News

Warum der neue Kuschelkurs vielen Fintechs und Banken hilft

Selbst Branchenelefanten wie die Deutsche Bank setzen mittlerweile auf die Zusammenarbeit mit Startups. (Bild: Deutsche Bank)

Lesezeit: 3 Min.
Artikel merken

Zauberwort Coopetition: In den vergangenen zwei Jahren hätten viele Banken ihre Einstellung gegenüber Branchenneulingen verändert, analysiert eine Studie. 30 Prozent planen sogar ein eigenes Startup.

Auf der einen Seite das traditionelle Bankhaus, auf der anderen das agile Fintech. Diese Grenze verschwimmt immer mehr, glaubt man dem „Branchenkompass Banking 2018“, den das Beratungsunternehmen Sopra Steria Consulting in Zusammenarbeit mit dem F.A.Z.-Institut herausgibt.

Und die Erklärung liefern die Studienautoren gleich mit: Dieser Trend, heißt es, sei die Folge einer „klaren Strategie”, die die Mehrheit der Kreditinstitute mittlerweile verfolge. Immerhin schon 64 Prozent der Banken würden „in irgendeiner Form mit einem Fintech zusammenarbeiten“.

Banken gründen eigene Startups

Mehr als jedes vierte Institut habe schon ein eigenes Startup gegründet, 30 Prozent würden eine „Fintech-Einheit” planen, sagt Sopra Steria. Ziel der etablierten Banken sei, „disruptive Verdrängungseffekte zu vermeiden”. Zudem sei es Ziel, Probleme mit der rückständigen eigenen IT durch das Auslagern von Aufgaben zu lösen.

„Es ist eine logische Folge, dass die Branche von Konfrontation auf Kooperation umgeschwenkt ist.”

Grundsätzlich seien es viele Banken, die ihre Einstellung gegenüber Startups aus dem Finanzsektor in den vergangenen zwei Jahren verändert hätten, schreiben die Studienautoren. 2016 hätten nur knapp ein Viertel der Bank-Entscheider einen Vorteil darin gesehen, Fintechs zu kaufen oder ihre Lösungen zu integrieren.

Fast fertig!

Bitte klicke auf den Link in der Bestätigungsmail, um deine Anmeldung abzuschließen.

Du willst noch weitere Infos zum Newsletter? Jetzt mehr erfahren

Jetzt, 2018, arbeite schon die Mehrheit mit einem oder mehreren Fintechs zusammen (30 Prozent), sei finanziell beteiligt (21 Prozent) oder habe selbst ein Startup gegründet (28 Prozent). Der technologische Aufholdruck sei groß, ist zu lesen. Die Banken hätten einsehen müssen, dass es zu lange dauere, bis die eigene IT und digitale Innovationen soweit seien, dass sie mit Fintech-Architekturen mithalten können. Deswegen sei es eine logische Folge, dass die Branche von Konfrontation auf Kooperation umgeschwenkt sei, sagt Matthias Frerichs, Leiter des Bereichs Digital-Banking von Sopra Steria Consulting.

Banken wollen Kundenschnittstelle modernisieren

Umgekehrt seien Fintechs aufgrund der oftmals (noch) fehlenden Banklizenz in vielen Fällen auf die Zusammenarbeit mit etablierten Banken angewiesen – was für beide Seiten Vorteile haben könne, wie es von Sopra Steria heißt. So erwarten immerhin 42 Prozent der Bank-Entscheider durch die mithilfe von Fintechs vorangetriebene Modernisierung an der Kundenschnittstelle eine Stärkung des eigenen Geschäfts.

Einige Fintechs, heißt es, stellen hierfür gezielt ergänzende Technologien und Services für Banken bereit. Idnow zum Beispiel, das Personenidentifikationen und Vertragsunterschriften per Videochat anbietet, liefert mit seinem Angebot einen speziellen Baustein in der Wertschöpfungskette der Banken.

Andere Fintech-Unternehmen spezialisieren sich zum Beispiel auf Hilfestellung für Banken in puncto Effizienz. Sie verkaufen zusätzliche Dienstleistungen, deren Entwicklung durch die Banken aufgrund der komplexen Unternehmensstrukturen langwierig und aufwendig wäre.

