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Startups & Economy

Wie soll’s heißen? In 10 Schritten zum perfekten Startup-Namen

Den richtigen Namen für das eigene Startup zu finden ist nicht leicht. Die App-Schmiede „Crew“ hat den Prozess, den sie durchlaufen hat, nun offengelegt und liefert vielen Unentschlossenen damit eine Inspiration.

Von Lea Weitekamp
6 Min.
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Wie soll dein Unternehmen heißen? Foto: Betsy Weber – via flickr, Lizenz  CC BY 2.0

Startup-Namen: Mit dieser Methode nähert ihr euch systematisch an

„ooomf“ – das war der Name, den Gründer Mikael Cho und sein Entwicklerteam ursprünglich für ihr gemeinsames Startup gewählt hatten: Irgendwie auffällig, aber gleichzeitig nichtssagend und schwer in Erinnerung zu behalten. Zeit für ein Rebranding! Und dieses Mal wollte das Team strukturiert vorgehen. Die angewandte Methode hat Cho nun in einem Blogpost offengelegt. Sie dürfte für viele Startup-Gründer, die in einem ähnlichen Dilemma stecken, hilfreich sein.

Schritt 1: Wörter sammeln, die das Startup beschreiben

Am Anfang war das Brainstorming: So näherte sich Crew dem perfekten Startup-Namen. (Foto: Crew)

Am Anfang war das Brainstorming: So näherte sich Crew dem perfekten Startup-Namen. (Foto: Crew)

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Das Schöne an der Suche nach einem neuen Namen, schreibt Cho, sei, dass man auf der grünen Wiese anfangen und seiner Kreativität freien Lauf lassen kann. Daher fing das Team von ooomf, das – so viel sei vorweg genommen – sich später in „Crew“ umbenannte, auch mit einem klassischen Brainstorming an: Sie trugen zunächst alle Bezeichnungen zusammen, mit denen sie das Unternehmen häufig oder gerne beschrieben und die es in ihren Augen verkörperte.

Schritt 2: Wort-Favoriten sammeln

Als Nächstes sammelte Cho Wörter, die ihm gut gefielen und eine positive Assoziation hervorriefen – ganz unabhängig davon, ob sie mit seinem Startup in Verbindung gebracht werden konnten. Er schreibt: „Das Ziel war zu diesem Zeitpunkt einfach, viele Wörter zu finden, die wir mochten und die wir möglicherweise mit den Wörtern, die unsere Firma beschrieben, in Verbindung bringen konnten.“

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Schritt 3: Inspirierende Begriffe sammeln

Den Kopf frei machen und auf Ideenfindung gehen. #FLICKR#

Den Kopf frei machen und auf Ideenfindung gehen. (Foto: Walt Stoneburner / flickr.com, Lizenz: CC-BY)

Im nächsten Schritt ging es darum, auf neue Wörter aufmerksam zu werden, die bis jetzt unterhalb des Radars geflogen waren. Folgende Methoden nutzte das Team dabei:

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  • Ein tägliches Zeitfenster für freies, assoziatives Schreiben
  • Inspirationssuche auf Websites wie Vimeo oder Kickstarter, wo einem viele kreative Produkt- und Kampagnennamen über den Weg laufen
  • Inspirationssuche auf Websites mit herausragenden Werbetexten, etwa apple.com
  • Durchforsten von Wörterbüchern
  • Wortsuche per Zufallsgenerator, zum Beispiel hier auf Englisch oder hier auf Deutsch
  • Befragung von Familie, Freunden und Außenstehenden, ohne ihnen die bisherige Wortliste zu zeigen
  • Zusammenarbeit mit freien Textern

Mikael Cho betont, dass es sich bei den Ergebnissen dieser Arbeitsschritte auf keinen Fall um den fertigen Firmennamen handeln muss. Doch die systematische Wortsuche helfe, sich dem Kern des Unternehmens bzw. des Services aus verschiedenen Perspektiven zu nähern und somit für neue Verknüpfungen im Gehirn zu sorgen.

Schritt 4: Wortkombinationen finden

Am Ende der ersten drei Schritte hatten Cho und seine Kollegen eine Liste von etwa 100 Wörtern erstellt. Nun begannen sie, diese Wörter miteinander zu kombinieren, um gute Wort-Paare zu finden oder durch Verschmelzung eine geeignete Wort-Neuschöpfung zu erhalten.

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Schritt 5: Reimen!

Wort- und Reimsuchmaschinen können bei der Suche nach dem Unternehmensnamen helfen. (Screenshot: t3n)

Wort- und Reimsuchmaschinen können bei der Suche nach dem Unternehmensnamen helfen. (Screenshot: t3n)

Zeit für ein wenig Poesie: Für jeden Favoriten suchte das Team im nächsten Schritt passende Reime. Auch hier ging es wieder darum, ein Gespür für die richtige sprachliche Kombination zu entwickeln. Als Hilfsmittel nutzten sie die Website Rhymezone. Für die deutsche Sprache gibt es etwa den Reimgenerator oder die Reime-Suche von woxikon.

