicht lachen. Und wenn, dann nur kurz.

Workspace für Stillarbeit zwischendurch: Die „Nische“

Möglichkeit drei ist eine interessante Entdeckung. In Zeiten, in denen Musik über Kopfhörer für viele fast Grundvoraussetzung für konzentriertes Arbeiten ist, brauchen wir gar keinen Raum und keine Tür mehr für Stillarbeit. Eine Nische, die uns vor visueller Ablenkung schützt und uns mit passendem Licht ein kokonhaftes, angenehmes Gefühl vermittelt, reicht völlig. Zumindest für Musikliebhaber. Solche Nischen können wesentlich näher an der Schreibtischfläche positioniert werden als ein Raum, sodass sie sich auch für kurze Auszeiten besser nutzen lassen.

Wenn solche Möglichkeiten zur Tunnelarbeit im Unternehmen bestehen, diese aber weniger genutzt werden als gedacht, hat es meist zwei Gründe: Einerseits, dass die Homebases nicht so laut sind wie gedacht; andererseits, dass gemütliche Flächen des Zusammenseins gibt, die sich besser als erwartet für Tunnelarbeit eignen. Diese Flächen des Zusammenseins nennen wir unserem Buch Marktplätze, die vor allem für den teamübergreifenden Austausch in Café-Atmosphäre gedacht sind und typischerweise voll mit den genannten Nischen verschiedenster Couleur sind – und eine Kaffeemaschine in der Nähe haben. Aber es ist trotzdem wichtig, diese Nischen für Tunnelarbeit zu schaffen. Und sei es nur für den Seelenfrieden der introvertierteren Kollegen. Wir Autofahrer kennen es alle: Man hat ein Auto, das man nie fährt. Aber man würde es auch nie abgeben. Denn man könnte es ja eines Tages brauchen.

Der Beitrag ist ein teilweise überarbeiteter Auszug aus dem Buch „New Workspace Playbook: Das unverzichtbare Praxisbuch für neues Arbeiten in neuen Räumen“ von Dark Horse Innovation, erschienen im Mai 2018 im Murmann Verlag.

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