Analyse

Outfittery und Modomoto: Das Geschäftsmodell funktioniert so nicht

Outfittery fusioniert mit Modomoto: Ein Befreiungsschlag, der ohne Änderungen am Konzept nur wenig helfen wird. (Foto: Outfittery)

Outfittery fusioniert mit Modomoto. Die Markbereinigung dieser Nische war überfällig, das Geschäftsmodell steht in der aktuellen Form aber auf wackeligen Beinen.

Von Expansion ist die Rede, von Freude. Es dürfte wohl eher eine Notbremse sein, auch wenn die Gründerin Julia Bösch etwas anderes sagt. Die Kostenstruktur zu verschlanken, verschafft dem fusionierten Unternehmen deutlich Luft. Eine Million eingekleidete Kunden haben beide Unternehmen vermeldet, dabei 80 Millionen Euro Umsatz gemacht. Nein, ganz so schlimm, wie es aussieht, ist es nicht: Es waren dann doch mehr als 80 Euro Jahresumsatz pro Kopf, es sollen rund 200 Euro gewesen sein. Andererseits ist das Konzept an sich genau so schlimm, wie es sich anhört: Der Kunde bestellt eine Outfit-Box für 500 bis 600 Euro, von der ein T-Shirt und ein paar Socken gekauft werden und der Rest wieder zurückgeschickt wird. Die Zielgruppe, vermögende Männer mit Einkaufsabneigung, scheint entweder weniger einkaufslustig zu sein oder sie sind preisbewusster, als die Anbieter es gerne hätten. Das Konzept muss dringend überholt werden.

Geschäftsmodell von Outfittery

Das Geschäftsmodell von Outfittery und Modomoto ist ein einziges Klischee: Männer kaufen nicht gerne Klamotten ein. Außerdem verstehen sie nichts von Mode, deshalb werden sie Styling-Vorschläge lieben. Würde keiner der Anbieter so unterstreichen, aber im Prinzip lässt sich das so zusammenfassen. Die Idee: Deshalb sind Männer unheimlich dankbar, wenn ihnen jemand den ungeliebten Job abnimmt und geben dafür auch mehr Geld aus. Soweit die Theorie.

Allerdings sind vermögende Menschen meist deshalb vermögend, weil sie ihr Geld nicht zum Fenster herauswerfen. Das kollidiert dann etwas mit den Preisen, um es mit den Worten eines Outfittery-Kunden zu sagen: „Das meiste davon habe ich zurückgeschickt und dann bei Zalando bestellt, das war deutlich günstiger.“ Die Preise sind bisher also nicht unbedingt konkurrenzfähig und die Preispunkte viel zu hoch aufgehängt.

Gegenüber t3n spricht die Outfittery-Gründerin von einem durchschnittlichen Warenkorb von 200 Euro pro Kopf und betont, dass „die meisten Kunden“ ein zweites oder drittes Mal bestellen würden. Die oben erwähnte Million Kunden, die Outfittery und Modomoto laut eigener Auskunft eingekleidet haben, ist wohl die Gesamtanzahl der Kunden aus den letzten Jahren, sonst müssten dreistellige Millionenumsätze zu vermelden sein, und nicht 80 Millionen. Ist der Warenkorb korrekt und das durchschnittliche Outfit liegt bei grob geschätzt 500 Euro, dann würden die Kunden mindestens 60 Prozent ihrer Bestellung wieder zurücksenden.

Zum Vergleich: Zalando-Kunden bestellen etwa vier Mal im Jahr, der durchschnittliche Warenkorb beläuft sich laut Statista auf 57,10 Euro. Das sind rund 230 Euro Umsatz pro Kopf im Jahr. Die Retourequote von Zalando liegt bei rund 50 Prozent.

Curated-Shopping, ein schwieriges Pflaster

Zwar haben Outfittery und Modomoto im Jahr 2017 ihre Verluste reduzieren können, profitabel sind sie aber noch lange nicht. Den Konkurrenten geht es nicht viel besser, Kisura ist pleite und in den USA hat Nordstrom so seine Probleme mit seinem Trunk Club. Das Curated-Shopping-Geschäftsmodell ist schwierig. 

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