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Digitale Wirtschaft

Was verdient ein Musiker bei Spotify?

(Foto: SCA Svenska Cellulosa Aktiebolaget  / flickr.com, Lizenz: CC-BY)

Habt ihr euch schon mal gefragt, wie viel ein Künstler jedes Mal bekommt, wenn ihr einen seiner Songs auf einem Dienst wie Spotify anklickt? Der schwedische Musik-Streaming-Anbieter hat nun angesichts der Debatte, ob Musiker und Rechteinhaber ihren fairen Anteil an dem Geschäftsmodell erhalten, einige Antworten gegeben.

Unter anderem erfahren wir so, dass jedes Mal, wenn sich ein Nutzer einen Song anhört, der Rechteinhaber zwischen 0,6 und 0,84 Cent bekommt. Im Verlauf des Jahres 2013 wird die Spotify Ltd so 500 Millionen Dollar für Lizenzzahlungen aufgewendet haben. Das ist die Hälfte der Milliarde Dollar, die seit dem Start 2008 insgesamt geflossen ist.

Die Statistiken wurden im Rahmen einer neuen Website für Spotify-Künstler veröffentlicht. Dort können sich die Rechteinhaber analytischer Instrumente bedienen, um ihr Abschneiden auf der Streaming-Plattform zu prüfen.

Spotify ist ein dominierender Anbieter

Einige große Namen, darunter Led Zeppelin, meiden Spotify.
Einige große Namen, darunter Led Zeppelin, meiden Spotify.

Spotify ist im wachsenden Streaming-Markt der dominierende Anbieter, der Umsatz hat sich 2012 auf 590 Millionen Dollar mehr als verdoppelt. Die Nutzerbasis ist auf mehr als 24 Millionen angeschwollen, mindestens sechs Millionen sind zahlende Kunden.

Im Zuge des kräftigen Wachstums stellt sich aber auch die Frage, wie die Musiker davon profitieren können. Im Sommer wurde das heiß diskutiert, als Musiker wie Thom Yorke von Radiohead wegen unfairer Zahlungspraktiken zum Boykott des Dienstes aufriefen. Teile der Musik von Yorke wurden danach von der Plattform genommen, obwohl die Stücke von Radiohead weiter verfügbar waren.

Einige große Namen, darunter Led Zeppelin, meiden Spotify. Aber ein großer Teil der weltweiten Musikbranche hat entsprechende Verträge unterzeichnet. Der Dienst hat mehr als 20 Millionen Songs in seinem Katalog, auf den die Nutzer aus 32 Ländern zugreifen können.

Spotify-Mitgründer Daniel Ek sagte diesen Sommer in einem Interview, dass ihn die Klagen der Künstler „betrüben“ würden, aber dass das Unternehmen versuche, eine kleine Revolution einzuläuten. Der Schritt von physischen Tonträgern hin zu digitaler Musik sei „der größte Wandel in der Branche seit der Erfindung der Aufzeichnung von Musik“. Spotify verkaufe den Zugang, nicht die Eigentumsrechte an den Stücken, fügte er hinzu.

Künstler muss Zahl der Streams maximieren

„Für den Künstler sollte im Mittelpunkt stehen, wie er die Zahl seiner Streams maximieren kann. Das wäre für ihn langfristig besser“, erklärte er den Nutzen für die Musiker. Das sei für die Leute aber schwer zu verstehen. „Alles, was sie sehen, sind Millionen von Streams, aber am Ende stehen keine Millionen von Dollars, sondern nur Tausende von Dollars. Sie glauben jedoch, eine Million Streams seien dasselbe wie eine Million Downloads, und das ist offensichtlich nicht der Fall.“

Vergangenes Jahr beklagte sich die Band Grizzly Bear aus Brooklyn via Twitter. Sie hätten für 10.000 Streams ihrer Songs nur 10 Dollar bekommen. Laut den nun veröffentlichten Statistiken von Spotify wären für 10.000 Streams 60 bis 84 Dollar fällig.

Die Daten von Spotify legen nahe, dass mit großen Hits Geld zu verdienen ist. Ein nicht näher genanntes „weltweites Hitalbum“ habe auf Spotify im Juli einen Umsatz von 425.000 Dollar gemacht, während ein Top-10-Album 145.000 Dollar generierte.

