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Elektro-Transformation nicht schnell genug: Porsche setzt auf synthetische Kraftstoffe

Porsche will künftig die Entwicklung synthetischer Kraftstoffe maßgeblich selbst vorantreiben. So soll auch Bestandsfahrzeugen ein klimaneutraler Betrieb ermöglicht werden.

3 Min. Lesezeit
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Diese Fahrzeuge fahren weder rein elektrisch noch hybrid. (Foto: Porsche)

Sie sind eine in der Öffentlichkeit weithin unbeachtete Möglichkeit, bei der Transformation des Autoverkehrs zu einem klimaneutralen Betrieb zu helfen. Die Rede ist von synthetischen Kraftstoffen, den sogenannten E-Fuels. Wenn überhaupt neben der reinen Elektromobilität eine weitere Technologie ins Spiel gebracht wird, dann handelt es sich dabei um Wasserstoff.

Umstieg auf Elektro nicht schnell genug machbar

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Porsche-Entwicklungschef Michael Steiner will das ändern. Mit Elektro allein kommen wir nicht schnell genug voran, sagt er. Denn, selbst wenn es gelänge, im Rahmen der bestehenden Planungen auf Elektromobilität zu setzen, so würde der Verbrennungsmotor dennoch die Autowelt noch lange dominieren. Steiner ist sicher: „Wenn man die Bestandsflotte perspektivisch nachhaltig betreiben will, dann sind E-Fuels ein elementarer Bestandteil“.

Dabei ist Steiner nicht als E-Auto-Skeptiker bekannt. Vielmehr bezeichnet er die Elektromobilität als „eine absolut begeisternde und überzeugende Technologie“. Allein für sich genommen, bringe „sie uns in Richtung Nachhaltigkeit weniger schnell voran, als wir vorankommen wollen“, schränkt er allerdings ein.

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Immerhin die Hälfte aller verkauften Fahrzeuge sollen bis 2025 mit einem Elektro-Antrieb fahren. Das schließt indes die Hybride mit ein, die auf langen Strecken ebenfalls per Verbrennungsmotor angetrieben werden. Hinzukäme ein großer Bestand an Altfahrzeugen. Wie Steiner betont, würden gerade Porsche-Autos „sehr, sehr lange“ gefahren. Ein vollständiges Aus für Verbrenner kann sich Porsche dabei auch langfristig nicht vorstellen. So plant das Zuffenhausener Unternehmen die Zukunft des Automobils als Mix aus Verbrenner, Hybrid und reinem E-Antrieb. Lediglich das Thema Brennstoffzelle will Porsche nicht angehen.

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Auch Neufahrzeuge will Porsche langfristig mit Verbrennern ausstatten. (Foto: Porsche)

So führt aus Sicht des Entwicklungschefs kein Weg an synthetischen Kraftstoffen vorbei. Deshalb werde sich Porsche beim Thema E-Fuels selbst in die Entwicklung einbringen. Dabei geht es Steiner besonders darum, Einfluss auf die Spezifikationen nehmen zu können. Er will so sicherstellen, dass die synthetischen Kraftstoffe auch für Hochleistungsmotoren geeignet sind und sich Probleme wie bei der Einführung des E10-Benzins nicht wiederholen.

E-Fuels: Vor- und Nachteile

Der Begriff E-Fuels setzt sich zusammen aus dem Begriff „erneuerbar“ und Fuels, dem englischen Wort für Kraftstoff. Dabei handelt es sich um synthetische Antriebsstoffe, die mithilfe von regenerativer Energie hergestellt werden. Sie unterscheiden sich in ihren chemischen Strukturen und Grundeigenschaften nicht von herkömmlichem Diesel oder Benzin aus Erdöl.

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Im Idealfall sind E-Fuels klimaneutral. Das ist aber nur dann der Fall, wenn bei der Herstellung des benötigten Wasserstoffs konsequent auf erneuerbare Energien, etwa Windkraft, zurückgegriffen werden kann. Wasserstoff wird durch Elektrolyse gewonnen, was sehr energieintensiv ist. Hinzu kommt Kohlendioxid als zweite Komponente des synthetischen Kraftstoffs. Nur wenn das CO2 quasi direkt der Luft entzogen wird, kann eine klimaneutrale Verbrennung erfolgen. Sind beide Voraussetzungen gegeben, können E-Fuels ein positiver Beitrag zur klimaneutralen Mobilität sein. An den Autos wären keine Änderungen erforderlich. Moderne Verbrenner sollen problemlos mit E-Fuels fahren können.

