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Novavax und andere Protein-Impfstoffe: Experte sieht ernsthafte Alternative zu mRNA

Manche Menschen haben Vorbehalte gegen die neuen mRNA- und Vektor-Impfstoffe und wollen auf mit konventioneller Technologie hergestellten Totimpfstoffe warten. Es gibt sogar Experten, die Novavax und Co auf lange Sicht vorn sehen.

4 Min. Lesezeit
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Novavax dürfte den ersten in Europa zugelassenen Protein-Impfstoff liefern. (Bild: Arrarorro / Shutterstock.com)

Für den deutschen Impfstoffexperten Ralf Clemens hat die mRNA-Impfung primär einen Vorteil. Sie ist schnell. Sie lässt sich schnell entwickeln, schnell anpassen und steht deshalb schlicht schneller zur Verfügung, wenn ein neues Virus sein Unwesen treibt.

„Protein-Impfstoffe haben mehr zu bieten“

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Auf lange Sicht sieht Clemens, der selbst in 30 Jahren mehr als 25 Impfstoffe zur Marktreife entwickelt hat, die eher konventionell hergestellten Totimpfstoffe, allen voran die rekombinanten Protein-Impfstoffe, an der Spitze der Corona-Bekämpfung. Gegenüber dem Wissenschaftsmagazin Nature sagte Clemens: „Ich denke, sie werden sich durchsetzen.“ Sie hätten „viel mehr zu bieten.“

Clemens sitzt bei den Impfstoffherstellern Curevac aus Deutschland und der französisch-österreichischen Valneva im Aufsichtsrat. Valneva arbeitet selbst an einem Totimpfstoff. Andere Vakzin-Hersteller, darunter das chinesische Unternehmen Clover Pharmaceuticals sowie die Bill & Melinda Gates Foundation berät der Deutsche. Zuvor war Clemens Leiter der globalen Impfstoffentwicklung bei GSK (Glaxo-Smith-Kline), Novartis und Takeda Vaccines.

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Entwicklung von Protein-Impfstoffen dauert schlicht länger

Dass sich Protein-Impfstoffe bislang noch nicht durchgesetzt haben, liegt nach Ansicht von Clemens an dem  Geschwindigkeitsnachteil. Der habe letztlich dazu geführt, dass mRNA-Impfstoffe bereits seit einem Jahr bedingt zugelassen sind, während Totimpfstoffe wie der rekombinante Protein-Impfstoff Novaxovid vom US-amerikanischen Hersteller Novavax noch im Zulassungsverfahren stecken.

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Dabei war unter Forschenden von Beginn an damit gerechnet worden, dass die Entwicklung proteinbasierter Impfstoffe deutlich länger brauchen würde. Denn die aufgereinigten Proteine, die dem Körper bei nahezu allen Vakzin-Varianten als Spike-Protein präsentiert werden, müssen in gentechnisch veränderten Zellen von Säugetieren, Insekten oder Mikroben in großem Maßstab hergestellt werden. Das Verfahren als Ganzes besteht aus einer Vielzahl von Schritten, die jeweils einzeln optimiert werden müssen. Das braucht einfach viel Zeit.

Protein-Impfstoffe sind billiger

Ist diese Prozessoptimierung indes einmal erledigt und sind die Kapazitäten hochgefahren, können proteinbasierte Impfstoffe sehr schnell in großer Zahl produziert werden. Dabei ist die Herstellung kostengünstiger als jene der mRNA-Impfstoffe. Zudem benötigen die Protein-Impfstoffe kaum Kühlung und sind daher im praktischen Einsatz unkomplizierter im Handling. Gerade für ärmere Länder dieser Erde ist der Einsatz solcher Vakzine eine echte Option.