Das Unternehmen verwies zudem auf einen ungenannten „Weltstar“, an den im vergangenen Jahr drei Millionen Dollar an Lizenzzahlungen geflossen seien, 2014 werde das Doppelte erwartet. Dieser Künstler sei dabei nicht der am meisten aufgerufene Musiker. Andere Stars hätten 2013 mehr als drei Millionen Dollar kassiert.

10 Dollar im Monat für unbegrenzten Musikkonsum

Spotify verdient etwa 41 Dollar im Jahr pro Nutzer.

Der Streaming-Dienst kann von den Hörern kostenlos in Anspruch genommen worden, sie müssen aber Werbung und eine begrenzte Abspielzeit in Kauf nehmen. Für etwa zehn Dollar im Monat können die Nutzer Musik unbegrenzt streamen, zum Beispiel über Smartphones.

Zahlende und nicht zahlende Kunden zusammengenommen erzielt Spotify nach eigenen Angaben etwa 41 Dollar pro Nutzer. Das seien mehr als die 25 Dollar, die der durchschnittliche US-Erwachsene jedes Jahr für Musik ausgibt.

Spotify macht aber noch keinen Gewinn. Tatsächlich wächst der Verlust, letztes Jahr betrug er fast 80 Millionen Dollar. Etwa 70 Prozent der Einnahmen fließen direkt an die Rechteinhaber, teilte das Unternehmen mit.

Das setzt einer Erhöhung der Lizenzzahlungen enge Grenzen, wenn das Unternehmen flüssig bleiben will. Im November kamen 250 Millionen Dollar an neuen Investments herein, das Unternehmen wird mittlerweile mit über vier Milliarden Dollar bewertet. Wenn Spotify eines Tages an die Börse will, könnten sich die potenziellen Anteilseigner an den großen Verlusten stören, die mit dem derzeitigen Geschäftsmodell einhergehen.

Eine Million Zugriffe bedeuten 6.000 bis 8.400 Dollar

Spotify sagt aber, dass seine Dienstleistungen den Rechteinhabern mehr Geld zugestehen als alternative digitale Musikdienste. Eine Million Zugriffe bedeuteten 6.000 bis 8.400 Dollar, bei Streams auf dem Videoportal Youtube sind es laut Spotify rund 3.000 Dollar und bei Radiostreaming-Diensten wie dem von Pandora 1.300 bis 1.500 Dollar.

Im Vergleich zur Google-Tochter Youtube mit einer Milliarde Nutzern und dem Apple-Dienst iTunes mit 600 Millionen Usern ist Spotify aber relativ klein.

„Wenn Spotify auch nur zu einem Bruchteil der Größe dieser Dienste heranwächst, zum Beispiel 140 Millionen Nutzer insgesamt und 40 Millionen zahlende Kunden, werden wir unsere gesamten Auszahlungen um das Fünffache erhöhen“, teilte das Unternehmen mit.

Pandora war für einen Kommentar für die Spotify-Lizenzraten unmittelbar nicht zu erreichen.

Eine Sprecherin von Youtube sagte: „Aufgrund der Komplexität des Algorithmus, der entscheidet, welche Werbung bei welchem Video läuft, ist es unmöglich, einem Youtube-Abruf direkt einen bestimmten Geldbetrag zuzuweisen.“

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Von Sven Grundberg

Ursprünglich publiziert bei wsj.de.

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7 Reaktionen
Micha

Also ich weiss nicht, woher die Zahlen genau stammen aber der letzte Kommentar mit den 0,006 liegt eigentlich viel näher dran.
Die Abrechnungen, die wir kennen sowie auch von vielen anderen Künstlern und Label liegen bei 0,002 Cent, dass sich da die Künstler nicht drüber freuen, ist irgendwo klar. An einem Beispiel, welches vor zwei Jahren auch durch die Medien ging, hatte Lady Gaga 1 Mio Streams, was nach diesem Bericht ab 6000 Dollar sein sollten, gewesen sind es aber knapp 500 Dollar.

Wenn wirklich 0,6 Cent gezahlt werden würden, dann wäre keine Kritik von Künstlern zu hören. Niemand von den Künstlern erwartet bei 1 Mio Streams auch eine Mio Dollar, bei 0,6 Cent pro Stream würden wir Lüftsprünge machen.

Die Verluste könnten auch hausgemacht sein, denn Spotify gibt nach eigenen Aussagen 75% Ihres Umsatzes an Gebühren raus, dazu zählen auch die Label, die Anteilseigener sind wie Sony, Warner und Universal und sich auch aus dem Topf der Werbeeinnahmen bezahlen lassen und dementsprechend das Geld raus ziehen könnten, was jetzt natürlich Spekulation ist.

