Du hast deinen AdBlocker an?

Es wäre ein Traum, wenn du ihn für t3n.de deaktivierst. Wir zeigen dir gerne, wie das geht. Und natürlich erklären wir dir auch, warum uns das so wichtig ist. Digitales High-five, deine t3n-Redaktion

News

Veros schlüpfriges Geheimnis: Sorgten leichtbekleidete Influencer für den Durchbruch?

(Screenshot: Vero)

Eine App, die bereits seit fast drei Jahren existiert, entwickelt sich plötzlich zum Viralphänomen und erreicht in mehreren Ländern Platz 1 der App-Stores. Ist der Erfolg von Vero wirklich Zufall oder steckt dahinter geschicktes, gezieltes Marketing?

Eine umfangreiche Analyse von OMR zeigt: Kurz vor dem Anstieg der Download-Zahlen haben Hunderte von Nischen-Influencern auf Instagram und anderen Plattformen für ihre Vero-Accounts getrommelt. Viele von ihnen kommen aus der Kreativ-Szene, nicht wenige aber zeichnen sich auch durch Fotos mit knapper Bekleidung aus.

Ein „neues“ soziales Netzwerk, das seinen Content-Feed rein chronologisch anordnen und auf Werbung verzichten, sondern sich stattdessen vorrangig durch Abo-Einnahmen finanzieren will – jeder, der auch nur halbswegs digital-affin ist, dürfte in den vergangenen Tagen einmal diese oder eine ähnliche App-Beschreibung gehört und gelesen haben. Vero war plötzlich in aller Munde.

Ein Milliardär gibt das Geld

Dabei existiert das Betreiberunternehmen bereits seit einigen Jahren; die iOS-App ist seit dem Jahr 2015 verfügbar. Doch innerhalb der vergangenen Tage schoss die Anwendung innerhalb kürzester Zeit auf die vorderen Plätze. Das Berliner App-Analytics-Unternehmen Priori Data schätzt, dass die Vero-App über den App-Store und Google Play innerhalb der vergangenen 30 Tage weltweit 1,7 Millionen Mal heruntergeladen wurde. Woher rührt diese plötzliche Popularität?

Am 26. Februar stand Vero in elf Ländern erstmals auf Platz 1 in Apples App-Store, darunter USA, Kanada und Australien. In Deutschland und Großbritannien lag die App auf Platz zwei. (Grafik: Priori Data)

Gründer von Vero ist Ayman Hariri, Mitglied einer sehr wohlhabenden Familie aus dem nahen Osten. Das US-Magazin Forbes schätzt sein Vermögen auf 1,33 Milliarden US-Dollar. Die Mittel, um die App mit Marketing zu pushen, dürften also mehr als zur Genüge vorhanden sein.

Exklusive Vorab-Fotos kommender Filme

In den vergangenen Monaten setzen die Vero-Macher in diesem Zusammenhang vor allem darauf, hochrangige Macher aus Filmwelt und Popkultur davon zu überzeugen, attraktiven Content exklusiv auf Vero zu posten. Der wohl Namhafteste darunter: Der US-Filmregisseur Zack Snyder (unter anderem „300“, „Watchmen“, „Man of Steel“ und „Batman versus Superman: Dawn of Justice“) postet auf seinem Vero-Account Set-Fotos von aktuell in der Produktion befindlichen Filmen wie „Justice League“, die in der Szene der Comic-Fans viel beachtet und unter anderem in Blogs und auf Plattformen wie Reddit heiß diskutiert werden. Außerdem produzierte der Regisseur exklusiv für Vero einen Kurzfilm mit dem iPhone. Snyder und Hariri kennen sich, seitdem der Milliardär im Rahmen einer karitativen Aktion eine Statisten-Rolle in „Batman versus Superman: Dawn of Justice“ ersteigert hatte. Wer Snyder dauerhaft auf Vero folgen möchte, muss sich die App installieren – ein Web-Interface gibt es nicht.

Der Filmemacher und Kameramann Max Joseph ist seit einem guten Jahr ebenfalls bei Vero aktiv. Joseph (ein guter Freund von Mega-Influencer Casey Neistat) spielt in der beliebten MTV-USA-Serie Catfish mit. Im Frühjahr 2017 veröffentlichte er auf Vero die mehrteilige Doku-Reihe „Dicks“, die sich mit egozentrischen Regisseuren auseinander setzt.

Nischen-Influencer statt Top-Kreative?

Ebenfalls für exklusiven Content sorgen der Hollywood-Set-Fotograf Clay Enos („300“ und „Wonder Woman“) und der kanadische Musiker und Social-Media-Star Chris Collins. Im Januar dieses Jahres stellte Mark Waites, Mitgründer der in der Werbebranche berühmt-berüchtigten britischen Werbeagentur Mother, einen für Vero produzierten Kurzfilm vor. Im Februar folgte ein Kurzfilm des britischen Comedians und Schauspielers Asim Chaudry.

Doch möglicherweise hat dieser hochwertige Content nicht gereicht, um den Schneeball-Effekt zu erzielen, der notwendig ist, um eine App in den Mainstream zu katapultieren. Denn bis Ende Februar 2018 dümpelte Vero in den App-Store-Rankings ganz weit unten. Haben die Vero-Macher deswegen einen Strategie-Schwenk vollzogen?

Brutto-Reichweite von 70 Millionen Followern in fünf Tagen

Eine Auswertung des Instagram-Analyse-Tools InfluencerDB, die OMR exklusiv vorliegt, zeigt, dass die Zahl der Posts, die Influencer (also Accounts mit mindestens 15.000 Followern) auf der Bilder-Plattform mit Hashtags zum Thema Vero abgesetzt haben, Ende Februar plötzlich sprunghaft anstieg. Besonders häufig wurde der naheliegende Hashtag #vero verwendet.

(Grafik: InfluencerDB)

Die Gesamt-Follower-Zahl (also die Brutto-Reichweite) aller Influencer-Accounts auf Instagram, die zwischen dem 20. und 25. Februar auf der Plattform einen Post mit dem Hashtag #vero absetzten, beläuft sich auf 70,7 Millionen. Andere Posts zu Vero, bei denen die Influencer keinen Hashtag, der den App-Namen enhält, verwendet haben, sind in dieser Zahl noch nicht einmal enthalten. Am 26. Februar war die App in den USA erstmals auf Platz 1 des iOS-App-Stores. Sieht man sich an, welche Posts die meisten Likes gesammelt haben, und welche die follower-stärksten Accounts sind, die zu #vero gepostet haben, stößt man vor allem auf (im weiteren Sinne) Kreativ-Influencer: Illustratoren, Fotografen, Makeup-Artists und Tattoo-Influencer.

(Grafik: InfluencerDB)
(Grafik: InfluencerDB)

Finde einen Job, den du liebst

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Schreib den ersten Kommentar!

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.