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Telekom gibt Handydaten an Robert-Koch-Institut

Mobilfunkanlage der Deutschen Telekom. (Foto: Deutsche Telekom)

Anonymisierte Mobilfunkdaten werden wegen der Coronavirus-Krise von der Deutschen Telekom an das Robert-Koch-Institut übermittelt.

Die Deutsche Telekom hat Handydaten ihrer Nutzer in anonymisierter Form an das Robert-Koch-Institut (RKI) weitergegeben, um die Ausbreitung des Virus besser simulieren zu können. Einzelne Bürger – egal, ob infiziert oder nicht – sollen durch die Weitergabe der Handydaten nicht getrackt werden.

Dem Tagesspiegel Background Digitalisierung & KI (Bezahlschranke) erklärte eine Telekom-Sprecherin: „Damit lassen sich Bewegungsströme modellieren – bundesweit, auf Bundesland-Ebene sowie bis auf die Kreis-Gemeinde-Ebene heruntergebrochen.“

Die Daten liefern Informationen, wann ein Handy eine Verbindung aufbaute, und welcher Mobilfunkmast dafür verantwortlich war. Solche Daten verkaufte die Telekom anonymisiert bereits über ihr Startup Motionlogic, weil Bewegungsströme unter anderem für die Städteplanung nützlich sind. Die notwendigen Anonymisierungsmaßnahmen sind dem Unternehmen zufolge mit den Datenschutzbehörden abgestimmt.

Erste Datenpakete bereits übermittelt

Die Daten werden dem RKI von der Telekom kostenfrei übermittelt. Ein erstes Datenpaket mit fünf Gigabyte soll bereits übergeben worden sein. Weitere sollen laut Bericht folgen. In Österreich werden diese Daten vom Netzbetreiber A1 wegen der Coronakrise ebenfalls anonymisiert an die Regierung übermittelt. In Deutschland sollen Daten von 30 Personen zu einem Datensatz aggregiert werden, in Österreich sollen es Daten von mindestens 20 Personen sein.

RKI-Chef Lothar Wieler wollte Anfang März 2020 mögliche Kontaktpersonen eines Infizierten per Mobilfunkdaten ermitteln. Die Telekom bezeichnete solche Pläne als „Unfug“ und teilte auf Anfrage mit: „Das skizzierte (sehr theoretische) Szenario zu Funkzellenabfragen ergibt keinen Sinn, da dann alle Mobilfunknummern in der Funkzelle ausfindig gemacht werden müssten. Und auch dann wäre das Bild nicht vollständig, da die Kunden anderer Netzbetreiber sowie Personen ohne mobile Geräte fehlen würden.“ Am Dienstag bezeichnete Wieler es jedoch als „sinnhaftes Konzept“, über Handydaten die Kontakte von Infizierten zu rekonstruieren.

In Israel beschloss die Regierung, Mobilfunkdaten in den kommenden 30 Tagen zur Bekämpfung der Epidemie zu nutzen. So sollten potenziell Infizierte gewarnt werden. Zudem soll die Einhaltung von Quarantänemaßnahmen überwacht werden. Die Regierung nutzt zur Durchsetzung Anti-Terror-Gesetze.

Autor des Artikels ist Michael Linden.

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