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Machen uns Smart Glasses endgültig zu Zombies?

Unser Kolumnist ­Johnny Haeusler befürchtet, dass uns bald überall ­Menschen mit smarten Brillen begegnen, die wie weggetreten in die Gegend starren.

Von Johnny Haeusler
3 Min. Lesezeit
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Eine großartige Sache, so ein ­Smartphone. Wären da nicht die Nachteile. (Abbildung: Shutterstock / Natalia Sokko)

Die Vorstellung des ersten iPhones vor etwa 15 Jahren durch Steve Jobs war nicht nur eine Meisterleistung in Sachen Produktpräsentation. Kritikerinnen wie Fans sind sich einig, dass das Produkt die Welt, wie wir sie bis dahin kannten, nachhaltig verändert hat.

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Vor dem iPhone waren Telefone mit Internetfunktionen nerdige Backsteine mit umständlich zu bedienenden, kleinen Hardware­tastaturen. Digitale Organizer, deren Funktionen kaum über Kalender, Notiz- und Adressbuch hinausgingen, mussten mit einem billigen Plastikstift bedient werden. Sie wurden PDA genannt – was zufällig auch die abgekürzte ­Bezeichnung für eine Narkosetechnik ist.

Die Nachteile des Smartphones

Nicht lange nach der Einführung des iPhones orientierten sich alle anderen Marken an diesem Gerät, das schon 2007 das vorgab, was wir heute noch als Smartphone bezeichnen. Ein Komplettpaket, das für uns nicht nur Organisationstool, sondern auch Film- und Foto­kamera, Musikarchiv, Bibliothek, Spielkonsole und vor allem weltweit ­funktionierendes ­Kommunikationswerkzeug ist. Eine großartige Sache, so ein ­Smartphone. Wären da nicht die Nachteile.

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Denn egal, wie bewusst wir angeblich mit unserer Screentime umgehen: Ich kenne niemanden, der das Bild von Menschen, die quasi dauerhaft auf ihre leuchtenden Handinnenflächen starren, nicht manchmal auch ein wenig gruselig findet. Eltern schieben Kinderwagen und schauen dabei aufs Smartphone, während der Nachwuchs ihren Blick sucht. Aufgebrachte Demonstrierende richten ihre Smartphone-Kameras wie Waffen auf die Umstehenden. Und wenn eine Influencerin im Urlaub war, ohne den gesamten Trip auf Instagram zu posten – war sie dann überhaupt verreist?

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Ich bekomme täglich Nachrichten sowohl von mir bekannten als auch völlig fremden Menschen auf Facebook, Twitter, Whatsapp, Signal, Telegram, Basecamp und Slack. Und manchmal auch als SMS. Natürlich habe ich die Benachrichtigungen für viele der Kanäle ausgeschaltet, lesen tue ich die Nachrichten dennoch mehrmals täglich. Gepaart mit ­meinem Info-, News-, Twitter-, E-Book- und Musik­konsum sowie meinem Spaß am Fotografieren hänge ich öfter an meinem Smartphone als ein Junkie an der Nadel.

Werden wir uns häufiger in die Augen blicken?

Doch damit ist ja zum Glück bald Schluss, denn das Zeitalter der ­Augmented Reality per smarter Brillen steht bevor. Smart ­Glasses werden zu Beginn ihre Rechenleistung aus unseren immer leistungsfähigeren Smartphones ziehen und den Screen oder ­Ausschnitte davon vor unsere Augen projizieren. Eine aufregende Option, die zum Beispiel bei der Navi­gation sinnvoll wird. Routenfindung und Richtungsanweisungen, die allein für uns sichtbar direkt auf der Straße angezeigt werden: Das ist ziemlich cool. Und selbstverständlich wird es auch möglich sein, die wichtigsten Infos über Sehenswürdigkeiten oder Shops auf dem Weg zu erfahren (Hallo, Werbe­branche, ich klicke vorsorglich schon mal auf ­„Ablehnen“). Wichtige Nachrichten der Liebsten können ebenfalls angezeigt werden, und wer weiß, welche neuen oder bestehenden Social Networks zukünftig Smart Glasses einsetzen werden?

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Dass wir mit smarten Brillen den Blick nicht mehr so häufig senken werden, könnte als Fortschritt gewertet ­werden, doch häufiger in die Augen blicken werden wir uns trotzdem nicht. Denn um die Projektion erkennen zu können, müssen meine Augen darauf fokussieren. Ich muss sie auf ein Objekt „einstellen“, das für andere unsichtbar im Raum schwebt. Für die Personen vor mir werde ich aus­sehen, als wäre ich mit meinen Ge­danken, meinen Augen ganz woanders, und das stimmt ja auch. Es wird aussehen, als wäre ich der Realität entrückt, weggetreten.

Und nun stellen wir uns mal eine ­volle U-Bahn vor, in der Menschen mit Smart Glasses vor sich hinstarren, weil sie die Schlagzeilen oder ihren Twitterfeed lesen. Oder weil sie sich gerade ­ihren Terminkalender für den Tag ansehen. Oder ihre Fotos durchscrollen.

Ich bin sehr gespannt auf die Möglichkeiten, die sich durch Smart ­Glasses ergeben werden, denn ­selbstverständlich bleibe ich neugierig, was ­technische Innovationen angeht. Wenn ich mir aber ansehe, welchen Einfluss Smartphones auf die Gesellschaft ­haben, dann kann ich nur hoffen, dass die Straßen durch Smart Glasses in ein paar Jahren nicht voller Zombies sind.

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Dieser Beitrag ist zuerst im t3n-Magazin erschienen. Lust auf mehr Deep Dives und Long Reads zu Tech-Trends? Hier gehts zum Shop: https://t3n.de/store/

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Dein t3n-Team

JHK

Zitat: oder Shops auf dem Weg zu erfahren (Hallo, Werbe­branche, ich klicke vorsorglich schon mal auf ­„Ablehnen“).
Frage: Welche Shops? Das Sterben gehr weiter und mit den Brillen braucht man die doch nicht mehr. Oder?

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