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So arbeitet ein ukrainisches SEO-Unternehmen während des Krieges

Viele ukrainische Unternehmen führen dem Krieg zum Trotz ihre Geschäfte weiter. Wie das konkret aussehen kann, erzählen die Mitarbeitenden von Serpstat.

Von Daria Ahieieva
5 Min.
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(Foto: Alexey Fedorenko / shutterstock)

Während und nach der Corona-Zeit haben wir uns daran gewöhnt, remote zu arbeiten. Wir haben gelernt, wie man besser kommuniziert und Arbeitsabläufe organisiert. Genau jetzt, weniger als zwei Jahre nach dem Corona-Beginn, stehen wir als ukrainisches Unternehmen vor einer weiteren furchtbaren Herausforderung. Und wieder müssen wir uns erneut an die neuen Lebensbedingungen anpassen.

Was sich seit Kriegsbeginn für unser Team verändert hat

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Russlands Krieg in der Ukraine hat unser Leben und die Arbeitsabläufe in unserem Unternehmen in vielerlei Hinsicht verändert. Wie viele andere Ukrainer arbeiten auch unsere Kollegen trotz der zahlreichen Luftalarme weiter. Einige unserer Mitarbeiter schlossen sich den ukrainischen Streitkräften an. Andere wiederum engagieren sich ehrenamtlich, helfen bei der Koordination von Freiwilligen oder arbeiten in der Informationsbranche, um die Wahrheit über den Krieg in der Ukraine zu verbreiten.

Derzeit konzentriert sich das Team auf folgende Aufgaben:

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  • finanzielle Unterstützung der Streitkräfte
  • Freiwilligeninitiativen
  • Konfrontation mit Russland im Informationsbereich
  • Aufrechterhaltung der Rentabilität des Unternehmens
  • Sicherung von Arbeitsplätzen in Kriegszeiten
  • Unterstützung der ukrainischen Wirtschaft

Unser Blog-Redakteur, Taras Prystatskyy, hat eine freiwillige Initiative für Journalisten gegründet und kämpft gegen Russland im Informationsbereich. Denn es ist wichtig, während des Krieges das wahre Bild in den Medien zu zeigen. Er sagt: „Ukrainian Volunteer Journalist Initiative (UVJI) kooperiert mit europäischen und US-Journalisten im Informationsbereich. Freiwillige Redakteure sammeln, verifizieren und übersetzen sämtliche Nachrichten für Medien, damit die Welt die reale Situation in der Ukraine sieht. UVJI hat bereits Hunderte von Medienberichten in den USA und in Europa platziert und Millionen von Lesern erreicht.“

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„Wir schlafen vier bis fünf Stunden am Tag, aber alle sind sehr motiviert. Ich kenne Leute, die in Charkiw aus Luftschutzbunkern arbeiten, also habe ich kein Recht, mich zu beschweren.“

Taras Prystatskyy.

Sicherheit und emotionale Stabilität sind wichtiger als Arbeitsabläufe

Die Sicherheit unserer Mitarbeiter hat für uns oberste Priorität. In den ersten Kriegstagen haben wir unsere Mitarbeiter aus Kiew, Charkiw und anderen unter russischem Beschuss stehenden Städten in sicherere Regionen evakuiert.

Jetzt behalten wir die Lebensbedingungen unserer Mitarbeiter im Blick und sind stets bereit, beim Umzug zu helfen. Außerdem aktualisieren wir ständig unsere internen Datenbanken zu Freiwilligenzentren im Ausland, Mietwohnungen in der Ukraine und anderen Ländern. Wir moderieren auch lokale Chats für unsere Mitarbeiter, die umziehen mussten und jetzt in denselben Städten oder Ländern wohnen.

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Neben der persönlichen Sicherheit versuchen wir auch die finanzielle Stabilität unserer Mitarbeiter zu sichern. Aus diesem Grund haben wir damit begonnen, Gehälter im Voraus zu bezahlen. Serpstat-CEO Ekaterina Kabakova erklärt:

„Wir haben einige Arbeitsabläufe vereinfacht, um das Team in der neuen Umgebung zu organisieren. Darüber hinaus führen wir für unsere Mitarbeiter täglich virtuelle Support-Meetings mit einem zertifizierten Psychologen durch. Die Anwesenheit ist optional. Mitarbeiter nehmen teil, wenn sie das Bedürfnis dazu haben. In diesem Teilnehmerkreis hat jeder die Möglichkeit, seine Erfahrungen auszutauschen und sich fachkundig beraten zu lassen.“

Ekaterina Kabakova.

Weltweit bekannte Brands und ukrainische Unternehmen verlassen den russischen Markt

Der Krieg hat unsere gewohnten Geschäftsprozesse verändert und wir mussten sofortige Entscheidungen treffen. Eine der wichtigsten Entscheidungen, die wir umgehend beschlossen haben, war die Blockierung unserer russischen Nutzer. Als ukrainisches Unternehmen konnten wir keine weiteren Geschäfte mit dem Land führen, das mit Flugzeugen und Raketen unsere Städte zerstört und Mitmenschen tötet. Damit ist Serpstat eines der ersten ukrainischen SaaS-Unternehmen geworden, das Nutzer aus Russland – trotz der wirtschaftlichen Folgen – blockierte.

