Analyse

Outfittery und Modomoto: Das Geschäftsmodell funktioniert so nicht

Seite 2 / 2

Es ist auch deshalb schwierig, weil die suggerierte Individualität nicht den Erwartungen des Kunden entspricht. Ein t3n-Leser kommentiert zu Outfittery: „Wie sich diese Firmen halten, ist mir ein Rätsel. Alle Outfits bei mir bestehen aus drei Marken, die beliebig miteinander kombiniert werden. Sobald ich diese Marken kenne, kann ich das auch selbst tun.“ Das Problem ist klar: Die Rücksendungen müssen wieder zu neuen Outfits kombiniert werden. Mit einem festen Markenset und überschaubaren Sortiment zu arbeiten, verringert Lagerkosten und Lagerreichweite – schränkt aber die Auswahl ein. Überhaupt suggeriert die Arbeit mit einem Stylisten Kenntnisse über den Kunden, die der Curated-Shopping-Anbieter meist nicht hat. Der Berater beim Herrenausstatter sieht mit einem Blick, welche Größen passend für den Kunden sind, kennt oft das Gefälle zwischen den Größen der unterschiedlichen Marken und bei Stammkunden auch die Vorlieben. Das verspricht der Curated-Shopping-Anbieter, leistet es aber erfahrungsgemäß nicht. Für mehr oder minder personalisierte Outfits akzeptieren Kunden aber keine hohen Preise, erst recht nicht in dem Segment, das Outfittery anpeilt. Die Personalisierung muss deutlich mehr bringen, das zeigt auch der Blick in die USA.

Mehr Daten, mehr Personalisierung, sonst wird das nichts

Dort sitzt mit Stitchfix der Lichtblick der Branche. Profitabel, und der Jahresumsatz liegt mittlerweile bei über einer Milliarde US-Dollar. Was macht Stitchfix anders? Erstens adressiert Stitchfix alle Kunden, männlich wie weiblich. Zweitens liegt der Durchschnittspreis eines Artikels bei 55 Dollar, jede „Fix“ genannte Abo-Box enthält fünf Teile, somit liegt der Bestellwert eines Outfits bei rund 275 Dollar. Etwa die Hälfte des Bestellwerts von Outfittery. Dann folgen noch ein paar kleine, aber wichtige Details wie eine Styling-Fee für Komplett-Retournierer, das frei einstellbare Abomodell mit der Standardfrequenz von einer Box pro Monat bis hin zum wichtigsten Punkt: Datensammlung. Stitchfix sammelt beim Kunden bis zu 50 Datenpunkte bei Registrierung ein, führt über jede Marke rund 100 bis 150 Datenpunkte zu den Kleidungsstücken, wertet Retourendaten aus. Mittlerweile fertigt das US-Unternehmen auf Basis einer Datenanalyse Kleidungsstücke für Marktlücken, die von eigens entwickelten Algorithmen bestimmt werden. Fehlende Größen oder Zwischengrößen werden so beispielsweise produziert. Auch die rund 3.400 Stylisten von Stitchfix arbeiten offensichtlich datengetrieben. Mehr zu Stitchfix in der Kassenzone.

Outfittery hat im Januar einige Neuerungen eingeführt: Kunden sehen die Auswahl jetzt vorab (bisher nicht!) und statt kompletter Outfits können auch Teil-Outfits bestellt werden. Das scheint die Antwort darauf zu sein, dass Kunden nur Bruchteile eines Outfits behalten. Auf unterschiedliche Preispunkte scheint sich Outfittery nicht einlassen zu wollen, was ein Fehler sein dürfte. Die Kunden behalten die Outfits wohl überwiegend deshalb nicht, weil sie ihnen zu teuer sind.

An den Datenpunkten will Outfittery arbeiten, zukünftig sollen bis zu 200 vom Kunden erfasst werden. Ein erster Schritt zu einer besseren Personalisierung. Reichen wird das nicht, Outfittery müsste das komplette Geschäftsmodell noch stärker datengetrieben aufstellen und die Zielgruppen und Sortimentsauswahl anpassen.

Passend zum Thema

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

Schreib den ersten Kommentar!

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!

Hey du! Schön, dass du hier bist. 😊

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team bestehend aus 65 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Danke für deine Unterstützung.

Digitales High Five,
Stephan Dörner (Chefredakteur t3n.de) & das gesamte t3n-Team

Anleitung zur Deaktivierung