Kolumne

Ohne professionelle Website geht es nicht – gerade als Digital Nomad

(Grafik: Shutterstock)

Es ist seltsam, dass man die absoluten Basics hervorheben muss, muss aber wohl sein. Eine professionelle Selbstdarstellung ist Werbung für sich. Doch dieser Punkt wird oft vernachlässigt, Eigenwerbung wird häufig mit Bloggen verwechselt. Das interessiert keinen Personaler.

Eine kleine, feine Website, die eure Fähigkeiten und Dienstleistungen beschreibt, und einen Lebenslauf (oder Resumee, je nach Gusto), der nicht wie aus den 1980ern aussieht, solltet ihr unbedingt haben. Lange, bevor ihr eigentlich startet. Viele, wirklich sehr viele, verwechseln das mit ihrem persönlichen Reiseblog. Es ist ja schön und interessant, zu sehen, wo auf der Welt schon jemand auf einem Berg, an einem Fluss, am Meer oder in einer Großstadt schon war, hübsch mit Selfies belegt. Und wen man alles getroffen hat und was man Leckeres gegessen hat. Doch das hilft nicht bei der Jobsuche.

Kontraproduktiv

Bewirbt man sich auf eine Stelle oder einen Freelance-Job, passiert was als erstes? Man wird gegoogelt. Wenn dann lediglich Selfies und Reiseberichte auf einem Blog zu finden sind, na ja. Wenn dann eine Bewerbung auf einen Job nicht mit ordentlichen PDF und einer profunden Website unterfüttert ist, ist man raus dem Rennen. Induktives und deduktives Denken … Weil ich glaube, dass mein Blog cool ist, heißt das nicht, dass alle das cool finden. Erst recht nicht der Personaler, der neidisch in seinem kleinem Büro in einer tristen Großstadtfirma sitzt und auf den Regen schaut, der an sein kleines Fenster trommelt. Bilder von jemanden, der lässig mit Cocktail auf dem Tisch am Strand sitzt – glaubt ihr, dass da jemand sagt: „Super, den brauchen wir! Klasse!“. Nö, die Bewerbung wird als erste gelöscht.

Es ist leider so (oder gerade eure große Chance), dass viele digitale Nomaden so denken. Je cooler sie sich der Außenwelt präsentieren, desto mehr werden sie bewundert und angeheuert. Fehlanzeige. Solche Bilder und Blogs wecken eher Neid und Missgunst als Interesse. Wer es unbedingt braucht, kann gerne seinen privaten Blog aufmachen – steht jedem frei. Doch dann muss auf jeden Fall eine professionelle Visitenkarte im Netz zu finden sein. Ohne Hängematte, Cocktail und Surfbrett und so. Bedenkt, dass in Deutschland immer noch eine sehr starke Präsenzkultur herrscht. Wer nicht im Büro am Schreibtisch sitzt, der arbeitet nicht. Da sind andere Länder – mal wieder – weit, weit, weiter. Und mit solchen Surf-Yoga-Vegan-Profilen wird das eher noch weiter forciert. Hier könnt ihr euch von eurer Konkurrenz abheben.

Ich rede hier jetzt nicht nur von hochbezahlten Aufträgen von imposanten Auftraggebern. Selbst für einen Billo-Job – beispielsweise Produkttexte übersetzen, maximal zehn Euro die Stunde – braucht man eine perfekte Bewerbung. State-of-the-Art-Lebenslauf, überzeugende Präsenz im Netz und tadellose Motivationsschreiben. Jobs in Deutschland zu kriegen, ist schon schwer genug. Bewirbt man sich auf internationale Ausschreibungen, landet man in einem riesigen Haifischbecken.

Wer es nicht kann, sollte es machen lassen

Wenn ihr Designer oder Webdesigner seid, sollte das kein Thema für euch sein. Höchstens mal einen Texter drüberschauen lassen. Habt ihr davon keine Ahnung: Engagiert einen Profi. Das ist zum Anfang ein kleines Investment, zahlt sich aber später mächtig aus – weil ihr so eher Jobs kriegt. Ich sitze gerade – mal wieder – an meinem CV und bastel daran rum. Und dann geht der an einen Freund, einen hervorragenden Art-Director, der das dann glattziehen wird. Meine Website muss ich auch dringend mal wieder updaten, steht auf meiner To-do-Liste auf Platz fünf.

Im Netz gibt es zahlreiche Websites zum Thema CV/Resumee, manche sind kostenlos, manche verlangen dafür schmales Geld. Dort kann man sich in wenigen Minuten einen CV aus vielen Vorlagen zusammenstellen. Okay, das machen auch viele andere, aber immer noch besser als ein CV in Word gestückelt mit Angaben zum Beruf der Eltern. Oder schaut mal auf Pinterest nach „Resumee“. Dort könnt ihr euch einen guten Überblick verschaffen, was gerade so angesagt ist und wie sich eure Konkurrenz so bewirbt.

Allzeit bereit

Job-Angebote kommen und gehen – sehr schnell. Wenn ihr dann vorbereitet seid und schnell reagieren könnt, sichert ihr euch massive Vorteile. Ausschreibungen werden online gestellt und oft nach wenigen Stunden wieder offline genommen – weil sich dann schon Hunderte darauf beworben haben. Da bleibt keine Zeit für „Ach, ich könnte ja mal meinen CV aufhübschen …“. Doch nicht nur deshalb. Jobs lauern an jeder Ecke – im positiven Sinne ;-)

Angenommen, ihr seid schon unterwegs. Ihr habt den ganzen Tag gearbeitet, wollt euch ein Feierabendbier gönnen und geht in eine Bar nebenan. Da sitzt ihr dann, neben euch ein paar Leute. Es ist so im Ausland – ruckzuck kommt ihr ins Gespräch (besonders mit Expats). „Wer bist du? Woher kommst? Was machst du?“. Sagt ihr dann, dass ihr Programmierer oder Webdesigner seid oder „irgendwas mit Marketing“ macht, ist es sehr wahrscheinlich, dass es dann schnell heißt „Ach, echt, ist ja interessant! Ich brauch da gerade jemanden für … Kannste mir da helfen? Haste ne Visitenkarte oder ne Website?“. So habe ich nicht wenige meiner Jobs gekriegt …

Tipp (wichtiger Tipp)

Macht das vorher. Wenn ihr erstmal unterwegs seid, werdet ihr das Zehnfache an Zeit und Mühe dafür aufwenden müssen. Wäre ich Art Director oder Webdesigner – ich könnte sehr gut davon leben, Lebensläufe und Websites für digitale Nomaden zu gestalten. Man kommt einfach nur schwer dazu, das selber zu machen. Bestandskunden klopfen an die Tür, man muss sich um dies und das kümmern, dann jenes – da bleibt selten Zeit, sich darum zu kümmern. Oder man zahlt entsprechend … Also: frohes Basteln und Gestalten ;-)

Cheers, Rob

Du hast Lust, mehr über das Leben als digitaler Nomade zu erfahren? Kein Problem, bei Rob’n’Roll around the World liest du mehr!

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