Kolumne

Post-Social-Media: Die Rückkehr zum „Social Networking“

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Die Treiber der Veränderung

Auch wenn es in einer Welt, in der Facebooks Original-Netzwerk fast zwei Milliarden aktive Anwender vermeldet, nicht auf den ersten Blick deutlich wird: Über längere Zeiträume betrachtet verändern sich Nutzer-Gewohnheiten doch stärker, als es zunächst den Anschein macht. Der schleichende Wandel wird extern von kulturellen, politischen und demographischen Trends angetrieben, aber auch von innen heraus, durch konzeptionelle Weiterentwicklungen der Dienste selbst. Diese Weiterentwicklungen sind wiederum Reaktionen auf externe Veränderungen oder aber auf konkretisierte oder neu umrissene Geschäftsziele der Dienstebetreiber.

Das derzeit populäre Stories-Prinzip mit seinem Schwerpunkt auf eigenerstellten visuellen Inhalten führt zwangsläufig zu einer Abkehr von den bisher geltenden Gesetzmäßigkeiten und Dynamiken. Die Smartphone-Kamera entwickelt sich zum Input-Kanal für den Content, den Anwender über ihre bevorzugten Networking-Apps mit ausgewählten Personen teilen (das zumindest propagieren Snapchat und Facebook). Auf den kurzen Dopamin-Rausch optimierte Nachrichtenartikel ohne größeren informativen Nährwert, die User mit allen Kontakten auf einmal teilen, bekommen dadurch große Konkurrenz im Kampf um die Aufmerksamkeit. Qualitative Inhalte findet man stattdessen wieder verstärkt bei den Original-Quellen oder über kommerzielle beziehungsweise persönliche redaktionelle Kurationsangebote. Dass verschiedene Leitmedien Facebooks Instant-Articles-Angebot derzeit den Rücken kehren, ist Teil dieser Entwicklung.

Nase voll von Empörungs-Orgasmen

Gut, vielleicht ist das gezeichnete Bild auch eher Wunschdenken als Realität. Was sich aber mit Sicherheit sagen lässt: Social Media in der Form, wie es die letzten Jahre die Digital- und Netzwerklandschaft prägte, hat sich in vielerlei Hinsicht überlebt und genug Schaden angerichtet. Der Lernprozess der Nutzer schreitet voran. Nach Jahren der unermüdlichen Feedback-Loops und viralen Empörungs-Orgasmen wissen die meisten Anwender heute besser als je zuvor, welche Anwendungsmuster sie meiden müssen, um ihre Nerven zu schützen und ihre begrenzte Aufmerksamkeit klug zu verteilen. Doch egal, wie sich Bedürfnisse und Anwendungsmuster neuen Umständen und Präferenz anpassen: Die Lust darauf, mit anderen Menschen zu interagieren, bleibt bestehen – selbst bei den größten Kritikern des Status Quo. Und diese Interaktion wird auch in Zukunft rund um Inhalte stattfinden (müssen). Wie das aber erfolgt, um was für Content es sich handelt, mit wem Nutzer ihn teilen und welche Mechanismen die Distribution beeinflussen, dafür werden gerade neue Regeln geschrieben. Hoffentlich bessere als die, die zuletzt galten.

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