Analyse

Software-Developer trotzen der Coronakrise: Hier wird massiv eingestellt

Softwareentwickler bleiben in der Coronakrise gefragt. (Foto: Shutterstock)
Lesezeit: 3 Min.
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In vielen Unternehmen herrscht Einstellungsstopp. Einige Berufstätige bangen in der Coronakrise sogar um ihre Jobs. Doch eine Berufsgruppe gibt sich unbeeindruckt: die Software-Developer.

Die Coronakrise trifft die Weltwirtschaft schwer. Kurzarbeit ist hierzulande ein probates Mittel, um die Liquidität der Unternehmen aufrechtzuhalten. Doch auch die Angst vor Jobverlust geht unter Beschäftigten um. Eine Berufsgruppe, die den Geschehnissen bis dato weitestgehend trotzt, ist die der Softwareentwicklerinnen und -entwickler – wie eine Glassdoor-Datenanalyse exklusiv für t3n zeigt. Zwar sind auch hier die Stellenausschreibungen auf der Jobplattform im März und April um sechs Prozent zurückgegangen, jedoch machen sie noch immer einen Großteil der ausgeschriebenen Jobs aus. Amazon beispielsweise sucht hierzulande insgesamt 101 Entwicklerinnen und Entwickler. Das sind 11,9 Prozent der derzeit ausgeschriebenen Stellen des US-Konzerns in Deutschland. Insgesamt hat Amazon aktuell 847 Stellen ausgeschrieben – vorwiegend in der Logistik.

Trotz Corona: Software-Developer weiter gesucht

Amazon-Firmengebäude in München: Software-Developer dringend gesucht. (Foto: Shutterstock)

Amazon ist somit Spitzenreiter der Datenanalyse. Die Bandbreite der Entwickler-Jobs reicht von Spezialisten für Produktsuche über die Amazon-Cloud bis hin zu Programmiererinnen und Programmierer, die an Voice-Technologien arbeiten. Vornehmlich sucht Amazon derzeit IT-Talente in Berlin, aber auch in Dresden und Aachen sind Stellen für Tech-Fachkräfte zu vergeben, wie die Glassdoor-Datenanalyse zeigt. Der E-Commerce-Riese gilt als einer der Hauptprofiteure von der Coronakrise. Der boomende Handel im Internet und florierende Cloud-Dienste bescherten Amazon zuletzt vergleichsweise traumhafte Geschäftszuwächse. Im ersten Quartal stieg der Umsatz verglichen mit dem Vorjahreswert um 26 Prozent auf 75,5 Milliarden US-Dollar (68,9 Milliarden Euro), wie der weltgrößte Onlinehändler kürzlich bekanntgab. Amazon bleibt attraktiv für IT-Experten.

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Der IT-Dienstleister Adesso folgt mit 45 offenen Stellen auf dem zweiten Platz und sucht aktuell in unterschiedlichsten Städten nach Software-Developer für die Umsetzung von IT-Projekten. Besonders Java-Experten sind gefragt. Insgesamt hat das Unternehmen 302 Stellen auf Glassdoor geschaltet. Somit beläuft sich der Anteil auf 14,9 Prozent. Auf Platz drei findet sich Teamviewer, die eine Fernwartungssoftware für Screen-Sharing, Videokonferenzen, Dateitransfer und VPN betreiben. Das Unternehmen sucht derzeit nach 44 Softwareentwicklerinnen und -entwicklern. Gemessen an den 157 Gesamtausschreibungen ist das ein Anteil von 28 Prozent. Auch dieses Unternehmen profitiert vornehmlich von der Coronakrise. Die meisten Stellen werden hierzulande am Stammsitz in Göppingen besetzt.

Arbeitgeber Offene Stellen (Softwareentwickler) Offenen Stellen (Gesamt)
Amazon 101 847
Adesso 45 302
Teamviewer 44 157
SAP 32 227
Google 28 88
Deutsche Bahn 25 1.926
Bechtle 20 519
Siemens 20 582
Zalando 20 152
Cancom 19 235
Apple 17 107
Rewe 16 871
BASF 14 827
Wirecard 13 94
Deutsche Telekom 11 69
Salesforce 11 73
Deutsche Bank 11 73
Continental 11 470
Infineon 9 222
Metro 9 186

„Auch wenn es in der Coronakrise schwieriger geworden ist, einen Job zu finden, stehen Softwareentwicklerinnen und -entwickler noch vergleichsweise gut da“, so Felix Altmann. Der Arbeitsmarktexperte bei Glassdoor stellt fest, dass es auch jetzt noch in vielen Unternehmen zahlreiche offene IT-Stellen gibt. Dazu zählen auch Unternehmen, die nicht vorwiegend im Tech-Bereich tätig sind. Auch die Deutsche Bahn, Rewe, Siemens oder die Deutsche Bank buhlen während Corona um die IT-Fachkräfte. „Auffällig ist, dass die großen US-amerikanischen Tech-Unternehmen mittlerweile eine gewichtige Rolle im Kampf um die besten IT-Fachkräfte in Deutschland spielen“, so Altmann. Der sogenannte „War for Talents“ findet inzwischen vor der eigenen Haustür statt. Viele Unternehmen – darunter auch Google, Apple und Salesforce – sind in der Bundesrepublik aktiv.

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„Für ihre Tech-Hubs suchen sie Softwareexperten mit unterschiedlichsten Kompetenzen und entfalten mit ihren Arbeitgebermarken sicherlich eine große Strahlkraft“, ordnet Felix Altmann die Lage ein. „Deutsche Unternehmen müssen sich auf diesen starken Wettbewerb einstellen, der sicherlich auch nach der Krise bestehen bleibt.“ Tatsächlich besteht die nicht unberechtigte Hoffnung, dass die aktuelle Krise zu einem Digitalisierungsschub in der gesamten Wirtschaft führt und dieser die Nachfrage nach Fachkräften beflügelt. „Für Software-Developer heißt es, sich auf Wachstumsbereiche wie Cloud-, Remote- und Voice-Technologien zu konzentrieren und sich gezielt mit Arbeitgebern in diesem Bereich auseinanderzusetzen“, so der Glassdoor-Arbeitsmarktexperte gegenüber t3n.

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Weiterbildung: Die Udacity-App ist eine kostenlose Online-Akademie für iOS und Android. Zusammen mit Partnern wie Google und Salesforce werden Kurse entwickelt, die klassische Bildung mit technischen Berufsfähigkeiten verbinden sollen. (Grafik: t3n / dunnnk)

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5 Kommentare
Anonym
Anonym

Adesso schickt allerdings auch neu eingestellte Kollegen zu 100% in Kurzarbeit ohne zeitliche Begrenzung. Von daher gibt es doch spürbare Auswirkungen der Krise.

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Christian Kaps
Christian Kaps

Der Stammsitz von Teamviewer ist Göppingen und nicht Göttingen.

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Andreas Weck

Hallo Christian, danke dir für den Hinweis. Hab ich geändert.

Gruß

Andreas

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Anonym
Anonym

CHECK24 sucht auch noch diverse IT-Entwickler an verschiedenen Standorten.

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Andreas
Andreas

Schön sowas zu lesen. In der Praxis sieht es aber nicht ganz so aus.
Die meisten Software Entwickler arbeiten für und im Mittelstand.
Wenn die Wirtschaft am Boden ist, wird gerade dann nicht in die IT investiert.

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