Analyse

Ein Jahr Pokémon Go: Was AR-Firmen von der einstigen Hype-App lernen können

Pokémon Go war im Juli 2016 plötzlich überall. (Foto: Matthew Corley / Shutterstock.com)

Vor genau einem Jahr verzückte Pokémon Go die Smartphone-Generation. Auch wenn der Hype schnell wieder abebbte, lassen sich einige Lehren aus dem Erfolg des Spiels ziehen. 

Vielleicht lassen sich die Anfänge von Pokémon Go am ehesten mit „Harry Potter“ vergleichen. Im ersten Kapitel des „Stein der Weisen“ treffen die Nicht-Magier plötzlich auf die Zauberwelt. Vernont Dursley, der Onkel des späteren Helden, sieht Menschen in merkwürdigen Umhängen, wundert sich über Leute, die vom Untergang von „Du weißt schon wer“ sprechen. Und auch wenn Dursley gar nicht so genau weiß, was los ist, so weiß er doch, dass etwas los ist. Etwas hat sich verändert.

Wer von Pokémon Go noch nie etwas gehört hatte, dem musste es im vergangenen Jahr ähnlich gegangen sein. Auch wenn Menschen mit Smartphones längst kein ungewöhnlicher Anblick mehr auf deutschen Straßen sind, so fielen die vielen Personen an bestimmten Orten doch auf. Manche stoppten mitten auf der Straße, manche liefen wild im Kreis, die Augen immer auf das Smartphone gerichtet. In manchen Hauseingängen saßen plötzlich Trauben von Menschen, vor Geschäften standen sie allein, in Gruppen, das Handy stets im Blick.

Bisher sind unsere Welten größtenteils noch getrennt: Wenn wir auf Facebook oder Amazon gehen, befinden wir uns in der digitalen Welt. Treffen wir Freunde oder gehen einkaufen, in der analogen. Als das Smartphonespiel Pokémon Go am 07. Juli 2016 erschien, schaffte es etwas bis dahin sehr Schwieriges: Es brachte die beiden Welten in Einklang. Die Muggel- mit der Magierwelt, sozusagen. Durch Pokémon Go konnten Nutzer auf dem Bildschirm ihres Smartphones ihre Umgebung sehen und gleichzeitig den Avatar von Pikachu.

Pokémon Go: Wichtige Lehren für AR-Firmen

Der Erfolg: bahnbrechend. In den ersten beiden Monaten nach Veröffentlichung luden sich eine halbe Milliarde Menschen das Spiel herunter. Zwischenzeitlich zählte das Spiel mehr aktive Nutzer als Twitter, mehr als eine Milliarde Dollar soll das Spiel seit seinem Start vor genau einem Jahr eingebracht haben.

Dabei ist die Technologie dahinter nicht neu. Schon im Jahr 1968 versuchte man sich an Augmented Reality (AR), wie der Fachbegriff heißt. Immer wieder wurde der Technologie der Durchbruch vorhergesagt, besonders als Google Glass auf den Markt kam. Doch bis zum Juli 2016 sollte die Technologie ein Nerd- und Expertenfeature bleiben. In der großen Öffentlichkeit kam die Technologie nicht an. Warum hat es ausgerechnet Pokémon Go geschafft, Augmented Reality im Alltag zu verankern?

Um das zu verstehen, muss man die Geschichte hinter dem Spiel betrachten: „Pokémon“ hat eine Generation von Jugendlichen beim Erwachsenwerden begleitet. Die Fernsehserie war so erfolgreich, dass auf den Schulhöfen der Republik Karten von Pikachu und Rocko getauscht wurden. Diese Generation wuchs zeitgleich mit den digitalen Veränderungen auf.

Pokémon Go war 2016 das beliebteste Spiel des Jahres. (Foto: Matthew Corley / Shutterstock.com)

Oder um es anders zu sagen: Das Spiel funktionierte, weil es mit der richtigen Marke die richtige Zielgruppe ansprach. Die Digital Natives konnten sich noch an Pikachu erinnern. Und Niantic, das Unternehmen hinter dem Spiel, erreichte sie, weil es die richtige Projektionsfläche nutzte: das Smartphone.

Auch wenn sich immer und immer wieder Unternehmen an der erweiterten Realität versuchten – sie erreichten eine breite Masse einfach nicht. Die Technologie war schlicht nicht nutzerfreundlich genug. Noch 2002 brauchte ein Nutzer zehn Kilogramm an Ausrüstung, um seine Umgebung mit ein paar virtuellen Features begutachten zu können. Das Smartphone hat diese Hürde zwar genommen. Aber nur weil es einfach zu nutzen ist, funktioniert längst nicht alles mit AR darauf.

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Ein Kommentar
Volker Stevens
Volker Stevens

Ich weiß beim besten Willen nicht was an diesem Pokemon-GO so faszinierend sein soll, außer das es haufenweise Pokemon-Zombis mehr gibt, auf die der Autofahrer achten muss.

Wenn ich bei uns vom Büro aus in den Park blicke und die Jugend damit spielen sehe, sieht das ungefähr so aus: https://www.it-madness.com/posts/140/

Richtig schlimm.

Ich hoffe das diese „Augmented Reality“ auch mal für etwas Sinnvolleres (für die Menschheit) eingesetzt wird, als nur für den Profit und die Bespaßung von Kindern.

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