Interview

Telekom-Geschäftsführer Hagen Rickmann: „Mittlerweile geht es bei uns auch ohne Krawatte“

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t3n.de: Die Telekom war lange ein Staatskonzern. Da ist es bekanntermaßen schwierig, bestehende Strukturen und Prozesse zu verändern …

Ich bin ja nun auch erst acht Jahre bei der Telekom. Man betritt das Unternehmen natürlich mit vorgefassten Meinungen. Fest steht: Wir beschäftigen eine Menge Menschen, die noch unter dem Staatskonzern gestartet sind. Allerdings kann man hier auch eine Menge Überraschungen erleben. Es kommt schon vor, dass man über einen Mitarbeiter ziemlich spät erst erfährt, dass er beurlaubter Beamter ist, gerade weil man ihn über Jahre hinweg für einen „Unternehmer pur“ gehalten hat. Mit bestimmten Vorurteilen sollte man also aufräumen. In allen Unternehmen gibt es aber auch Mitarbeiter, die eher auf der Bremse stehen.

t3n.de: Wo genau blockieren sie den Betrieb?

Manchmal ist die Geschwindigkeit unzureichend. Außerdem geht es darum, sich etwas zuzutrauen, auch einmal einen Fehler zuzulassen. In einer früheren Behörde wird das manchmal noch als Vergehen angesehen. Im Staatskonzern ging es ja eben darum, möglichst nicht aus dem eigenen Zuständigkeitsbereich auszubrechen. Genau das ist es aber, was wir bei der modernen Telekom brauchen. Startup-Kultur in einem Unternehmen zu verankern, in dem perfektes Funktionieren ganz entscheidend war, ist manchmal eine Herausforderung.

t3n.de: Wenn Sie von Ihrer Krawatte reden, die sie hin und wieder mal ablegen, sind Sie zwar nicht immer ganz frei von Ironie, aber: Kann es sinnvoll sein, den Binder hin und wieder wegzulassen?

Ja.

t3n.de: Tun Sie das häufiger?

Ja. Wenn ich ganz wichtige Kundentermine habe, dann binde ich sie mir im Zweifel eher um. Ich gucke auch hin, wer da kommt. Erscheint der Kunde mit Krawatte und erwartet das auch von seinem Gegenüber, dann stellt sich die Frage nicht. Denn ich möchte Respekt entgegenbringen. Ganz davon abgesehen macht es ja auch manchmal Spaß, eine schicke Krawatte zu tragen. Das ist auch ein Wohlfühlfaktor.

t3n.de: Aber es geht nicht nur um Respekt, oder? Sie möchten sich als Chef eines Konzerns ja auch selbst darstellen …

Es ist wichtig, Zeichen zu setzen, auch in einer Organisation wie der Telekom. Wer die Krawatte abnimmt, sei offener und leichter zugänglich, ist leider eine häufige Interpretation. Und deswegen geht es bei uns mittlerweile auch ohne Krawatte. Das handhabt unser Vorstandsvorsitzender Tim Höttges so, und auch ich. Aber ich sage nicht: Jetzt muss jeder im Konzern die Krawatte wegnehmen, und das ist dann unsere Kulturrevolution, die hier stattfindet. Manchmal sagt man ja auch: „Mensch, das sieht cool aus! Der hat sich heute in den besten Anzug geschmissen, moderne Krawatte – und ist trotzdem gut drauf!“ Mit diesen Grenzen lässt sich gut spielen. Das macht mir persönlich Spaß. Und das ist es, was wir in der Telekom gerade einführen.

t3n.de: Mal zu den Sachthemen: Beim Thema Kundenkontakt ist ja noch Luft nach oben.

Ja.

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Ein Kommentar
Bulls Hit
Bulls Hit

„Start-up Kultur“ jetzt auch bei der Telekom – zumal manchmal (also wenn der Kunde auch keine trägt) ohne Krawatte! Da lässt man das Angebot von Google & Co. doch gerne sausen. Ja, reflektiert denn dort niemand?

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