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Podcast-App Podimo bringt bei Launch deutsche Podcaster gegen sich auf

Die Podcast-Plattform Podimo ist in Deutschland gestartet. Neben exklusiven Inhalten findet sich auch eine Vielzahl kostenloser Podcasts im Portfolio – die kommerziell gar nicht genutzt werden dürfen und deren Urheber nicht gefragt wurden.

Von Julius Beineke
3 Min.
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Podimo ist gelauncht und bringt Hörern jede Menge Podcasts – und dem dänischen Startup dahinter den Unmut deutscher Podcaster ein. (Bild: Shutterstock)

Die dänische Plattform Podimo hatte sich vor dem Launch als das „Netflix der Podcasts“ angekündigt und versprach exklusive Podcast-Inhalte. Die gibt’s auch – für 4,99 Euro monatlich. Podimo bietet Podcastern an, exklusiv zu produzieren und dann über die Plattform zu verteilen. Den Erlös daraus teilt Podimo 50/50.

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Problematisch ist der Umgang mit nicht-exklusiven Inhalten. Podimo zieht im Portfolio nämlich via RSS-Feeds auch diverse kostenlose Podcasts aus anderen Quellen und allen Ecken des Internets zusammen – viele von ihnen stehen unter einer Creative-Commons-Non-Commercial-Lizenz (CC-NC). Damit zog sich das dänische Startup direkt zum Launch einen Shitstorm deutscher Podcaster zu. Die wurden nämlich zu großen Teilen nicht gefragt und liefen Sturm – auf Twitter und in Bewertungen der App-Stores.

t3n Podcast bei Podimo

Unser t3n Podcast war anfangs übrigens auch bei Podimo mit drin – gefragt wurden wir nicht. (Screenshot: t3n.de)

Podimos Geschäftsmodell

Um Podcasts bei Podimo hören zu können, muss man sich kostenlos registrieren. Dann kann man im Browser und einer Mobil-App all jene Inhalte hören, die nicht exklusiv für Podimo produziert, sondern einfach per RSS-Feed hineingezogen wurden. Hören kann man diese auch auf anderen Plattformen und meist auch einfach beim Urheber. Besorgt man sich für 4,99 Euro monatlich einen Premium-Zugang, hat man auch Zugriff auf die exklusiven Inhalte, die Podcaster extra mit und für Podimo produzieren.

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Den Gewinn, den Podimo mit den Exklusivinhalten macht, teilt die Plattform zu 50 Prozent mit den Exklusiv-Produzenten. All diejenigen Creators, die ihre Podcast auch noch über eigene und andere Kanäle laufen haben, will Podimo zu 20 Prozent an den Gewinnen beteiligen. Vorausgesetzt, diese wissen davon, dass ihr Podcast hier zugänglich gemacht wird, melden sich und fordern die Gewinne auch ein. Tun sie das nicht, zahlt die Plattform auch nichts aus.

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Opt-Out ohne Folgen

Podimo hatte laut Rückmeldung einiger deutscher Podcaster im Vorfeld E-Mails verschickt und informiert, dass die kostenlosen Podcasts demnächst im Portfolio der Plattform auftauchen würden. An dieser Stelle konnten die Produzenten widersprechen, wenn sie ihre Inhalte nicht auf Podimo bereitstellen wollten. Dieses Opt-Out-Verfahren erreichte aber wohl nur ausgewählte Podcaster mit größerer Reichweite, viele kleinere bekamen keine E-Mail und landeten so dann erstmal einfach im Podimo-Katalog. Viele bekamen erst über die Reaktionen auf Twitter mit, dass etwas im Argen lag.

Opt-Out-Verfahren sind ohnehin schon fragwürdig – im Fall Podimo lief es aber zusätzlich schief: Obwohl einige Podcaster per E-Mail oder Telefonat im Vorfeld widersprachen, waren ihre Inhalte zum Start des Dienstes am 12. November im Katalog zu finden. Erst nach weiteren Aufforderungen, die Podcast aus dem Portfolio zu entfernen, – und einem Shitstorm auf Twitter – verschwanden die Inhalte nach und nach.

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Bewertungen der Podimo-App im Play-Store

Kritik-Konsens scheint über das Geschäftsmodell des Unternehmens zu bestehen. (Screenshot: t3n.de)

Von Lizenzen und Feeds

Zusätzlich problematisch ist die Lizenzfrage. Viele der von Podimo per RSS-Feed aufgesaugten Podcasts wurden unter einer Lizenz erstellt und veröffentlicht, die kommerzielle Nutzung ausschließt (CC-NC). Da diese im Podimo-Katalog vor der Paywall liegen, könnte man argumentieren, sie würden nicht kommerziell genutzt. Schließlich könnte nach der Registrierung jeder kostenlos auf sie zugreifen.

Grauzonig kann es bereits werden, wenn die nicht-kommerziellen Podcasts in einem geschlossenen System (auch „walled garden“ genannt) wie der Podimo-App hörbar sind. Das Unternehmen bietet auch an, die Produzenten nicht-exklusiver Inhalte am Gewinn zu beteiligen – bei einer CC-NC-Lizenz ist das jedoch ebenfalls nicht erlaubt. Auch Podimo selbst dürfte damit keinen Gewinn machen. Darüber, ob die CC-NC-Inhalte als Werbung für die Exklusivinhalte fungieren oder in diesem Sinne unbedenklich sind, kann man sich rechtlich streiten.

Was sagt das Gesetz?

Aber auch die Frage des Urheberrechts stellt sich. Rechtsanwalt Stephan Dirks thematisiert diese in seinem Blog. Er gesteht ein, dass besonders RSS-Feeds hier noch in einer Grauzone liegen.

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Jedoch sei das Abgreifen der Podcasts via RSS-Feed und Einbetten ins Podimo-Angebot seiner Einschätzung nach nach § 19a UrhG und nach einem EuGH-Urteil von 2018 „eine eigenständige – erlaubnispflichtige – öffentliche Zugänglichmachung.“ Und in so einem Fall müssen die Urheber ausdrücklich um Erlaubnis für diese Zugänglichmachung gebeten werden, „sonst [ist] die Sache rechtswidrig. Auch ein fehlender ‚Widerspruch‘ genügt nicht, um daran etwas zu ändern.“

Der Fall zeigt, dass sich Firmen und besonders Startups erst tiefer mit einer bestehenden Materie auseinandersetzen sollten, ehe sie ein Geschäftsmodell daraus entwickeln – und eine bereits bestehende Szene oder Community gegen sich aufbringen. Podimo gab t3n auf Bitte um Stellungnahme bisher keine Rückmeldung.

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Kommentare (2)

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Max

Kein Einzelfall. Spotify bietet ebenfalls ungefragt Podcasts an, ohne das der Podcast-Macher gefragt oder honoriert wird!

Julius Beineke

Hallo Max,

danke für deinen Kommentar. Meines Wissens nach macht das Spotify aber nicht von sich aus – also „mopst“ nicht proaktiv Podcasts. Wenn jedoch jemand, dessen Urheber er/sie nicht ist, einen Podcast von jemand anders da einträgt, listet Spotify die dann eben trotzdem.

Nicht ganz so problematisch, wie das Vorgehen von Podimo – aber natürlich dennoch ärgerlich und potenzieller Aufwand für die Urheber*innen.

Beste Grüße,
Julius

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