Analyse

Produktbewertungen: Das dubiose Geschäft mit den Fake-Rezensionen

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Anreiz zu Produktbewertungen für Druckerzubehör oder Kabel

Organisierte Bewertungsanreize gibt es auch bei Private-Label-Verkäufern von Zubehörartikeln wie Druckertinte und –toner sowie Kabeln und Adaptern. Solche Produktgruppen sind nahezu austauschbar und haben im Prinzip keinen hohen Wiedererkennungswert. Hier reicht offenbar nicht mehr der Aufbau von Marken, es müssen auch anständige Bewertungen als Unterscheidungs- und Alleinstellungsmerkmal her. Gerade bei Portalen wie Amazons Marketplace und Ebay gibt es hunderte fast gleichartige Angebote, etwa bei wiederbefüllten Tonerkartuschen bestimmter Druckertypen.

Was hier gut ist und was nicht? Das kann der Kunde lediglich aufgrund der Bewertungsergebnisse beurteilen. Große Vertriebe wie Hainberger legen ihren Lieferungen von Druckerverbrauchsmaterial daher entsprechende Flyer bei: „Wenn alles so funktioniert wie Sie es sich wünschen, schreiben Sie uns eine positive Produktrezension auf der Produktseite von Amazon. Als Dankeschön für Ihre Mühe spendieren wir Ihnen einen Gratis-Toner.“ Das ist einerseits ein gutes Mittel zur Kundenbindung – schließlich bekommt der Kunde auch die Information, was zu tun ist, wenn es mal klemmt. Andererseits ist das aber auch eine positive Manipulation der Bewertungszahlen, indem man den Kunden zum Bewerten anhält. Bei diesen „ermunternden“ Varianten zum Bewerten ist davon auszugehen, dass mehr positive Bewertungen eingehen als sonst – was aber eigentlich auch nur gerecht für Händler ist, denn oft ist es ja gerade so, dass die Unzufriedenen bewerten und die Zufriedenen zu träge sind, dies auch kundzutun.

Gekaufte Rezensionen: Produkttester-Masche 2.0

Eindeutig ins Illegale geht aber eine andere Praxis, die wir im Rahmen unserer Recherchen in unterschiedlichen Ausprägungen und Formen gefunden haben. „Wir suchen Tester für neue Produkte“ heißt es da auf entsprechenden Portalen und in Spam-Mails. Steckte dahinter in früheren Jahren oft ein fragwürdiges Abo-Modell, für das die zukünftigen hoffnungsfrohen Produkttester eine Abo-Gebühr zahlen sollten, geht es hierbei jetzt tatsächlich meist um Rezensionen. Angeboten wird den Kunden hier eine „Aufwandsentschädigung“ für das Abgeben einer positiven Bewertung für ein bestimmtes Produkt. Garniert mit beispielsweise fünf Fotos und einem Video sollen die Vorzüge präsentiert werden. Der Kunde erhält den Produktpreis per Paypal erstattet (schließlich soll es sich ja um einen verifizierten Kauf bei Amazon handeln), zusätzlich ein Aufwandshonorar und darf das Produkt behalten oder weiterveräußern. Gesucht werden hier vor allem Prime-Kunden, da hier die Versandkosten niedriger ausfallen, wenn diese das Produkt bestellen.

Amazon ist so etwas natürlich ein Dorn im Auge. Dass manche Produkte positiver bewertet werden und dadurch mehr Umsätze generiert werden, müsste den Online-Riesen noch freuen. Dass aber dadurch das eigene Produkttester-Programm Vine teilweise unterlaufen wird, über das das Unternehmen bei den Herstellern verdient, gefällt dem Unternehmen aber wahrscheinlich nicht. Daher hat man im Herbst 2016 Produkttests zur Generierung von Rezensionen mit direkter oder indirekter Gegenleistung rundheraus verboten. In den Richtlinien heißt es dazu: „Wir erlauben keine Rezensionen oder ‚Hilfreich‘-Bewertungen von Rezensionen, die gegen Entgelt in jeglicher Art erstellt worden sind. Dies beinhaltet unter anderem Bezahlung (in Form von Geld oder Geschenkgutscheinen), Bonus-Inhalte, Ermöglichen der Teilnahme an einem Wettbewerb oder Gewinnspiel, Rabatte für zukünftige Einkäufe, zusätzliche Produkte oder andere Geschenke.“

Produktbewertungen jeder Art gibts für ein paar Euro

Viele Händler halten sich aber offenkundig nicht daran. Zudem hat Amazon im Zuge der Regelung tausende von Bewertungen gelöscht und tut das dem Vernehmen nach auch weiterhin. Ein Schritt, den mancher Marketplace-Händler angesichts vieler Bewertungen für ein bestimmtes Produkt nicht glauben will. Es sei, so erklärt uns ein Händler, auffällig, wie schnell beispielsweise negative Bewertungen bei bestimmten Produkten durch offenbar zahlreiche „Nicht-hilfreich“-Klicks entwertet würden. Zudem gebe es – da kommen wir aber tatsächlich in den Bereich der Mutmaßungen, weil Amazon natürlich keinen Blick auf die Herkunft seiner Bewertungsdaten gewährt – ganze Autorenfarmen, die in gar nicht mal so holperigem Deutsch ganztätig Bewertungen verfassen und hierfür eine Vielzahl an Kundenkonten betreiben. Hier müsste Amazon aber zumindest anhand des Kauf- und Bewertungsverhaltens auffällige Muster erkennen können.
Was es aber definitiv gibt, sind Angebote bei Billig-Auftragsvermittlern wie dem Portal Fiverr, die für buchstäblich einen Fünfer mehrere Rezensionen mit Bildern, Filmen und in verschiedenen Social-Media-Portalen anbieten. Dahinter stehen Arbeitskräfte zumeist in Billiglohnländern, die entsprechende Aufträge schnell und vergleichsweise billig erledigen. Mit deutschem oder europäischem Recht müssen diese sich nicht herumschlagen.

Auf der nächsten Seite liest du, welche juristischen Fallstricke Fake-Bewertungen bieten und wieso auch Amazon juristisch belangt werden könnte.

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Ein Kommentar
contentwerkstatt
contentwerkstatt

Ach nö – echt jetzt? Ist gerade Saure-Gurken-Zeit bei T3N? Ist ja megapeinlich. Das Thema wurde doch schon 1000x rauf und runter diskutiert und immer wieder von links auf rechts gedreht!? Und wo ist jetzt der Mehrwert für den Leser? Alles sattsam bekannt und wieder mal abgeschrieben. Dazu auch noch völlig falsch und damit schon fast gefährlich: Auch wenn Huawai das macht, ist es dennoch nicht legal. Rabatte gegen Bewertungen, kann doch jeder 1. Klassler nachlesen, sind rechtlich n-i-c-h-t einwandfrei. Peinlich!

Trotzdem Grüße,
content-werkstatt

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