Schritt 6: Die Shortlist erstellen

Favoritenliste: So sahen die vielversprechendsten Kandidaten im Beispiel von Crew aus. (Screenshot: Crew)

Favoritenliste: So sahen die vielversprechendsten Kandidaten im Beispiel von Crew aus. (Screenshot: Crew)

Bevor das Team sich zusammensetzte, um die Favoritenliste auf die heißesten Kandidaten herunterzukürzen, sprachen sie eine Woche lang überhaupt nicht über mögliche Namen. So machten sie den Kopf frei und verhinderten, sich auf zu kleinteiliger Ebene mit der Namensgebung auseinanderzusetzen, erklärt Cho. In einer gemeinsamen Diskussion handelten sie dann die vielversprechendsten Wörter und Wortkombinationen aus. Die wichtigsten Kriterien dabei: Der neue Name sollte kurz und möglichst einfach sein.

Schritt 7: Showstopper ausschließen

Jeder Teamfavorit wurde direkt auf mögliche Showstopper hin überprüft:

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  • Zu viel Ähnlichkeit mit Wettbewerbern?
  • Zu wenig Bezug zur eigenen Marke?
  • Zu nervig / mehrdeutig / gewollt?
  • Zu flach / uninspiriert / langweilig?
  • Braucht man zu viel Insiderwissen, um den Witz zu verstehen?
  • Zu schwierig in der Aussprache?
  • Zu schwierige Schreibweise?

Schritt 8: Anwendbarkeit checken

Nun musste sich nur noch zeigen, ob die möglichen neuen Namen sich auch in der Praxis bewähren würden. Zu diesem Zweck recherchierte das Team folgende Faktoren:

Domains

Cho betont, dass man sich hier nicht zu starr an seinen Favoriten halten sollte. Wortspiele oder -kürzungen – wie etwa Twttr statt Twitter – oder Abweichungen von der typischen .com-Endung sollten durchaus in Erwägung gezogen werden. Weitere Varianten sind zum Beispiel „getXY.com“ (so war auch Dropbox zunächst unter getdropbox.com zu finden) oder „pickXY.com“ – „wähle uns“. Auch im Deutschen dürften sich einige solcher Spielereien finden. Für die Suche benutzte Cho die Lean Domain Search, empfiehlt aber auch das Tool Domainr. Weitere Anlaufstellen sind, gerade in Deutschland und Europa zum Beispiel Checkdomain oder InterNetworX – ohne eine Aussage darüber treffen zu wollen, ob diese auch die besten Anbieter sind, um die Domain zu kaufen.

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Markenrechte

Schon vor einer eingehenden rechtlichen Prüfung kann man sich einen schnellen Überblick darüber verschaffen, ob der anvisierte Startup-Name möglicherweise bestehende Markenrechte verletzt. Während Cho dies für die USA bei Trademarkia.com tat, können deutsche Startups auf Portale wie markenhit.de des deutschen Händlerbunds und der IT-Recht-Kanzlei München oder markencheck24.com zurückgreifen. Wer es genau wissen will, nutzt die etwas kompliziertere Recherche des Deutschen Patent- und Markenamts.

Google-Suche

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Der Suchmaschinen-Check ist ein schneller und einfacher Weg, um herauszufinden, ob der mögliche neue Name bereits in ähnlichen Kontexten oder von Wettbewerbern in Gebrauch ist und für Verwirrung sorgen könnte. Bei der Google-Suche, empfiehlt Cho, sollte der Startup-Name auch zusammen mit den Keywords der potenziellen Kunden kombiniert werden – in seinem Fall waren das „App Development“ und „Web Designer“.

Social-Media-Accounts

Cho und sein Team recherchierten auch mögliche Twitter-Handles und Facebook-URLs. Je kürzer und eingängiger der neue Unternehmensname, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die genaue Wortfolge bereits vergeben ist. Dennoch habe man auch hier Ausweichmöglichkeiten, so Cho: Zum Beispiel, indem man die Domainendung mit einbezieht. Wer sich die Markenrechte gesichert hat, kann bei Twitter zudem Anspruch auf den entsprechenden Account erheben, wenn der bisherige Account schon längere Zeit inaktiv ist (wie das geht, hat der Pottblogger hier beschrieben).

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Schritt 9: Feedback einholen

Der nun folgende Schritt ist sicherlich optional: Cho und seine Mitstreiter entschieden sich dazu, die vorhandenen Kunden und Klienten über den bevorstehenden Namenswechsel zu informieren und ihnen auch die Optionen, die sich noch in der Auswahl befanden, mit einer kurzen Erklärung vorzustellen. Es gilt: Wer sein geschäftliches Umfeld nicht in den Auswahl-Prozess einbeziehen möchte, könnte an diesem Punkt noch einmal Rücksprache im privaten Umfeld halten und so auch eventuelle Missverständnisse, was Bedeutung, Konnotation oder Schreibweise des Namens angeht, ausschließen.

