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Fakten zur Mobilität: Warum Deutschland nicht vorankommt

Trotz guten Willens kommt die Verkehrswende hierzulande nicht voran. (Bild: dpa)

Über Mobilität der Zukunft wird ständig gestritten. Neben Ideologie geht es manchmal auch um Fakten. Die liefert jetzt das Umweltbundesamt. Und nimmt Deutschland mobilitätstechnisch auseinander.

Wer die Veränderung der Mobilitätsgewohnheiten der Bundesbürger messen will, muss das Wort „Personenverkehrsaufwand“ kennen. Hierbei handelt es sich um das Produkt aus Personenzahl und zurückgelegter Wegstrecke. Die schlechte Nachricht ist, dass noch immer fast 80 Prozent ebendieses Personenverkehrsaufwands von Pkw und motorisierten Kleinrädern verursacht wird.

Der Schienenverkehr, den das Bundesvekehrsministerium unter Andreas Scheuer seit geraumer Zeit attraktiver machen will, kommt nur auf acht Prozent, der öffentliche Straßenpersonenverkehr auf 6,8 Prozent, und der Luftverkehr auf 5,6 Prozent.

Das Umweltbundesamt, das die Mobilität privater Haushalte genauer untersucht hat, stellt fest, dass sich die genannten Verkehrsarten in den vergangenen Jahren „sehr unterschiedlich entwickelt“ hätten.

Eisenbahnverkehr gewachsen

Der Eisenbahnverkehr sei zwischen 2010 und 2017 immerhin um 14,2 Prozent gewachsen. Dieser Anstieg sei vor allem dem Schienennahverkehr zuzurechnen, heißt es. Der Verkehrsaufwand im Bereich des Fernverkehrs habe hingegen nur leicht zugenommen. Der öffentliche Straßenpersonenverkehr ist zwischen 2010 und 2017 um 4,2 Prozent gestiegen, der motorisierte Individualverkehr ist trotz seines hohen Niveaus ebenfalls weiter angestiegen. Der Luftverkehr hingegen ist innerhalb dieser sieben Jahre um ganze 27,8 Prozent gestiegen. Das sei hauptsächlich auf das starke Wachstum des internationalen Flugverkehrs zurückzuführen, heißt es vom Umweltbundesamt.

Der Motorisierungsgrad habe in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten stetig zugenommen, schreibt die Behörde. Ausgehend vom Jahr 2000 hat sich die Kennzahl um etwa 12,8 Prozent erhöht. „Besonders umweltrelevant“ sei in den vergangenen Jahren der starke Zuwachs bei den Dieselfahrzeugen gewesen, sagt das Umweltbundesamt. Zwischen 2008 und 2017 sei die Zahl der Diesel-Pkw um über 50 Prozent gestiegen. 2017 sei fast jeder zweite neuzugelassene Personenkraftwagen ein Diesel gewesen, heißt es.

77,4 Prozent der privaten Haushalte hätten Anfang 2018 über mindestens einen Pkw gehabt, besagt die Statistik. Immerhin in jedem vierten Haushalt sind zwei oder mehr Autos vorhanden. Das Umweltbundesamt verweist darauf, dass ein hoher Motorisierungsgrad nicht zwangsläufig bedeute, dass alle Menschen sehr mobil seien und ihre Ziele gut erreichten. Umgekehrt erfordere Mobilität und Erreichbarkeit oftmals keinen hohen Motorisierungsgrad. So sei der Motorisierungsgrad in Städten allgemein niedriger, da dort Ziele auch gut zu Fuß, per Rad und mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sind.

Klimasünder Urlaubs- und Freizeitverkehr

Der sogenannte Urlaubs- und Freizeitverkehr hat im Jahr 2016 mit 40,1 Prozent den größten Anteil am Verkehrsaufwand im motorisierten Individualverkehr (Personenkraftwagen und motorisierte Zweiräder gehabt). Dann ist mit 36,7 Prozent der sogenannte arbeitsbezogene Verkehr gefolgt, das heißt der Berufs- und Ausbildungs- sowie der Geschäftsverkehr.

Pkw und Motorrad sind im Jahr 2016 die beliebtesten Fortbewegungsmittel für Urlaub und Freizeit gewesen. Darauf folgen Eisenbahnverkehr, Luftverkehr und öffentlicher Straßenpersonenverkehr. Pkw- und Luftverkehr haben demnach einen hohen Stellenwert im Urlaubs- und Freizeitverkehr, sind aber auch die Verkehrsmittel mit den höchsten Treibhausgas-Emissionen pro Personenkilometer.

Motorisierter Individualverkehr (Grafik: Bundesverkehrsministerium)

Motorisierter Individualverkehr. (Grafik: Bundesverkehrsministerium)

Die Fahrleistungen der privaten Haushalte mit Personenkraftwagen sind laut Umweltbundesamt von 2005 bis 2017 um 7,8 Prozent angestiegen. Interessant ist diesbezüglich, dass sich die Fahrleistungen bei Benzin-Pkw und Dieselfahrzeugen gegenläufig entwickelt haben. Bei den Benzinern seien die jährlichen Fahrleistungen um 15,2 Prozent gesunken, besagt die Statistik. Bei Dieselfahrzeuge hingegen haben sie um ganze 75,1 Prozent zugenommen. Das Umweltbundesamt vermutet, dass gerade die „Vielfahrenden“ aus Kostengründen auf Diesel-Pkw umgestiegen seien.

Fernverkehr: Flixbus toppt Bahn

Der Kraftstoffverbrauch der privaten Haushalte hat zwischen 2005 und 2017 nur um 1,1 Prozent abgenommen. Ausschlaggebend seien dabei der Rückgang des Durchschnittsverbrauchs je Kilometer und vor allem die Verschiebung des Pkw-Bestandes hin zu verbrauchsgünstigeren Dieselfahrzeugen, heißt es.

Dass unterschiedliche Verkehrsmittel unterschiedliche Energieverbräuche haben und demzufolge unterschiedliche Mengen an Treibhausgas-Emissionen verursachen, ist nichts Neues. Im Hinblick auf die Konkurrenz von Fernbus und Bahn ist allerdings interessant, dass je Personenkilometer im Fernverkehr 2017 die Reisebusse am wenigsten Treibhausgase verursacht haben.

VW: Der Elektro-Bulli I.D. Buzz
VW I.D. Buzz. (Bild:Volkswagen)

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Sie werden zum Beispiel bei Klassen- und Vereinsfahrten, oder eben als Fernlinienbusse eingesetzt. Im Eisenbahnfernverkehr, der zum größten Teil von der Deutschen Bahn organisiert wird, seien die Treibhausgas-Emissionen leicht höher als bei den Reisebussen gewesen, meldet das Umweltbundesamt.

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