Ein Nachteil synthetischer Kraftstoff indes lässt sich nicht wegdiskutieren. Der für die Elektrolyse und die weiteren Produktionsschritte eingesetzte Ökostrom könnte weitaus effektiver direkt in Elektroautos eingesetzt werden. Das bestreitet Porsche-Manager Steiner nicht. Er gibt allerdings zu bedenken, dass regenerative Energien weltweit in einem Übermaß zur Verfügung stehen, das es erlaube, „Nachhaltigkeit höher (zu) priorisieren als die Effizienz“.

t3n meint:

In der Tat verkennt die Diskussion um E-Fuels die Bestandsflotte. Allein der Volkswagen-Konzern setzt pro Jahr rund elf Millionen Fahrzeuge weltweit ab. Selbst wenn es gelingen sollte, bis 2025 die Hälfte aller Neufahrzeuge mit E-Antrieben auszustatten, bleibt zweierlei zu bedenken.

Zum einen werden die mit E-Antrieb ausgestatteten Fahrzeugen in ihrer Mehrzahl Hybride sein und insofern auch weiterhin Kraftstoff verbrennen. Zum anderen würden selbst bei der optimistischen 50-Prozent-Rechnung immer noch 5,5 Millionen reine Verbrenner verkauft. Hinzukommt ein Bestand von knapp 60 Millionen Verbrennern, die sich von 2020 bis 2025 aufgebaut haben, zuzüglich der weiteren Abermillionen an Fahrzeugen, die in den letzten zwanzig Jahren gekauft wurden. Und dabei habe ich jetzt lediglich die Autos des Volkswagen-Konzerns im Blick. Bekanntlich gibt es noch eine Reihe weiterer Hersteller.

Wer also glaubt, relativ zeitnah voll auf Elektromobilität umsteigen zu können, irrt. Insofern muss doch schon aus rein faktischen Gründen gelten, dass synthetische Kraftstoff als Teil der Lösung zu betrachten sind, weil es einfach keine bessere und dabei realistische Alternative zur Reduktion der Klimafolgen durch den Autoverkehr gibt. 2050 kann diese Frage eventuell anders beurteilt werden.

(Dieter Petereit)

Passend dazu: Bill Gates bricht Lanze für Biokraftstoffe und sieht kaum Chancen für E-Lkw

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4 Kommentare
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Dein t3n-Team

Titus von Unhold

„Wer also glaubt, relativ zeitnah voll auf Elektromobilität umsteigen zu können, irrt.“

China wird das relativ bald lösen, denn

„weil es einfach keine bessere und dabei realistische Alternative zur Reduktion der Klimafolgen durch den Autoverkehr gibt“

wird man privaten Autoverkehr einfach verbieten oder zum Luxusgut machen.

Noch ein einziger zu trockener Winter und ein nur mittelmäßig feuchter Sommer in Folge und Deutschland verliert binnen der nächsten 12 Monate 60 Prozent seiner Waldfläche. Sollte dass passieren – und das ist derzeit leider realistisch – wird der Bund bei der Wahl im Herbst 2021 seinen persönlichen Fukushimamment der Baden-Würtembergischen Landtagswahl erleben.

Antworten
Djebasch

Hier muss ich dem Schreiber wehement Wiedersprechen…
1. Es gibt nicht in übermaßen Grünen Strom wir sind gerade mal bei 50% Grünem Strom in Dauer und wir gehen eher in Richtung weniger als 50 % da der Bedarf eben durch Elektro Autos immer höher wird.
2. E Autos schaffen zwischen 85 und 95% der verwendeten Energie umzusetzen, EFuels schaffen es 12-20% der Energie umzuwandeln und man benötigt unmengen davon …
3. Doch man hätte schon längt umstellen können wir hatten schließlich seit 2007 bereits abkommen die dies zeigten aber nein lieber den Lobbyisten zuhören und noch 70 Jahre warten bis wir in einer Eiszeit oder Wüste leben…

Antworten
Dieter Petereit

Ich sehe den Widerspruch darin nicht. Ich habe nicht geschrieben, dass wir schon im Übermaß grünen Strom haben, sondern dass wir im Übermaß grünen Strom produzieren könnten. Das dürfte wohl unstreitig sein. Und wenn es so ist, dann haben wir keine Limitationen und können auch etwas für synthetische Kraftstoffe „verschwenden“.

Antworten
Dave

Hab ich was verpasst? Seit wann schreibt man Kraftstoffe ohne „e“ am Ende?
Gleich zwei mal in einem Artikel. Ist wohl doch kein E-Fuel. ;)

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