Analyse

Paydirekt unter Druck: Einige Banken wollen aussteigen

Einige Banken wollen aussteigen: Schwierige Zeiten für Paydirekt. (Bild: Paydirekt)

Für den Bezahldienst Paydirekt wird die Luft dünner: Mehrere Banken ziehen sich aus dem Konsortium zurück. Doch die deutsche Kreditwirtschaft wird noch länger an dem Paypal-Klon festhalten.

Ist Paydirekt bald am Ende? Mehrere Banken, darunter die ING Deutschland (inzwischen ohne Diba), die Hypovereinsbank, die Santander Bank sowie einige private Geldinstitute, haben angekündigt, sich aus dem Paydirekt-Konsortium Ende des Jahres zurück zu ziehen.

Für den deutschen Payment-Dienst, mit dem die deutsche Kreditwirtschaft vor allem Paypal Konkurrenz machen wollte, ist das eine mehr als schlechte Nachricht. Finanz-Szene.de vermutet dahinter die fehlende Bereitschaft der Banken, weitere Millionenbeträge im Rahmen einer geplanten Investitionsrunde zuzuschießen. Immerhin gut elf Prozent der Anteile stehen damit zum Ende 2019 zur Disposition. Wenn man wie bisher die Drittelparität zwischen privaten Banken, Geno-Banken und Sparkassen aufrecht erhalten will, dann sind vor allem Commerzbank und Deutsche Bank mögliche Anwärter, um die Lücke zu füllen.

Doch wo steht Paydirekt aus Sicht der Onlinehändler? Klar ist, dass es von Anfang an wenige Alleinstellungsmerkmale und (wirkliche) Anreize gab, den Paypal-Klon zu nutzen. Zahlreiche Subventionen beim Bezahlen in Kooperation mit großen Onlinehändlern konnten ebenso wenig wie die mehr oder weniger automatische Anmeldung bei Sparkassenkonten dazu beitragen, dass Kunden den Bezahldienst regelmäßig in nennenswerter Zahl nutzen. Fragt man größere Händler nach dem Stellenwert, den Paydirekt für sie hat, wird schnell deutlich, dass Paydirekt bestenfalls ein Bezahlverfahren unter vielen ist – und das trotz der durchaus breiten Unterstützung durch die deutsche Kreditwirtschaft. Großzügige Werbekosten- und Entwicklungszuschüsse an die Händler können nicht darüber hinwegtäuschen, dass es alles andere als rund läuft (und das nicht erst seit gestern).

Paydirekt sieht die Situation naturgemäß etwas anders: „Als vergleichsweise junges Zahlverfahren hat sich Paydirekt bereits beachtlich entwickelt. Insgesamt kann mit Paydirekt bereits in rund 10.000 Onlineshops aus mehr als zwanzig Branchen bezahlt werden. Jüngst haben wir das Händlerportfolio um weitere führende Onlinehändler ausgebaut, darunter zum Beispiel die Deutsche Bahn oder der Online-Modehändler About You“, erklärt eine Sprecherin. „Wir haben bereits 2,3 Millionen Kunden für Paydirekt freigeschaltet. Dies bewerten wir als klaren Erfolg.“ Doch wie oft diese Kunden den Bezahldienst nutzen, dazu gibt es ebenso keine Angabe wie zu genauen Umsatzzahlen.

Paydirekt-Nutzung: Nur ein Bruchteil der Paypal-Zahlen

Die Nutzungszahlen, die im Herbst kursierten, sind ein Tiefschlag für ein Bezahlverfahren, das derartigen Rückenwind seitens einer ganzen Branche genießt: 40.000 Transaktionen im Monat sollen es sein, wie ein hochrangiger Sparkassenmanager anlässlich einer Veranstaltung erklärte. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband bestätigte dies, Paydirekt hüllt sich dazu in Schweigen. Doch selbst wenn es inzwischen ein paar Transaktionen mehr sein sollten (im Weihnachtsgeschäft gab’s wieder ein paar spannende Aktionen im Handel dazu), ist das nur ein Bruchteil dessen, was beispielsweise via Paypal abgewickelt wird. Hier finden, auch wenn Paypal die Zahlen für Deutschland nicht aufschlüsselt, zwischen 30 und 40 Millionen Transaktionen statt. Und gerade der geschickte Schachzug mit den virtuellen Kreditkarten, die jedem Bankkunden die Nutzung von Google Pay ermöglichen, dürfte zur weiteren Verbreitung beitragen.

Unter diesen Vorzeichen ist es verständlich, dass in der Bankenwirtschaft, in der das Geld nicht mehr so leicht verdient wird wie früher, wenig Bereitschaft zu einer weiteren Finanzierungsrunde besteht. Doch was wäre die Alternative? Kann die deutsche Bankenwirtschaft bei Paydirekt den Stecker ziehen? Man soll ja nie nie sagen, aber bis es so weit ist, werden die Banken und Sparkassen noch reichlich Geld in die Rettung des Patienten pumpen – denn es steht nicht weniger auf dem Spiel als ein massiver Gesichtsverlust und die Entscheidung über die Lufthoheit im Payment-Sektor.

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3 Reaktionen
Robert Lassen

Mindestens die Sparkassen werden an dem System festhalten, auch wenn es kaum jemand benutzt. Sieht man ja bei Girogo. Alle anderen sind nach und nach ausgestiegen. Hat sicher zur Folge, dass die Sparkassen wegen der Finanzierung dieses unnötigen Systems weiter die Preise für Girokonten usw. erhöhen muss. Das wiederum hat zur Folge, dass auch die trägen Kunden endlich wach werden und zu Direkt- und Onlinebanken wechseln. Ich bin seit mittlerweile 2 Jahren nur noch bei Onlinebanken und zahle keine Gebühren mehr, sondern bekomme sogar monatlich Geld zurück. Ich sehe nicht ein, mit meinem Geld so einen Quatsch zu finanzieren.

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Stefan H.

It's time too say goodbye

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Titus von Unhold

Welch Überraschung...

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