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Social Trading: Kann man den Markt mit Copy & Paste schlagen?

Für die einen sind sie ein supereinfacher Einsteig in den Aktienmarkt, für die anderen „kopierte Risiken“: Sogenannte Copy-Trades, bei denen Anleger:innen die Strategie eines anderen übernehmen, sind vor allem bei jungen Menschen beliebt.

4 Min. Lesezeit
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Börse to go: Mit Aktien-Apps interessante Wertpapiere handeln. (Foto: Shutterstock)

Plattformen wie Wikifolio, Etoro oder Naga sind damit groß geworden, dass man hier als Follower:in das Portfolio eines anderen Mitglieds verfolgen, diskutieren und sogar mit einer automatischen Funkton ins eigene Portfolio übernehmen kann. Die Idee dahinter: Nutzer:innen sollen von der Weisheit und der Erfahrung anderer Anleger:innen profitieren.

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Tatsächlich ist der soziale Austausch zu Investment-Ideen ein echtes Plus, wenn man sich intensiver mit dem Thema Geldanlage auseinandersetzen will. Die Anbieter der Social-Trading-Plattformen werben allerdings auch damit, dass Nutzer:innen mit kleinem Geld und ohne große Erfahrung am Aktienmarkt teilnehmen können. Tatsächlich birgt das Kopieren von Investmentstrategien aber hohe Risiken, auf die Verbraucherschützer:innen immer wieder hinweisen. Auch in den sozialen Medien finden sich neben glühenden Fans auch viele warnende Stimmen – insbesondere zum Thema Copy-Trades.

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Was ist Copy-Trading?

Das ist eine besondere Spielart des Social Trading, bei dem erfahrene Trader:innen ihre Handelsstrategien auf Social-Trading-Plattformen öffentlich machen. Andere Nutzer:innen können dann auswählen, welche Trader:innen sie kopieren möchten. Öffnet der oder die Trader:in eine neue Position, wird die gleiche Position automatisch auch bei dem oder der Follower:in geöffnet. Durch diese direkte Kopie partizipieren Follower:innen an den Strategien der erfahreneren Trader:innen, ohne selbst aktiv handeln zu müssen.

Vorteil: Das Copy-Trading ermöglicht Investor:innen den Zugang zu Strategien von Profis und die Diversifizierung des eigenen Portfolios. Nachteil: Sie sind auf Gedeih und Verderb den Strategien anderer Trader:innen ausgeliefert – und die können natürlich auch schiefgehen.

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Wie zuverlässig sind die Trader-Rankings?

Schon die Frage, wen man dort eigentlich kopieren soll, ist schwer zu beantworten. Für Follower:innen ist es nicht leicht, die tatsächliche Erfahrung der Trader:innen einzuschätzen und zu prüfen, ob deren Anlagestrategie und Risikoaffinität wirklich die eigenen Präferenzen spiegelt. Schon deshalb sind Copy-Trades eigentlich eher nichts für Einsteiger:innen. Denn die müssen ja erst mal herausfinden, welche Strategie für sie und ihre finanziellen Möglichkeiten richtig ist.

Die Top-Trader:innen werden auf den einschlägigen Plattformen nach ihren aktuellen Erfolgen gelistet. Das birgt die Gefahr, dass sich Neulinge leicht von den hohen Renditen und Followerzahlen blenden lassen – und der Investmentstrategie blind folgen. Zudem gilt auch hier die einfache Börsenweisheit: Die Erfolge von gestern müssen nicht die von morgen sein.

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Besonders erfolgreiche Investor:innen werden von den Plattformen zudem incentiviert – das heißt, sie bekommen beispielsweise eine Ermäßigungen von bis zu 100 Prozent auf die Handelsgebühren. Um im Ranking der Plattformen aufzusteigen, haben Trader:innen dabei aber durchaus Möglichkeiten, ihre Bilanz besser aussehen zu lassen, als sie vielleicht wirklich ist. Dann werden nur gut laufende Positionen geschlossen und die schlechten Investments lassen die Trader:innen weiter laufen – denn nur die geschlossenen Positionen zählen für die Position im Ranking. Follower:innen können sich die Sicherheiten und Haltegebühren für die offenen Positionen aber häufig nicht leisten – und sind dann gezwungen, Trades zu beenden und so Verluste zu realisieren.