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Bei keinem der in klinischen Tests befindlichen Vakzine seien bisher schwerwiegende Nebenwirkungen wie Thrombosen, Entzündungen des Herzens, anaphylaktische Schocks oder Todesfälle aufgetreten. Selbst die von mRNA- und Vektor-Impfstoffe bekannten Reaktionen wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Fieber oder Schüttelfrost seien in den Studien zu den Proteinalternativen deutlich seltener aufgetreten.

Tatsächlich wird das Nebenwirkungsprofil der Protein-Vakzine weniger von den Proteinen selbst als vielmehr von den zugesetzten Adjuvanzien bestimmt. Die sind nötig, um das Immunsystem auf den per Spritze eingedrungenen Fremdling aufmerksam zu machen. Hier gibt es eine große Bandbreite unterschiedlicher Substanzen. Novavax etwa verwendet einen Zusatz aus dem Seifenbaumextrakt Saponin, um das Immunsystem zu aktivieren. Saponine sind nicht neu. Sie werden seit über zehn Jahren als Adjuvanzien eingesetzt.

Noch fehlen konkrete Daten

Mit ihrem günstigeren Nebenwirkungsprofil könnten die Protein-Impfstoffe auch das Interesse all jener Doppelt-Geimpften erregen, die sich in absehbarer Zukunft um eine Auffrischungsimpfung, den sogenannten Booster, kümmern müssen. Auch aus wissenschaftlicher Sicht gibt es bereits vereinzelt Fürsprecher der Boosterimpfungen mit Protein-Vakzinen. Laut John Mascola, Direktor des Vaccine Research Center am US-amerikanischen National Institute of Allergy and Infectious Diseases, hätten Studien gezeigt, dass eine kombinierte Impfung verschiedener Vakzine sich als besonders wirksam gegen die Erkrankung erweise. Bisher fehlen allerdings noch konkrete Daten im notwendigen Maße. Zumindest Mascola hält für unwahrscheinlich, dass Protein-Vakzine sich als untauglich für Auffrischungsimpfungen erweisen könnten.

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EMA prüft Zulassung

Die Coalition for Epidemic Preparedness Innovations (CEPI), eine weltweite Allianz zur Erforschung und Entwicklung neuer Impfstoffe zum Schutz gegen neue Viruserkrankungen, hat mehr als eine Milliarde US-Dollar in die Entwicklung fünf proteinbasierter Covid-19-Impfstoffe, allen voran jene von Clover (China), Novavax (USA) und SK Bioscience (Korea), investiert. Inzwischen liegen die für Zulassungsanträge erforderlichen Studien für etliche der rund 50 verschiedenen Impfstoffkandidaten auf Proteinbasis vor. Novavax hat für einen der vielversprechendsten Kandidaten, seinen Impfstoff Novaxovid im November die Zulassung bei der europäischen Arzneimittelbehörde EMA beantragt. Die bestätigt den Eingang des Antrags und will nach ausführlicher Prüfung der Unterlagen „in einigen Wochen“ eine Entscheidung fällen.

Schon seit dem 1. November 2021 verfügt Novavax über eine Notfallzulassung in Indonesien. Einen entsprechenden Antrag für das Herkunftsland USA hat der Hersteller noch nicht gestellt. Die EU-Kommission hatte schon im Frühjahr 2021 rund 200 Millionen Dosen des Vakzins bestellt.

Inzwischen gibt sich auch Valneva-Geschäftsführer Thomas Lingelbach zuversichtlich. „Wir glauben, dass VLA2001 im Vergleich zu den derzeit zugelassenen Impfstoffen Vorteile in Bezug auf Sicherheit, Kosten, einfache Herstellung und Verteilung bieten könnte. Das Verträglichkeitsprofil war deutlich vorteilhafter als das des aktiven Vergleichsimpfstoffs.“ Allerdings geht Lingelbach davon aus, dass für sein Vakzin eine Zulassung der EMA nicht vor April 2022 zu erwarten sein dürfte. Auch von diesem Impfstoff hat sich die EU 60 Millionen Dosen gesichert.

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