Es gibt einige Künstler und Independent Label, die Ihre Zahlen offen gelegt haben, man hätte zumindest ein wenig mehr recherchieren können. ;)

Antworten
Preisbildung

War es nicht so, das die Texter und Komponisten 3,50 Euro pro Radio-Abspielung bekommen und die Labels auch noch etwas und die Künstler nichts ? Wer öfter im Radio läuft, wird öfter fürs Schützenfest usw. gebucht (30-60 Minuten Halb-Playback und 1-2 Zugaben) und kriegt folglich mehr Einnahmen ?
Das klingt nach damals als Shakespeare mit der Tages-Zeitung eine Strichliste führte wie oft seine Stücke aufgeführt wurden und dann von den Theater-Gruppen seine Lizenzahlungen bekam. Gleiches für Komponisten und Lied-Texter.
Und die Schausteller und Musiker bekamen ihre Bezahlung gleich vom Publikum. Mit Aufnahme und späterem wiederholten Abspielen ist dann halt NEULAND(tm)....

Wichtig fände ich, das die Lizenzen nach gleichen Preislisten zu zahlen sind.

Neulich war der Chef von Xm-Radio(?) bei CNBC. Die sind in vielen Neuwagen eingebaut und die Abonnenten kriegen dann per Satellit werbefreies Radio. Die wären als Vergleich für Lizenzkosten auch interessant.

Antworten
marvin

Also, ich denke, es kommt darauf an, wie man's nutzt! Ich nutze es eigentlich eher um vorab in Alben reinzuhören und habe eher das Gefühl, mit Spotify noch mehr Musik zu kaufen… ;-)

Antworten
marlan

@ dot_SB

Ich finde die Vergütung von 70% eigentlich sehr fair, wenn man bedenkt, dass Spotify mit dem Vergütungsmodell derzeit noch hohe Verluste einfährt.
Die Einnahmen werden ja unter Umständen auch über extrem lange Zeiträume generiert ohne das der Musiker bzw. Rechteinhaber noch etwas dafür tun muss.
Davon abgesehen ist Spotify ja auch nur ein Vertriebskanal unter vielen (Itunes, Amazon, CD Verkäufe, Napster, Simpfy, Youtube, Gema etc.) aus denen der Rechteinhaber Einnahmen generiert.

Antworten
Robert

@dot_SB

ja stimmt, wer lesen kann....hatte da Tomaten auf den Augen.

Antworten
dot_SB

@ Robert:

$0.006 bis $0.0084 sind doch sehr wohl 0.6 Dollar-Cent bis 0.84 Dollar-Cent oder bin ich blind?

1.00 Dollar = 100 Cent;
0.01 Dollar = 1 Cent;
0.001 Dollar = 0.1 Cent

Scheint mir doch richtig zu sein im Artikel.

Wie dem auch sei - verblüffend wenig, was für die Künstler rauskommt. Und das Zitat "Für den Künstler sollte im Mittelpunkt stehen, wie er die Zahl der Streams maximieren kann." klingt für mich schon sehr höhnisch nach: "Naja, wenn die Putzfrau unterbezahlt ist, dann soll sie halt mehr putzen."

Dennoch wird diese Modell meiner Ansicht nach das Tonträger-Verdienst Modell der Zukunft sein. Alle Geräte greifen mobil auf Daten zu, das Handy schickt die Daten ans Auto, an die Stereo-Anlage und zurück etc. Digital wird die Zukunft sein und die Verfügbarkeit in der Cloud eng daran gekoppelt. Pay per View und Pay per Download sind da die naheliegenden Zahlungsarten.

Wenn sich keine ernste Konkurrenz zu Spotify entwickelt, werden sie die Marktmacht haben und Preise diktieren können. Ansonsten entstünde ein Wettbewerb und die Künstler können sich für die Plattform entscheiden, die sich am lukrativsten ist.

Antworten
Robert

Die Bezahlung pro Song 0,6 und 0,84 Cent ist falsch abgeschrieben.
im Original Spotifyartikel steht was von

"Recently, these variables have led to an average “per stream” payout to rights holders of between $0.006 and $0.0084."
http://www.spotifyartists.com/spotify-explained/

also das 100fache weniger

Grüße

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