Der Anbieter Gini bietet beispielsweise durch seine Services zusätzliche Geschäftsprozesse. Das Startup extrahiert Daten aus Fotos und Scans. Dadurch können Bankkunden eine im Voraus ausgefüllte Überweisungsmaske im Onlinebanking verwenden. 47 Prozent der befragten Bank-Entscheider sehen in der Effizienzsteigerung bei Prozessen und im Backoffice das größte Potenzial einer Zusammenarbeit mit Fintechs, schreiben die Studienautoren.

Coopetition-Strategie von Banken und Startups

Die sogenannte Coopetition-Strategie, also eine gesunde Mischung aus Zusammenarbeit und Wettbewerb bei Banken und Fintechs, komme allerdings nicht von ungefähr, wie Sopra Steria feststellt. Beide Seiten, heißt es, wollen verhindern, dass ihnen die Tech-Unternehmen aus den USA und aus Fernost das Geschäft streitig machen.

Mehr als jeder dritte Bankmanager sehe diese Plattformen durch ihre wachsende Kundenmacht als Konkurrenz. Mit Baidu, Alibaba und Tencent (BAT) wollen zudem drei Internetfirmen aus China den Bankenmarkt in Deutschland und Europa aufrollen.

Konkurrenten beim Kundenzugang

Bei aller Zusammenarbeit würden Banken und Fintechs allerdings grundsätzlich Wettbewerber bleiben, wenn es um den Kontakt zum Kunden geht, schreiben die Autoren. All jene Startups, die durch kundenzentrierte, preisgünstige Lösungen in direkte Konkurrenz zu etablierten Kreditinstituten treten, würden häufig solche Partner aus dem klassischen Banking suchen, die dann lediglich als reiner Infrastrukturanbieter fungieren.

Ein Beispiel dafür sind Peer-to-Peer-Kreditvergabeplattformen, die Kredite zwischen Privatpersonen vermitteln und Banken nur noch als Abwickler benötigen. Hier verlieren die klassischen Finanzinstitute den Kundenzugang. Auxmoney etwa behauptet sich erfolgreich mit diesem Geschäftsmodell. Aber auch Paypal reduziert die Bank auf eine Rolle als reiner Abwickler.

Die 20 schönsten Büroräume der Tech-Welt
Das Office von 22squared.

1 von 86

„Banken sind gefordert, Ausrichtung und Geschäftsmodell zu schärfen. Die Beteiligungen an mehreren kleinen statt großen Fintechs sowie Neugründungen eigener Startups wie im Juni die Code-Factory der DKB deuten darauf hin, dass viele Banken auf ein Verschmelzen setzen, um sich langfristig als Tech-Bank oder Internetplattform mit Banklizenz aufzustellen“, sagt Matthias Frerichs von Sopra Steria Consulting.

Für den „Branchenkompass Banking 2018“ hat das beauftragte Marktforschungsinstitut Research Now im Frühjahr 2018 109 Fach- und Führungskräfte von Banken mit Bilanzsummen über 500 Millionen Euro befragt. Teil der Studienergebnisse seien zudem vier vertiefende Interviews mit Entscheidern aus Banken und Sparkassen sowie dazugehörigen IT-Unternehmen gewesen, heißt es.

Das könnte dich auch interessieren

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

Ein Kommentar
Peter
Peter

Können sich halt nicht mehr auf miesen Service und hohen Gebühren ausruhen. Allein, dass ich für das Girokonto bei manchen Banken noch zahlen muss oder Extraleistungen gleich Geld kosten, ist einfach lächerlich.

Antworten

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!

Hallo und herzlich willkommen bei t3n!

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team von mehr als 75 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Schon jetzt und im Namen der gesamten t3n-Crew: vielen Dank für deine Unterstützung! 🙌

Digitales High Five
Holger Schellkopf (Chefredakteur t3n)

Anleitung zur Deaktivierung

Artikel merken

Bitte melde dich an, um diesen Artikel in deiner persönlichen Merkliste auf t3n zu speichern.

Jetzt registrieren und merken

Du hast schon einen t3n-Account? Hier anmelden

oder