Du hast deinen AdBlocker an?

Es wäre ein Traum, wenn du ihn für t3n.de deaktivierst. Wir zeigen dir gerne, wie das geht. Und natürlich erklären wir dir auch, warum uns das so wichtig ist. Digitales High-five, deine t3n-Redaktion

News

Was man bei Startups in Berlin wirklich verdient

(Foto: Axel Springer)

Aus einer Befragung von über 3.300 Menschen hat jobspotting.com den nach eigenen Angaben ersten repräsentativen Startup-Gehaltsreport für Berlin erstellt. Die wichtigsten Ergebnisse.

Neue Studie legt Gehälter in Berliner Startups offen

Was Menschen in Deutschland verdienen, gehört zu den wohlbehütetsten Geheimnissen. Das gilt auch für die seit Jahren florierende Gründerszene in Berlin. Anders als beispielsweise im Silicon Valley geht man mit den Gehältern in der deutschen Startup-Hauptstadt äußerst verschwiegen um. Konkrete Gehälter werden in Stellenausschreibungen fast nie angegeben, auch Informationen zu Gehaltspannen gibt es nur selten. Und: Verlässliche Daten finden sich kaum.

In Spitzenpositionen verdient man bei Startups in Berlin bis zu 5.300 Euro- Sales-Spezialisten und Marketer bekommen allerdings wenig Geld. (Foto: Factory)
In Spitzenpositionen verdient man bei Startups in Berlin bis zu 5.300 Euro- Sales-Spezialisten und Marketer bekommen allerdings wenig Geld. (Foto: Factory)

Die meisten Auswertungen sind entweder Stichproben von Ämtern oder qualitative Befragungen von Gründern. Das erschwert die Karriereplanung vieler Bewerber, die oft kaum wissen, welches Gehalt sie erwarten dürfen oder wie viel Verhandlungsspielraum sich ihnen in Gehaltsgesprächen bietet.

Eine neue Studie, die t3n vorab einsehen konnte, bringt jetzt Licht ins Dunkel. In Zusammenarbeit mit der Online-Jobbörse BerlinStartupJobs und der Hochschule Aalen hat die Karriereplattform Jobspotting.com den ersten repräsentativen Gehaltsreport für die Berliner Gründerszene erstellt.

Von April 2013 an wurden dazu über einen Zeitraum von drei Jahren insgesamt 3.388 Menschen anonym zu ihrem Gehalt, ihrer Berufserfahrung, der Branche und Zufriedenheit mit der aktuellen Beschäftigung befragt. Die Mehrheit der Teilnehmer machte nicht-deutsche Staatsangehörige aus (fast 80 Prozent), lebte schon in Berlin (60 Prozent) und war zwischen 26 und 30 Jahren alt.

Zum Einstieg winken 2.337 Euro

Im Mittelpunkt der Studie stehen ganz klar die Gehaltsstrukturen in der Berliner Gründerszene. Aus der Befragung geht hervor, dass das durchschnittliche monatliche Bruttoeinkommen für Einstiegspositionen in Startups bei 2.337 Euro liegt, während Arbeitnehmer mit drei bis fünf Jahren Erfahrung ein monatliches mittleres Einkommen von 3.080 Euro erhalten.

Als Treiber für höhere Gehälter in Vollzeitstellen erweist sich vor allem die Berufserfahrung. So steigt das mittlere Einkommen auf 3.845 Euro, wer sechs bis zehn Jahre Berufserfahrung auf dem Kerbholz hat. Befragte mit mehr als zehn Jahren Berufserfahrung gaben an, im Mittel 4.603 Euro im Monat zu verdienen.

Wenig Geld für Marketer und Sales-Spezialisten

Abhängig ist der Verdienst aber auch vom Alter des Startups. Wer zum Beispiel als Sales-Spezialist oder Marketer bei einem neugegründeten Startup einsteigt, kann den Ergebnissen zufolge gerade mal 1.950 Euro beziehungsweise 2.092 Euro im Schnitt erwarten. Ab dem sechsten Bestandsjahr liegt das Gehalt für beide Berufsgruppen hingegen bei 2.568 Euro beziehungsweise 2.875 Euro.

Diese Übersicht zeigt, wie viel welche Berufsgruppe bei Startups in Berlin durchschnittlich verdient. (Grafik: jobspotting.com)
Diese Übersicht zeigt, wie viel welche Berufsgruppe bei Startups in Berlin durchschnittlich verdient. (Grafik: jobspotting.com)

Interessant ist auch, dass ein abgeschlossenes Hochschulstudium nicht per se ein höheres Gehalt garantiert. Obwohl sie nur sechs Prozent der Befragten ausmachten, gaben Studienabbrecher höhere Gehälter an als diejenigen, die einen Studienabschluss hatten (82 Prozent). Übertroffen wurden sie nur noch von den Absolventen eines Promotionsstudiums.

