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Shortselling: Wie funktionieren Leerverkäufe?

Aktien günstig kaufen, teurer verkaufen und den Gewinn einstreichen – das klingt nach einer guten Strategie auf dem Parkett. Doch es geht auch genau andersherum: Shortseller spekulieren auf fallende Kurse.

6 Min. Lesezeit
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Fette Gewinne für manipulative Hedgefonds: Leerverkäufe haben einen schlechten Ruf. (Foto: crystal 51 / Shutterstock)

Was sind Leerverkäufe?

Grundlage der Leerverkäufe (auch: Short Sale) ist die Wertpapierleihe. Bei dieser Geldanlageform werden Wertpapiere, meist Aktien, von Bank, Broker, Fonds oder Großaktionär gegen Gebühr entliehen. Bis zur vereinbarten Rückgabe kann der Entleiher damit handeln. Dann muss er Papiere gleicher Art und Güte zurückgeben. Das funktioniert, weil keine Leihe im üblichen Sinn vorliegt, sondern der Entleiher zum Eigentümer der Wertpapiere wird.

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Ein Leerverkäufer fährt mit diesen geliehenen Papieren eine Sell-Buy-Back-Strategie. Das bedeutet, dass er die geliehenen Werte verkauft. Kaufen muss er die Aktien dann erst zum Ablauf der Leihfrist. Idealerweise kauft er dann zu einem niedrigeren Preis, als er die Aktien bereits verkauft hat. Er spekuliert also darauf, dass der Aktienkurs in der Zeit zwischen Verkauf und Erfüllungszeitpunkt sinkt. Steigt der Kurs der Aktie allerdings, fährt der Leerverkäufer Verluste ein. Hinzu kommen die Leihgebühren für die Aktien.

Diese Termingeschäfte funktionieren nicht nur mit Aktien, sondern auch mit Devisen oder Derivaten und Waren. Wir beschäftigen uns hier aber hauptsächlich mit dem Shortselling von Aktien.

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Welche Strategie steckt hinter Leerverkäufen?

Leerverkäufe von Finanzprodukten sind meist sehr spekulativ, da je nach Konstrukt des Shortsellings der Wert des jeweiligen Produktes sehr schnell stark fallen muss, um einen Gewinn zu erzielen. Außerdem verlangen Verleiher von Wertpapieren meist hohe Sicherheiten.

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Schnelle Gewinne durch hohes Risiko ist aber nicht die einzige Taktik, die hinter dem shorten stecken kann. Leerverkäufe werden auch zur Absicherung genutzt: Um das normale Depot vor Verlusten durch fallende Kurse zu schützen, greifen erfahrene Anleger mitunter zu Leerverkäufen, um durch den erwarteten Wertabfall zu profitieren. Geht die Strategie auf, kommt es zu einer X-Bewegung, mit der der Verlust aus der klassischen Anlage durch den Gewinn aus den Leerverkäufen ausgeglichen wird. Allerdings ist diese Absicherungsstrategie mit direkten oder indirekten Kosten verbunden: Wer sein Geld dafür aufwendet, auf kurzfristig fallende Kurse zu wetten, kann es nicht langfristig anlegen und von steigenden Aktienkursen profitieren. Es entstehen Opportunitätskosten, da die Option der langfristigen Geldanlage nicht genutzt wurde.

Leerverkäufe können aber auch über einen längeren Zeitraum laufen, um einen übergeordneten Abwärtstrend am Markt abzufedern, der sich über Jahre ziehen kann. Je größer das Zeitfenster bis zur Rückgabe der geliehenen Papiere ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, zu einem günstigen Kurs zurückkaufen zu können.

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Wer betreibt Wertpapierleihe und Leerverkäufe?

  • Privatanleger: Aktien und andere Wertpapiere leihen kann theoretisch jeder. Allerdings ermöglichen das nicht alle Broker. Auch müssen Anleger sich dafür meist extra in der entsprechenden Risikoklasse freischalten lassen und Sicherheiten hinterlegen. Verleiher von Aktien wollen sichergehen, dass die Entleiher ihre Verbindlichkeiten einhalten können. Deswegen verlangen sie nicht selten für die geliehene Aktien im Wert von 100.000 Euro eine Sicherheitsleistung von 20.000 bis 50.000 Euro.
    Statt Leerverkäufen sind für kleine Privatanleger meist andere Finanzprodukte mit vergleichbaren Effekten, wie Derivate oder Optionsscheine, besser geeignet.
    Privatanleger können aber auch über ETF mit der Verleihe von Wertpapieren in Berührung kommen: Indexfonds haben eine starre Anlagestrategie und nutzen die Leihgebühren aus der Wertpapierleihe, um ihre Rendite zu erhöhen.
    Außerdem gibt es Short ETF, der inverse Gegenpart zum normalen ETF: Er bildet den jeweiligen Index in umgekehrter Weise ab. Diese inversen Indexfonds gelten allerdings als deutlich risikoreicher.

