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Analyse

Twitter räumt auf: So viele Follower haben deutsche Netz-Promis verloren

Twitter. (Foto: dpa)

Donald Trump hatte letzte Woche auf einen Schlag gut 300.000 Twitter-Follower weniger. Warum ihn das nicht stören muss und wie es Özil, Böhmermann, Weidel und Gottschalk ergangen ist.

Es war eine dieser Aufräumaktionen, vor denen Social-Media-Berater oftmals Angst haben – und bei denen sich Internetaktivisten dafür interessieren, ob die Veränderungen vielleicht Fake-Accounts oder andere Ungereimtheiten ans Licht bringen. Twitter hatte in der vergangenen Woche angekündigt, gesperrte Accounts und zahlreiche Bots und Fake-Profile aus den Followerzahlen der Nutzer zu bereinigen. Das soziale Netzwerk will so erreichen, dass sowohl die Nutzer als auch die Werbewirtschaft nicht durch verfälschte Zahlen getäuscht werden.

Insgesamt geht es dabei um rund sechs Prozent der Twitter-Konten, wobei der Dienst nicht zum ersten Mal gegen gefälschte Profile vorgeht. Für die meisten Nutzer ist das eher marginal, gerade kleinere Accounts haben meist nur eine ein- oder zweistellige Zahl an Followern eingebüßt, doch für einige große Accounts ist diese Bereinigung der Zahlen umfangreicher.

Unterm Strich waren es daher große Accounts, bei denen Einschnitte auffallen. Vorneweg der Account von Twitter selbst. Der wurde um ganze 7,8 Millionen Follower verkleinert und weist jetzt noch 55 Millionen Follower auf. Es ist allerdings nicht so, dass große Accounts generell einen bestimmten Prozentsatz an Followern durch die Aktion verloren haben. So berichten Social-Media-Berater, dass es etliche großen Unternehmens-Profile gibt, bei denen sich letzte Woche kaum etwas verändert hat.

Umgekehrt gilt: Bei einigen Twitter-Konten, denen man zunächst nicht unterstellen würde, dass sie für Reichweite bezahlen, sind die Zahlen dagegen teilweise um ein bis zwei Prozent eingebrochen – ein klares Muster lässt sich also nicht ausmachen.

Die Stars bei Twitter haben ähnlich stark gelitten

Wenn wir unter die Top-Twitterer schauen, sieht das Bild erstaunlich einheitlich aus: Katy Perry verlor 2,8 Millionen Follower (bei rund 106 Millionen), Justin Bieber 2,6 Millionen Follower (bei rund 104 Millionen), Barack Obama 2,3 Millionen Follower (seiner rund 101 Millionen). Besonders misstrauisch war von vielen der Account des amerikanischen Präsidenten Donald Trump beäugt worden und auch verschiedene Medien haben über Veränderungen in seinem Account berichtet. Seine Zahlen brachen um rund 326.000 Follower ein. Angesichts der Tatsache, dass der amerikanische Präsident aber im Schnitt innerhalb eines Monats mehr als 300.000 neue Follower gewinnt und über 53 Millionen Follower hat, dürfte das nicht wirklich ins Gewicht fallen – und auch nicht darauf hindeuten, dass es hier Ungereimtheiten gibt (zumindest nicht für den zuletzt betrachteten Zeitraum).

Schauen wir in die deutschen Top 10, ist das Bild ähnlich: Durch die Aufräumaktion bei Twitter hat Mesut Özil 260.000 von gut 23,1 Mio. Followern eingebüßt, Toni Kroos 57.000 bei 7,1 Millionen Followern, Bastian Schweinsteiger 47.000 Follower bei gut 5 Millionen. Andere Accounts, etwa der von Jan Böhmermann, haben prozentual weniger Nutzer eingebüßt (12.000 von gut 2 Millionen), ebenso die Influencerin Dagibee (15.000 von gut 2 Millionen).

Einige Nutzer haben aber deutlich mehr verloren ...

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3 Reaktionen
Sascha Lobo

Das ist schon unangenehm unredlich, hier anhand einer angeblichen 1%-Grenze implizit Follower-Kauf anzudeuten.

Es zeugt übrigens auch von einer gewissen Unkenntnis der Materie, denn Twitter hat seit langer Zeit (2010/2011) ein Vorschlagswesen. Das heißt: Jedem Neu-Account werden ein paar Vorschläge gemacht, wem man folgen könnte. Dieses Vorschlagswesen hat sich über die Zeit sehr oft verändert und eine messbare Auswirkung auf die Zusammensetzung der Followerschaft gehabt. Die Vorschläge sind der Hauptgrund dafür, dass bestimmte Accounts häufiger von Bots/Fakes/Massenaccounts verfolgt werden. Und zwar oft um so mehr, je älter der Account ist.

In diesen Vorschlägen für Deutschland war (und bin) ich von Anfang an drin. Sie haben sich allerdings seit 2011 sehr deutlich aufgespreizt, das bedeutet, es sind viel, viel mehr Accounts unter den halbautomatisiert erstellten Vorschlägen (Twitter-Mitarbeiter konnten die Accounts für die einzelnen Länder in eine Vorschlagsliste eintragen).

