Ratgeber

Soforthilfe für Selbstständige: Das tun Bund und Länder gegen die finanzielle Schieflage

Soforthilfen von Bund und Ländern – Aufatmen bei vielen Selbstständigen. (Foto: Andrey Arkusha / Shutterstock)

Bund und Länder planen zahlreiche Maßnahmen zur Unterstützung von Freelancern, Solo-Selbstständigen und kleinen Startups. Was du für die Soforthilfe tun musst und warum Kredite ein zweischneidiges Schwert sind. 

Während  in vielen größeren Unternehmen angesichts der aktuellen Situation über Kurzarbeit nachgedacht wird, haben zahlreiche Solo-Selbstständige, Freelancer, Freiberufler und kleine Gewerbetreibende – unter welchem Begriff auch immer man sie zusammenfassen will – noch deutlich handfestere Probleme. Viele stehen offenbar vor einem starken Nachfrageeinbruch. Insbesondere viele Berufe aus dem Messe- und Konferenzumfeld, außerdem Künstler und Kreative, aber auch Personen aus der Gastronomie, der Gig-Economy und Berufen wie Yogalehrer, Fitness-Trainer (die naturgemäß ihren Kunden berufsbedingt näher kommen müssen als derzeit erlaubt und sinnvoll ist) müssen von eben auf jetzt umdenken. Denn sowohl private Kostenfaktoren als auch berufliche Mieten und Co. laufen wie gewohnt weiter.

Die Bundesregierung, aber auch zahlreiche Landesregierungen haben daher eine Vielzahl von Programmen entwickelt, mit denen Selbstständige schnell und unbürokratisch Hilfe bekommen sollen.

In Quarantäne: Fast noch finanziell am besten abgesichert

Noch einigermaßen sicher ist, wer selbst aufgrund einer möglichen Coronavirus-Infektion in Quarantäne muss. Dann werden nämlich nach dem Infektionsschutzgesetz Honorare und Einkünfte in dem Umfang gezahlt, wie sie auch im vergangenen Jahr bestanden. Herangezogen wird dafür in der Regel der Steuerbescheid – was genau passiert, wenn dieser noch nicht vorliegt, hängt von anderen vorliegenden Bescheiden ab.

Doch es gibt auch zahlreiche andere Selbstständige, die aktuell finanziell in Schieflage geraten könnten – die Bundesregierung schätzt hier rund 700.000 Solo-Selbstständige und 300.000 mit Angestellten entsprechend ein. Die Bundesregierung will hier mit einem Soforthilfeprogramm auf Zuschuss- beziehungsweise Kreditbasis den Selbstständigen unter die Arme greifen: Rund zehn Milliarden Euro sollen als direkter, nicht rückzuzahlender Zuschuss gewährt werden, weitere 40 Milliarden Euro auf Kreditbasis. Bis zu 9.000 Euro sollen Solo-Selbstständige erhalten können, bis zu 15.000 solche mit bis zu zehn Mitarbeitern. Sie müssen allerdings eidesstattlich versichern, dass ein Liquiditätsengpass, resultierend aus Einbrüchen durch die Coronakrise, vorliegt. Das entsprechende Gesetz hat heute den Bundestag passiert und dürfte, vorbehaltlich des (unwahrscheinlichen) Einspruchs seitens des Bundesrats, am Freitag verabschiedet werden.

Bundesländer: Gesonderte Programme für Soforthilfe

Davon abgesehen bieten zahlreiche Bundesländer eigene Programme zur Unterstützung von Freelancern an. In Bayern, das hier bereits Mitte letzter Woche ein entsprechendes Programm aufgelegt hat, steht eine Corona-Soforthilfe bereit, die für jene Solo-Selbstständigen, die nicht mehr zahlungsfähig sind, 5.000 Euro Soforthilfe vorsieht (bis zu fünf Erwerbstätige). Wer mehr Mitarbeiter beschäftigt, bekommt auch mehr Geld zur Überbrückung von Engpässen (bis zu 30.000 Euro bei bis zu 250 Beschäftigten). Das ist, insbesondere bei größeren Unternehmen, nur ein Tropfen auf den heißen Stein, soll aber weitgehend ohne Prüfung ausgezahlt werden. Die Überprüfung der Bedürftigkeit soll freilich, so erklärt das Wirtschaftsministerium, im Nachgang erfolgen. Wer sich das Geld also ungerechtfertigt erschleicht, dem droht nicht nur die Rückzahlungsverpflichtung, sondern auch ein Verfahren wegen Subventionsbetruges.

