Analyse

Der Irrsinn um Von Floerke hatte Methode

So geschniegelt sieht man Von-Floerke-Gründer Schirrmacher im Moment selten. In einer seiner Live-Sauf-Verkaufsshows präsentierte er sich kürzlich mit Gewehr in der Hand. (Screenshot: Facebook/Von Floerke)

Kein Irrsinn, sondern eiskaltes Kalkül trieb Von-Floerke-Gründer David Schirrmacher zu seiner Hetzjagd gegen Investor Frank Thelen. Die Analyse des Dramas um das DHDL-Startup.


Ein junger Mann, leicht derangiert wirkend, sitzt saufend und schimpfend vor der Kamera. Schließlich steht er auf, holt sein Jagdgewehr aus dem Safe und fuchtelt damit herum. Was sich wie eine Szene einer RTL-2-Nachmittagssendung liest, ist einer der Höhepunkte, oder eher Tiefpunkte, in der Schlammschlacht des Von-Floerke-Gründers David Schirrmacher gegen seinen mittlerweile Ex-Investor Frank Thelen. Und gleichzeitig die wohl abstruseste Form von TV-Shopping, die je ausgestrahlt wurde, denn jeder Ausfall wurde von Rabattcodes begleitet und generierte Umsatz.

Der Onlineshop des Mode-Startups war in Schieflage geraten und von der Insolvenz bedroht, dhdl-startup-ermittlung-1129844/">gegen Schirrmacher ermittelt die Staatsanwaltschaft. Womit Schirrmacher geradezu selbstmörderisch kokettierte. So hat sich der Gründer etwa am Flughafen von seinen Gläubigern und Kunden verabschiedet und angedeutet sich ins Ausland abzusetzen – versehen mit Rabattcode. Schirrmacher ist dabei keineswegs verrückt geworden, auch wenn seine Guerilla-Marketing-Strategie sich in jüngster Zeit mit frauenfeindlichen Posts eher in eine Kamikaze-Aktion verwandelt: Er handelt mit eiskalter Berechnung, um sich und sein Unternehmen zu retten.

Hier war die Welt noch in Ordnung, Von Floerke in der dritten DHDL-Staffel. (Screenshot: YouTube)

Frank Thelen loswerden

Das Auftreten von David Schirrmacher wirkte auf viele wie der reinste Wahnsinn: Kunden beleidigen und schnodderige Antworten waren zu Beginn des Dramas dabei noch die am wenigsten skurrile Entwicklung. Schirrmacher setzte wieder und wieder einen oben drauf.

Die Kommunikation entgleiste derart, dass sich nicht nur Thelen fragte, ob Schirrmacher noch in Kontakt mit der Realität stand. Denn der DHDL-Investor wurde mit einer beispiellosen Hasskampagne von Schirrmacher überzogen. Dabei ging es aber nicht nur um Hass und Wut.

Das ganze Theater sollte ein PR-Coup sein. Das ist aber nur ein Teil der Wahrheit. Schirrmacher erklärt im Gespräch mit t3n ganz offen, dass der Zweck der Thelen-Kampagne ganz genau der war, was seine „Frank-Thelen-muss-raus-Box“ andeutete: Ein rücksichtsloser Plan, der darauf abzielte, den Investor um jeden Preis loszuwerden. Aus Schirrmachers Sicht hatte der Investor ihn verraten. „Früher stand auf Hochverrat die Todesstrafe, heute stirbt man eben den medialen Tod“, erklärt er sein Vorgehen. Der Von-Floerke-Gründer hat Thelen in den sozialen Medien solange bedrängt, bis der entnervt das Handtuch warf und seine Anteile an den Von-Floerke-Gesellschafter Nic Mewes überschrieb.

Was hat zu dieser Strategie geführt und wie kam Schirrmacher auf die Idee, sein Unternehmen mit einer Art Kamikaze-Marketing zu retten?

50 Prozent mehr Umsatz mit Hasspostings

Ende 2018 waren von dem Unternehmen nur noch Trümmer übrig. Das Büro in Bonn aufgelöst, die Läden, die bis dahin defizitär gearbeitet und mit großen Personalfluktuationen zu kämpfen hatten, waren geschlossen. Von Floerkes Zahlungsdienstleister hatten die Guthaben eingefroren oder zurück an Kunden ausgezahlt und alle bezahlten Marketingkanäle waren gesperrt.

Schirrmacher stand vor der Aufgabe, ohne Performance-Marketing Umsatz zu generieren. Seine Hoffnung schien zu sein, das Unternehmen so lange am Leben zu erhalten, bis er sich mit seinen Gläubigern über einen Schuldenschnitt einigen konnte.

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3 Kommentare
Andreas Krüger
Andreas Krüger

Ihr hättet zumindest schreiben können wann das nächste Saufi-Sauf ist. ❤

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Daniel
Daniel

Ich finde es traurig, was Menschen mittlerweile tun, nur um Geld zu machen. Ethisch ist da nichts mehr vertretbares. Als selbst Unternehmerisch aktiver Mensch widern mich derartige Kampagnen an.

Solche Unternehmer schaden neugründern und sollten sich schnellstmöglich in der Arbeitslosigkeit finden. Marketing ist das nicht mehr. Und wer so Marketing betreibt, schadet der Unternehmenswelt nachhaltig.

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Frank Hofer

Da sieht man wieder, was für ein merkwürdiges Geschäft die Werbung ist. Große, von teuren Agenturen konstruierte Strategien floppen, und semi-menschlisches Gezeter generiert Umsatz. Daß man mit dem expliziten Hinweis auf mangelnden oder nicht vorhandenen Kundenservice tatsächlich Kunden anlockt klingt ziemlich krank, aber schon Iggy Pop fuhr ja in seinen frühen Jahren die gleiche Strategie…

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