Serpstat hat auch einen beträchtlichen Teil der Einnahmen unserer ukrainischen Kunden verloren. Ukrainische Unternehmen haben jetzt zahlreiche andere Probleme. Daher ist es für uns wichtig, nicht nur in dieser neuen Realität weiterzuarbeiten, sondern auch anderen dabei zu helfen, sich finanziell über Wasser zu halten und die Wirtschaft der Ukraine zu unterstützen. „Serpstat als SEO-Plattform startet ein Unterstützungsprogramm für Kunden aus der Ukraine, um die ukrainische Wirtschaft am Laufen zu halten. Damit wollen wir die Basis für die Unterstützung zahlreicher anderer ukrainischer Unternehmen schaffen. Außerdem plant der Gründer von Serpstat, Oleg Salamacha, nach dem Sieg eine Reihe von Vorträgen zu halten und einen Kurs für Ukrainer zu starten, um neue Geschäftsmodelle mithilfe von Suchmaschinen zu entwickeln“, erklärt Ekaterina Kabakova.

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Arbeitsabläufe und Entwicklungsstrategien anpassen

Um unser Produkt weiterzuentwickeln, haben wir einige Änderungen im Arbeitsablauf des dafür verantwortlichen Teams vorgenommen: „Der Krieg hat die Tagesordnung unserer Mitarbeiter stark beeinflusst. Deshalb haben wir flexible Arbeitszeiten für alle eingeführt. Es gibt lediglich ein obligatorisches tägliches Team-Meeting mit fixer Uhrzeit. Ansonsten bestimmen unsere Mitarbeiter ihre Arbeitszeit selbst. Die Jungs arbeiten in Zeiten häufiger Alarme in Luftschutzbunkern. Einige konnten nicht evakuiert werden und arbeiten dennoch von den besetzten Städten aus, wo der Internetzugang noch erhalten geblieben ist“, erklärt Serpstat-CTO Vitaly Maslyaninov.

Vitaly Maslyaninov.

„Wir haben einige Punkte der internen Kommunikation innerhalb des Produkt-Teams entfernt, da sie die Entscheidungskette erschwerten. Um Abhängigkeiten zu reduzieren, kann und darf jeder möglichst autonom Entscheidungen treffen. Wenn man warten muss, entscheidet man selbst“, ergänzt CPO Alex Danilin.

Alex Danilin.

Alle Aufgaben, die uns langfristig Ergebnisse bringen würden, haben wir aufgeschoben. Jetzt konzentrieren wir uns auf die Aufgaben, die kurzfristige Ergebnisse bringen. Wir setzen unsere Produkthypothesen schneller um, testen sie und erzeugen damit den maximalen Nutzen für unsere Kunden.

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Dabei kam es aber auch zu unerwarteten Ereignissen: Die Verbindung zwischen ukrainischen und russischen Segmenten des Internets ging verloren. Das war unerwartet für uns und wir waren nicht darauf vorbereitet. Eine große Anzahl von Websites ist aus verschiedenen Gründen unzugänglich geworden. Einige sind auf die Beschädigung von Kommunikationskanälen und zerstörte Rechenzentren zurückzuführen. Einige Websites stehen nach wie vor unter DDoS-Attacken. Wir mussten dringend die Scheduler unserer Crawler ändern. Daher sammeln wir jetzt vorübergehend keine Daten von Domains auf russischen Webservern.

Mittlerweile haben wir alle dringenden Aufgaben umgesetzt, damit unsere Plattform weiterhin reibungslos funktioniert. Es ist daher Zeit, unsere Pläne für eine neue Entwicklung anzupassen. Wir haben uns dazu entschieden, uns auf kleinere Features zu konzentrieren, die für unsere Nutzer bereits nach kurzer Zeit Ergebnisse bringen können.

Eines unserer Features ist ein Tool, das die beliebtesten Suchanfragen von Suchmaschinen sammelt und anzeigt. Wir haben dieses Tool verwendet, um nach der russischen Invasion in der Ukraine zu recherchieren, wie sich Trend-Keywords in verschiedenen Ländern verändert haben.

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Wie geht es weiter?

Einige unserer Entwickler haben sich den ukrainischen Streitkräften angeschlossen. Wir haben ihre Aufgaben zwischen den verbliebenen Mitarbeitern aufgeteilt. Jeder von uns arbeitet jetzt mit aller Kraft. Und jeder von uns glaubt daran, dass jede geschriebene Codezeile und jedes Feature unseren schnellen Sieg einen Schritt näherbringen.

Dieser Krieg ist für uns zu einem schweren Schlag geworden und hat alles auf den Kopf gestellt. In dieser neuen Realität müssen wir nun noch härter arbeiten. Wir tun weiterhin unser Bestes, um unseren Mitarbeitern und Kunden zu helfen, die Wirtschaft des Landes zu unterstützen und zu unserem Sieg beizutragen.

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