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Wie Siemens die Bahn pünktlich machen will

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Schienenfahrzeuge als Sensor für Schienen-Zustand

Mittlerweile sei es möglich, sowohl Infrastruktur auf Fahrzeuge schauen lassen als auch umgekehrt. „Bei einigen Bahnen der Welt nutzen wir schon Schienenfahrzeuge als Sensor für den Zustand der Schiene, der Oberleitung oder der Signaltechnik“, sagt Kreß: „Der Zug an sich sei ein schlechter Sensor, wenn er aber oft genug fährt und es darüber hinaus viele verschiedene Züge sind, kriegen wir ein gutes Bild und können in naher Zukunft entstehende Probleme gut vorhersagen.”

Informationen aus dem Schienenverkehr sammeln, bündeln und intelligent verwerten soll die Plattform Railigent also, und so den Siemens-Kunden aus der Bahnbranche helfen, ihre Verfügbarkeit zu erhöhen, aber auch ihre Energieeffizienz zu verbessern sowie die Auslastung ihrer Züge zu erhöhen.

Dass in Zukunft dank intelligenter Loks und intelligenter Infrastruktur immer mehr Daten anfallen werden, nützt Kreß und seinem Team natürlich. „Ich glaube, wir haben auf unserer Liste momentan maximal zehn Prozent der möglichen Usecases”, sagt er. Heute schaue man noch verstärkt auf die klassischen Probleme mit Tür, Lagern, und eben solche Parameter, die das Fahrverhalten von Zügen direkt betreffen.

Da die Bahnen weltweit allerdings zunehmend hart miteinander konkurrieren, würden sie auch unter großem Druck stehen, stetig mehr Verkehr auf die Schiene zu bringen. Das, sagt Kreß, führe jetzt schon zu neuen Geschäftsmodellen. In Spanien etwa bietet die Staatsbahn Renfe eine Pünktlichkeitsgarantie. Ist der Zug verspätet, bekommt man als Reisender den gezahlten Ticketpreis komplett rückerstattet.

Deutsche Bahn will Klimaanlagen checken

Konkrete Zahlen zum Thema Verfügbarkeit der ICE-Flotte sind bei der Deutschen Bahn nicht zu bekommen. Das liege auch daran, dass man die RDA-Box von Siemens „bislang nur an der neuesten ICE-Baureihe getestet” habe, die als solche „sehr stabil” sei, wie Anja Ehret sagt: „Ein großer Hub der Verfügbarkeit ist damit per se gar nicht möglich. Eine endgültige Bewertung nehmen wir vor, wenn unsere Analysen abgeschlossen sind.“

Immerhin: Ihre berüchtigten Klimaanlagen will sich die Bahn jetzt „genauer ansehen“, wie Anja Ehret sagt. Im Fokus seien hier die sogenannten schnelldrehenden Komponenten bei den älteren ICE-Baureihen 403 und 406: Bei diesen Zügen möchte man nun die Instandhaltung der Klimaanlagen „optimieren”. Und: „An dieser Klimaanlage haben wir schon relativ viel gearbeitet. Derzeit sind wir dabei, einen zusätzlichen Sensor zu verbauen. Wir brauchen einen, der vor einer anstehenden Überhitzung die Anlage vorsorglich abschaltet und dann wieder zuschaltet“, sagt sie.

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