Finger weg  bei komplexen Finanzprodukte

Hinzu kommt: Einige Produkte, die hier gehandelt werden, sind Finanzinstrumente für Profis, die entsprechend risikoreich sind. Das gilt vor allem für sogenannte Hebelprodukte wie Differenzkontrakte (Contracts for Difference, kurz: CFD), mit denen man auf steigende oder fallende Kurse eines Basiswerts wie etwa Aktien, Rohstoffe, Indizes, Fonds oder ETF spekulieren kann – mit dem Risiko des Totalverlusts. In dem gesetzlich vorgeschriebenen Disclaimer gibt die Tradingplattform Naga an, dass rund 83 Prozent der Konten von Privatanleger:innen Geld beim Handel von CFD verlieren, bei Etoro sind es nach Angaben des Anbieters 76 Prozent der Konten.

Auch hier sollten sich gerade Einsteiger:innen eine schlichte Börsenweisheit zu Herzen nehmen: Investiere nur in Produkte, die du auch wirklich verstehst. Nicht bei allen Anbietern dürfen Börsen-Neulingen sofort an das Copy-Trading heran. Beispiel Naga: Wer sich dort neu anmeldet, muss einen Wissenstest absolvieren. Nur die Nutzer:innen mit hohen Punktzahlen werden dann für diese Investmentart zugelassen.

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Kosten und Risiken genau unter die Lupe nehmen

Die Finanzaufsicht Bafin rät unter anderem dazu, bei der Auswahl der Social-Trading-Plattform darauf zu achten, dass die Geschäftsabläufe transparent und verständlich dargestellt werden, beispielsweise über ein Demokonto. Zudem sollte es möglich sein, die Risikoparameter an die eigenen Wünsche anzupassen (zum Beispiel Stop-Loss-Aufträge oder Take-Profit-Aufträge) und Nachschusspflichten auszuschließen. Diese Verpflichtung der Anleger:innen, zusätzliches Geld auf ihre Handelskonten einzuzahlen, um Verluste auszugleichen, die über den ursprünglich investierten Betrag hinausgehen, wird häufig bei gehebelten Produkten wie CFD gefordert.

Beim Thema Gebühren sollte man unbedingt einen Blick ins Kleingedruckte, also in die allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) der Anbieter, werfen. Zwar ist die Eröffnung eines Kontos meist kostenfrei. Bei jeder ausgeführten Order, mit der die Order eines oder einer Trader:in kopiert und ausgeführt wird, werden aber Gebühren fällig. Außerdem können Zusatzgebühren durch den sogenannte Spread entstehen – das ist die Differenz zwischen dem tatsächlichen Kurswert und dem von der Plattform ausgewiesenen Verkaufspreis des Finanzinstruments. Das alles schmälert die Rendite.

Hohes Risiko gepaart mit wenig Wissen

Vor allem jungen Menschen setzen auf Copy-Trading, wie eine aktuelle Umfrage der Bafin zeigt. Drei von zehn Anleger:innen im Alter von 18 bis 39 Jahren haben in den vergangenen zwei Jahren mit Social Trading Geld angelegt. Bei den 40- bis 59-Jährigen sind es nicht einmal zwei von zehn Anleger:innen. Insgesamt haben laut der Umfrage 16 Prozent der Befragten schon einmal Geld mit einem Copy-Trade angelegt.

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Alarmierend ist jedoch ein anderer Befund der Umfrage: Trotz fehlendem Finanzwissen gehen die Anleger:innen beim Copy-Trading oft hohe Risiken ein. Bei Fragen zu ihrem Wissen um Finanzprodukte schnitten sie im Vergleich zu klassisch investierten Anleger:innen schlechter ab. Gleichzeitig überschätzen sie ihr Wissen, während die klassischen Investor:innen es eher unterschätzen.

Trotzdem besitzt die Mehrheit der Copy-Trader:innen riskante Finanzprodukte: 60 Prozent gaben an, in Kryptowerte, Hebelprodukte oder CFD investiert zu sein. Bei Anleger:innen, die kein Social Trading nutzen, hält lediglich ein Fünftel (22 Prozent) solche Assets.

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