Entwickler und Führungskräfte verdienen am meisten

Bei den Spitzenverdienern in Berlin gibt es mit Entwicklern und Managern wie beispielsweise CEOs oder CFOs keine Überraschung. Das mittlere Einkommen für einen Berufseinsteiger im Bereich Software-Entwicklung liegt demnach bei 2.900 Euro monatlich und steigt bei einem Arbeitnehmer mit zehn oder mehr Jahren Berufserfahrung auf bis zu 5.000 Euro an. Mit 2.500 Euro liegt das durchschnittliche Einstiegsgehalt eines Managers leicht unter dem eines Entwicklers. Wer dagegen schon in anderen Unternehmen als Führungskraft fungiert hat, kann mit einem Bruttoeinkommen von rund 5.300 Euro rechnen.

Frauen bekommen 25 Prozent weniger Gehalt

Auch wenn diese Zahlen für Startup-Verhältnisse durchaus vielversprechend klingen, deckten die Macher der Studie auch Schattenseiten in der Berliner Gründerszene auf. Zwar seien dort angesiedelte Startups innovativer und inklusiver als große Konzerne, „in Sachen Lohnungleichheiten haben sie allerdings noch einige Hausaufgaben zu erledigen“, heißt es in der Studie.

Frauen verdienen bei Berliner Startups im Schnitt 25 Prozent weniger als Männer. (Grafik: jobspotting.com)
Frauen verdienen bei Berliner Startups im Schnitt 25 Prozent weniger als Männer. (Grafik: jobspotting.com)

Demnach weisen Berliner Startups einen „extremen Gender-Pay-Gap“ auf – das geschlechterspezifische Lohngefälle ist also besonders stark ausgeprägt. Männer würden entlang aller Aufgabenbereiche und Erfahrungs-Level deutlich besser bezahlt als ihre weiblichen Kollegen. So liege das durchschnittliche Einkommen männlicher Vollzeitangestellter in Berliner Startups bei 3.333 Euro, weibliche Angestellte hingegen kommen im Mittel lediglich auf 2.500 Euro – ein Unterschied von annähernd 25 Prozent. Zum Vergleich: Nach Schätzungen von Eurostat liegt das durchschnittliche geschlechterspezifische Lohngefälle in der EU bei 16,4 Prozent. In Deutschland beträgt es durchschnittlich 22,4 Prozent.

Fazit

In ihrem Fazit kommen die Macher zu dem Ergebnis, dass die mittleren Bruttoeinkommen in Berlin sich auf dem Niveau vieler anderer Startup-Hochburgen bewegen. Unter Berücksichtigung der Teilnehmer-Angaben zu ihrer Zufriedenheit sei Berlin „ein attraktiver Standort für diejenigen, die in einem Startup arbeiten und gleichzeitig eine hohe Lebensqualität genießen möchten“.

Allerdings, so schreiben die Verantwortlichen weiter, gebe es auch einige offensichtliche Nachteile am Standort Berlin. Wer beispielsweise nicht in den Bereichen Software-Entwicklung, Management oder Design tätig ist, habe nur geringe Aussichten auf Gehaltssteigerungen. Angesichts des extrem starken Lohngefälles zwischen den Geschlechtern sei Berlin außerdem für Frauen deutlich weniger attraktiv als für männliche Arbeitnehmer. Die komplette Umfrage inklusive aller Infos und Daten könnt ihr gratis auf jobspotting.com runterladen.

Lies auch unseren Artikel: „IT-Gehälter 2015: Was Entwickler, Designer und ihre Kollegen dieses Jahr verdienen

Finde einen Job, den du liebst

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

6 Reaktionen
Dangin

Ein sehr interessanter Artikel, der die Einkommenslage in Hauptstadt sehr übersichtlich darstellt. Ein Bruttogehalt von unter 2000 Euro ist aber für einen Marketing- oder Sales-Spezialist unabhängig von seinen Vorkenntnissen und Bildung aber zu niedrig angesetzt. In Städten wie Bielefeld könnte man durchaus damit klar kommen. Aber in deutschen Großstädten müssten wahrscheinlich Zusatzjobs aufgenommen werden! Die Online-Jobbörse berlinstartupjobs.de ist sehr interessant. Wer bei der Suche nach dem passenden Job auf einen bestimmten Ballungsraum fixiert ist, dem kann ich auch diese Seite hier unter http://www.berliner-jobanzeiger.de/ empfehlen, wo die wichtigsten Tätigkeitsbereich aufgelistet sind.

Antworten
undertheradar

Verdiene als Software Entwickler (Backend, hauptsächlich PHP/NodeJS) 60k in Berlin (10 Jahre Erfahrung). Habe aber nicht das Gefühl das es schon Ende der Fahnenstange ist, der Bedarf ist groß aktuell.

Antworten
Matthias

Ohne die Frage zu beruecksichtigen, ob und welche Aktienoptionen die Angestellten haben, finde ich die Umfrage ziemlich lueckenhaft.

Antworten
undertheradar

Bei 9 von 10 Startups werden etwaige Aktienoptionen niemals etwas Wert. Ich würde sowas nicht mit in eine Gehaltsrechnung einbeziehen, außer es handelt sich um ein etabliertes Startup das tatsächlich schon einen stabilen Wert hat, die zahlen aber wiederum selten Boni in Deutschland.

Antworten
Anonymous

Klingt wirklich realistischer als Berichte der letzten Jahre. Würde ich so unterschreiben.

Antworten
Anonymous

Sehr interessant! Klingt ja nach endlich mal belastbaren Zahlen zu Berlin.

Antworten

Melde dich mit deinem t3n-Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Abbrechen