Dabei muss liquides Privatvermögen genutzt werden, bevor ein entsprechender Antrag gestellt werden kann. Zudem muss der Selbstständige nachweisen, dass seine finanzielle Schieflage direkt mit dem Coronavirus zusammenhängt. Gerade dies wird ein Stück weit Ermessensspielraum der Behörden bleiben.

Auch Baden-Württemberg plant einen branchenübergreifenden Härtefallfonds, der immerhin fünf Milliarden Euro ausschütten soll. Für kleine Unternehmen, Startups und Freiberufler mit bis zu fünf Mitarbeitern stehen so immerhin je nach Einzelfall bis zu 15.000 Euro zur Verfügung. Erhöht wurde in dem Zusammenhang auch der Bürgschaftsrahmen für Landesbürgschaften, was aber eher für mittelständische Unternehmen und Startups eine Rolle spielen dürfte.

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

2 Kommentare
Hermann

Hallo liebes t3n-Team,

ich habe eine Bitte:

Warum tauchen bei der Aufzählung von Einzelunternehmen/Tätigkeitsbereiche (oft werden Sie als Klein-Selbständige oder modern Singel-Selbständige bezeichnet) nie die breite Anzahl derer auf, die im Bereich Bildung/Weiterbildung tätig sind. Sie haben viele viele Jahre harte Arbeit an der Basis geleistet. Viele wieder zurück in den Job geführt. Geduldig eine neue Sprache vermittelt oder den Weg in einen neuen Job begleitet. Hilfe zur Selbsthilfe vermittelt oder den Karriere Weg unterstütz mit Wissensvermittlung. Niemand kümmert sich um diese wichtige Zielgruppe. Wovon leben diese Leute und wie geht es weiter.

Nehmt doch bitte dieses wichtige Thema mal auf – DANKE

Und noch ein Themenwunsch:
Das Thema BG – Bedingungsloses Grundeinkommen
Es wird unter den Menschen immer mehr der Ruf nach Sicherheiten, auch langfristig, lauter.
Das BG wäre jetzt perfekt zu diskutieren. Ich kann gerne eine Liste sehr kompetenter und seriöser und kluger Personen (aus Wirtschaft, Politik und Bevölkerung) zuarbeiten die hier interessante Ansätze, Berechnungen und fundierte Strategien zur MACHBAREN Umsetzung kommunizieren.
(Übrigens hat die CDU bereits im Jahr 2007 in einem Artikel der Welt am Sonntag dazu einen Artikel der Machbarkeit veröffentlicht)

Ich freue mich auf Ihre Rückmeldung verbleibe
mit freundlichen Grüßen
Ute Hermann

Antworten
Soloselbständiger
Soloselbständiger

–> Vor Inanspruchnahme der Soforthilfe ist verfügbares liquides Privatvermögen einzusetzen

Damit ist klar:
Zuerst muss ich also mein hart erarbeitetes Erspartes einbringen und mit heruntergelassenen Hosen da stehen. Dazu wochenlang keinen Euro Einnahmen, kein Gehalt.
Nee danke, da mach ich den Betieb lieber dicht!
Wollte die Regierung das eigentlich nicht vermeiden?
Für mich wirkt das wie ein Schlag ins Gesicht eines jeden Klein-Selbständigen :-(

Antworten

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!

Hey du! Schön, dass du hier bist. 😊

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team bestehend aus 65 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Danke für deine Unterstützung.

Digitales High Five,
Stephan Dörner (Chefredakteur t3n.de) & das gesamte t3n-Team

Anleitung zur Deaktivierung