Schritt 10: Den Gewinner küren

siegerpodest

Welcher der Startup-Namen steht ganz oben auf dem Treppchen? © contrastwerkstatt – Fotolia.com

Nun stand nur noch die finale Entscheidung aus. Für Cho und sein Team war zu diesem Zeitpunkt deutlich: Der neue Name ihres Unternehmens sollte „Crew“ sein. Zur Begründung sagt Cho: „Er war kurz, einfach zu buchstabieren, einfach auszusprechen und stand genau für das, was wir auch sind: Eine Gruppe von Personen, die gemeinsam an außergewöhnlichen Dingen arbeiten.“ Wie das Endergebnis zeigt, erfüllt der Name „Crew“ auch nicht alle der genannten Kriterien. Denn zumindest Domain und Twitter-Handle waren in diesem Fall schon vergeben, so dass das Unternehmen pickcrew.com und @crewlabs wählte. Das zeigt: Wenn der Name für dich und dein Unternehmen perfekt ist, findest du Lösungen für die restlichen Probleme.

„Beim Startup-Namen gilt: Es zählt, was du daraus machst“

Zum Ende seines Blogposts betont Mikael Cho, dass der Weg zum perfekten Startup-Namen immer ein anderer ist – mal schnell, mal langsam, mal in Form einer plötzlichen Eingebung, mal als systematische Annäherung:

„Denke über deinen Firmennamen so viel nach wie du willst, aber wenn du das Gefühl hast, bereit zu sein, vertrau deinem Instinkt und triff eine Entscheidung. Man kann auch zu viel über einen Namen nachdenken – letztendlich ist dein Name das, was du daraus machst.“

Hilfreiche Links für die Startup-Namensgebung

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Kommentare (14)

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Olaf Barheine

11. Rechtsform des Startups beachten! Nicht jede Unternehmensform erlaubt auch jede Namensgebung. Während man als GmbH alle Freiheiten genießt, unterliegen etwa Einzelunternehmer und Freiberufler doch gewissen Beschränkungen.

mindmeltic

Wollte nur mal kurz ein kompliment loswerden: eure Beiträge sind immer spitze! Gut zu lesen und sehr gut recherchiert. Vielen Dank!

DealCroco

Klasse Artikel. Finde die Einblicke in die Abläufe zur Namensfindung wirklich spannend. Allerdings macht allein der Name das UN auch nicht erfolgreich. Es greift schließlich alles ineinander.

Stephan Jäckel

Showstopper sind m.E. auch Begriffe, die in anderen Sprachen / Kulturen missverstanden werden könnten oder schwer / garnicht aussprechbar sind. Das gilt besonders in „der IT“, wo weitgehend globalisierte Märkte eine globale Kundenakquise erlauben.

Mark

Lieber Mikael, Glückwunsch zum gelungenen Rebranding! Für die nächste Namenssuche empfehle ich Dir unsere Namensmaschine NameRobot, wo Du alle Deine durchgeführten Schritte in einem Tool durchführen kannst. Dort gibt es nicht nur die besten Reime, sondern zig andere Tools zum Keyword- und Ideensammeln. Und per Knopfdruck, kannst Du Domains, Marken, Social Media, Suchmaschinen, App-Stors auf Verfügbarkeit durchsuchen…

kommentar

@Olaf Barheine Ihr Hinweis auf die Wahl der Rechtsform ist notwendig, allerdings unterliegen sowohl gewerbetreibende Einzelunternehmer, Freiberufler als auch Personen- und Kapitalgesellschaften gesetzlichen Informationspflichten. Die Rechtsform „GmbH“ genießt hier keinen Freischein. Ein Bsp. folgend mit Max Muster und dem Phantasiename „Aidexe“:

1) Freiberufler: „Aidexe“ Max Muster
2) GmbH: „Aidexe GmbH“ (vertretungsberechtigter Geschäftsführer Max Muster)
3) OHG: „Aidexe OHG“ Max Muster und Lax Muster
4) GbR: „Aidexe GbR“ Max Muster und Lax Muster

BenVergels

Zum ideenfinden und überprüfen finde ich Namerobot den coolsten Generator. http://www.namerobot.de

crobert

Das stimmt Namerobot finde ich auch super und hat mir schon einige male auf sehr gute Ideen gebracht. Danach check ich die Namen auf http://www.tulex.de denn hier findet die kostenlose Recherche nicht nur identsiche Marken sondern sogar leichte Abweichung. Ich habe noch keien kostenlose Recherche gefunden, die so weit geht.

Vanessa05

Vielen Dank für dieses Praxisbeispiel. Zeigt sehr deutlich, dass man die Namensfindung nicht überstürzen sollte. Feedback von Außenstehenden ist denke ich sehr wichtig, denn oft ist man selbst schon zu eingebunden, um noch „neutral“ entscheiden zu können. Ich finde die Idee sehr gut, bei einem Rebranding die Kunden gleich mit einzubeziehen, so erfolgt der Namenswechsel nicht von heute auf morgen, sondern in einem gemeinsamen Prozess.
Wer noch weitere Tipps zur Namensfindung sucht, wird hier vielleicht noch fündig: http://www.designenlassen.de/blog/2015/07/30/namensfindung-fuer-ihre-firma-das-muessen-sie-wissen/

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