 

  • Professionelle Anleger: Leerverkäufe und Wertpapierleihe gehören für viele Hedgefonds zum Tagesgeschäft. Das liegt nicht nur an ihrer Finanzstärke. Hedgefonds schauen sich die Bilanzen von Börsenunternehmen an, um zu überprüfen, ob die Aktien überbewertet sein könnten. Werden Aktien tatsächlich zu einem deutlich höheren Wert am Markt gehandelt, als sie wert sind, kann es zu einer Kurskorrektur kommen. Darauf setzen Hedgefonds, indem sie diese Aktien leihen und auf eine Kurskorrektur hoffen, um sie leer zu verkaufen und Gewinne einzustreichen.
    Hedgefonds stehen aber häufig in der Kritik, den Markt aufzuwühlen: Haben die Investoren Wertpapiere geliehen, bringen sie häufig negative Berichte über ihre Bilanzprüfung des betreffenden Unternehmens heraus. Ob die negative Bewertung der Aktie gerechtfertigt ist, können Privatanleger oft nicht nachvollziehen. Vorsichtige Anleger gehen allerdings häufig trotzdem auf Nummer sicher und veräußern ihre Anteile – et voilá: Der Aktienkurs fällt und der Hedgefonds hat mit Gewinn auf den Kursverfall gewettet.

Welches Risiko gibt es bei Short Sales?

  • Für Leerverkäufer: Beim Aktienkauf kann der Verlust nicht mehr als 100 Prozent der Einlage betragen. Reagiert der Markt anders als erwartet und der Kurs der jeweiligen Aktie steigt anstatt, wie vom Leerverkäufer erwartet, zu fallen, muss der Shortseller seine geliehenen Papiere trotzdem zurückgeben und zu einem teureren Kurs zurückkaufen. Der so entstehende Verlust kann unbegrenzt hoch sein.
    Manche Leihverträge enthalten außerdem eine Klausel, nach der der Verleiher die Wertpapiere kurzfristig zurückfordern kann. Zu einem ungünstigen Zeitpunkt kann das für den Entleiher hohe Verluste bedeuten.

 

  • Für Aktionäre und Verleiher von Wertpapieren: Tatsächlich ist es so, dass Shortseller Kursverfälle anstoßen können. Darüber ärgern sich nicht nur Aktionäre mit Einzelaktien. Wer seine Wertpapiere an Shortseller verliehen hat, sollte sich des Risikos umso mehr bewusst sein. Bei stark sinkenden Kursen aufgrund einer Short-Attacke können die eingenommenen Leihgebühren den Kursverlust oft nicht ausgleichen. Oder etwas unwahrscheinlicher: Die hinterlegten Sicherheiten der Leerverkäufer reichen nicht aus. Zumindest theoretisch tragen diese Risiken auch private Besitzer von Wertpapier verleihenden ETF.

 

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  • Für den Markt: Leerverkäufe haben einen schlechten Ruf, da sie den Markt destabilisieren können. Verschiedene Marktteilnehmer machen ihre Entscheidungen voneinander abhängig. Shorten namhafte Investoren eine Aktie, obwohl es dafür keinen ersichtlichen Grund gibt, können sie den Sturz des Kurses anstoßen.
    Short Sales können aber auch Finanzkrisen vorbeugen: Boomende Kursentwicklungen stellen Leerverkäufer auf den Prüfstand. Steckt hinter dem Leih eines Shortsellers die berechtigte Begründung, dass der Kurs der jeweiligen Aktie überbewertet ist, kann er so die Luft aus einer sich aufbauenden Spekulationsblase entweichen lassen.

Was sind Short-Attacken und was könnte dagegen helfen?

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht regelt den Markt für Short Sales mit (Teil-)Verboten und Richtlinien für mehr Transparenz. Außerdem mahnt sie Anleger zur Vorsicht beim Kauf von Finanzprodukten und Anlageempfehlungen von unseriösen Quellen.

Ab einer bestimmten Größe müssen Leerverkäufe an das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz gemeldet werden. Das veröffentlicht regelmäßig im Bundesanzeiger die Netto-Leerverkaufspositionen. Wer also ein Auge darauf hat, könnte aus einer ungewöhnlichen Erhöhung der Leerverkaufs-Positionen eine mögliche Short-Attacke ablesen. Da allerdings nicht auf jede deutliche Erhöhung eine Attacke folgt, gleicht diese Taktik oft dem Blick in die Glaskugel. Auch kann diese Verteidigungsmethode je nach Breite des Portfolios sehr aufwändig sein.

Wirecard, Stroer und Aurelius – trotz dieser Regelungen gibt es viele Beispiele für Short-Attacken der vergangenen Jahre. Die Leerverkäufer, meist waren es große Hedgefonds, sorgten dabei mit drastischen Kurseinbrüchen binnen Tagen für Schlagzeilen.

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Fazit

Leerverkäufe sorgen für Bewegung im Finanzmarkt. Dabei könnten sie im besten Fall Spekulationsblasen zum Platzen bringen. Viele schwarze Schafe wollen allerdings gezielt Manipulieren, um fette Gewinne einzufahren, und haben so die Short Sales zu ihrem schlechten Ruf gebracht. Die Bafin versucht Licht ins Dunkel der Leerverkäufe zu bringen, steht allerdings verloren mit ihrer Taschenlampe am Rande einer stockdunklen, riesigen Schafweide.

Private Anleger sollten in Sachen Short Sales Zaungäste bleiben, da sie als Anlageprodukte zu risikoreich sind. Kunden von Discount-Brokern und Besitzer physischer ETF sollten sich allerdings trotzdem über Wertpapierleihe informieren und checken, ob nicht auch ihre Aktien verliehen und leer verkauft werden können.

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