Eine gewisse Zeit lang hat Twitter auch damit experimentiert, die Vorschläge qualitätsgesteuert zu ergänzen, das bedeutete: Wenn man einen sehr guten Tweet (viele Favs und Retweets) landete, kam man temporär in die Vorschläge. Daraus entwickelte sich 2011/2012 eine Art Rennen unter Teilen der Twitter-Community, denn ein Supertweet konnte durchaus ein paar hundert Neu-Follower bringen.

Wenn man heute in diesen Vorschlägen drin ist, bekommt man fast von allein jeden Tag zwischen 100 und 500 Follower dazu, sogar dann, wenn man so wenig twittert wie ich (ca. 3 Tweets im Monat). Das sind die Werte allein für Deutschland, die Vorschläge variieren natürlich je nach Sprache/Land. 

Allerdings zählen zu diesem Follower-Zuwachs eben auch Bots und Fakes, denn die folgen meist den Vorschlägen, um weniger verdächtig zu sein. 2011/2012 gab es sogar mal einen Zeitraum, wo die zu verfolgenden Accounts vorausgewählt waren, quasi opt-out statt opt-in.

Dieses Verfahren hat Twitter immer mal wieder verändert und optimiert, und zwar auch, weil die Unternehmensstrategie entsprechend aufgestellt wurde. Spätestens ab 2012 wollte Twitter Stars gezielt anlocken, mit dem Schwerpunkt Sport (damals hat Twitter auch viel Geld in TV-Aquisitionen gesteckt).

Aber damit so ein veritabler Star samt Management überhaupt seine eigene Irrsinnsrelevanz auf Twitter spürt und nicht beleidigt wieder abrauscht, braucht er in ein paar Tagen sehr viele Follower. 

Dieses Problem hat Twitter auf eigene Weise gelöst, nämlich durch das Vorschlagssystem und die immer wieder veränderten Mechanismen, wie man Neu-Twitterer dazu bekommt, möglichst vielen Leuten zu folgen. Dieses System ebnete aber zugleich Bots und Fake-Accounts den Weg, weil dadurch eine Art simple Vorkonfektionierung ohne größeres Zutun und Nachdenken möglich wurde und sehr schwer erkennbar war, ob das nur ein interessierter Anfänger war oder ein Bot/Fake-Account.

Es gibt daher eine Reihe von teilweise auch schon älteren Berechnungen bzw. Abschätzungen, nach denen bis zu 40% der Follower großer Accounts auf Bots, Fakes und Massenanmeldungen zurückgehen könnten – ganz ohne, dass man irgendetwas dafür getan haben müsste.

Eine Studie der University of California aus dem März 2017 kommt auf bis zu 15% ( Quelle: https://arxiv.org/pdf/1703.03107.pdf ) – einer solchen Studie schenke ich deutlich mehr Vertrauen als sphärischen Behauptungen, eine 1% oder 2%-Marke sei Indiz für irgendwas (ich habe niemals Follower gekauft).

Diese wissenschaftlich abgeschätzte 15%-Marke wurde zudem lange nach den ersten großen Löschwellen von Twitter berechnet, denn das Twitter-Spam-Problem samt Bot/Fake-Followern ist sehr, sehr alt. Im Umfeld des Obama-Wahlkampfs 2008 wurde es erstmals größer diskutiert, zum Beispiel auf dem Twitter-Blog: https://blog.twitter.com/official/en_us/a/2008/turning-up-the-heat-on-spam.html (dieser verlinkte Artikel ist von August 2008 und handelt unter anderem von der Einstellung des ersten "Spam Marshal" bei Twitter).

Und das ist die große Behauptungslücke in diesem Artikel – ältere Accounts haben tendenziell mehr nicht-Personale Follower (die Grenze zwischen inaktiven und Fake-Follower verschwimmt leicht). 2009 bis 2011 gab es auch in Deutschland regelmäßig große Twitter-Spam-Attacken, und die sind keineswegs später alle bereinigt worden. Schon weil Twitter zu Anfang die Mittel und die Intelligenz fehlten, um diese Accounts mit der merkwürdigen Sprache "deutsch" richtig einschätzen zu können, wie Katie Stanton (damals Vice President von Twitter) 2012 erzählte.

Das geheuchelte Halbverständnis für irgendwelche "übereifrigen Social-Media-Agenturen" ist fehl am Platz, wenn man diese Hintergründe nicht kennt. Denn das sind ja alles keine Geheimnisse, das ist leicht recherchierbar. Da jetzt "mehr als 1% ist auffällig" zu behaupten, zeugt deshalb von viel voreingenommener Vermutungfreude und wenig Wissenswunsch.

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Tobias Weidemann

Nein, Thomas, da sind wir wohl einfach in den Zahlen verrutscht (oder es ist zu heiß hier). Er hat 23,1 Mio. Follower, von denen rund 260.000 "faule" Acoounts waren. Also alles in diesem 1-Prozent-Bereich, der bei solch großen Accounts nicht ungewöhnlich ist. Danke für den Hinweis - die Werte wurden korrigiert (und sollten demnächst auch in der Mobilansicht korrekt sichtbar sein).

Antworten
Thomas

Özil hat laut euren Zahlen knapp 10 Prozent eingebüßt?!
Sind das falsche Zahlen oder wieso wurde darauf nicht näher eingegangen?

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