Analyse

Web 3 – der Anfang vom Ende der Plattformökonomie ist dezentral

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Nutzerdaten dezentralisieren

Einer der wohl wichtigsten Bereiche, die dezentralisiert werden sollen, dreht sich um das Speichern von Daten. Wer heute das Internet nutzt, kommt kaum umhin, seine Daten anderen Unternehmen anzuvertrauen. Dabei kann einiges schief gehen, wie diverse Vorfälle der vergangenen Jahre gezeigt haben, bei denen Hacker Datensätze von Millionen von Nutzern gestohlen haben.

Einer der großen Vorteile der Blockchain ergibt sich daraus, dass Nutzer Dienstleistungen in Anspruch nehmen und Apps verwenden können, ohne die Hoheit über ihre Daten aufgeben zu müssen. Dass das funktioniert, zeigt beispielsweise Storj. Dabei handelt es sich um ein dezentrales Pendant zu Dropbox, das Daten zerstückelt, die Stücke verschlüsselt und sie auf die unterschiedlichen Knoten des Netzwerks verteilt. Nutzer, die dafür Speicherplatz auf ihrem persönlichen Rechner zur Verfügung stellen, erhalten im Gegenzug Einheiten der zugehörigen Kryptowährung. Weitere Projekte, die in eine ähnlich Kerbe schlagen sind Swarm, Maidsafe und das Interplanetary File System (IPFS).

Viele dezentrale Projekte setzen darauf, Nutzer für das Bereitstellen von Infrastruktur zu belohnen, um eine kritische Masse für den Erfolg zu erreichen. Wer zum Beispiel bei Storj anderen Nutzern Speicherplatz zur Verfügung stellt, wird mit einem vorher definierten Betrag einer Kryptowährung bezahlt. (Bild: Storj)

Dezentrales DNS

Ein weiterer Bereich des Internet, der ebenfalls von einer Dezentralisierung profitieren würde, ist das Domain-Name-System (DNS). Vereinfacht gesagt verwandeln spezielle Server die von Computern einfach zu verstehenden IP-Adressen von Websites in für Menschen einfach zu lesende Adressen wie zum Beispiel t3n.de.

In den Anfangstagen des Internet lag auf vernetzten Computern die Textdatei HOSTS.TXT, in der die Netzwerkadressen von bekannten Computern in für Menschen lesbarem Format gespeichert war. Je umfangreicher das Internet wurde, desto umständlicher wurde diese Methode. So wurde Mitte der 1980er Jahre das Domain-Name-System ins Leben gerufen. Das System ist hierarchisch aufgebaut, und obwohl jeder Nutzer einen eigenen DNS-Server aufsetzen kann, hat sich über die Jahre eine Industrie rund um DNS etabliert, die mittlerweile stark zentralisiert ist.

Das Ganze ist so zentral, dass auch im Bereich DNS mittlerweile der Supergau nicht ausgeschlossen ist. So wurde 2016 beispielsweise der DNS-Provider Dyn mittels DDoS angegriffen, was zur Folge hatte, dass beliebte Seiten wie Netflix, Twitter, Reddit und Github für Nutzer bestimmter Regionen in den USA nicht mehr erreichbar waren. Einige Projekte wie Blockstack, Nebulis, Namecoin und andere arbeiten daran, derartige Gefahren mit Hilfe eines dezentralen Ansatzes für DNS zu minimieren und diesen Ansatz mit der Dezentralisierung zusätzlicher Bereiche zu kombinieren.

Im Internet sind DDoS-Angriffe keine Seltenheit. Durch eine verteilte Struktur könnte das Web 3 die Gefahr von Server-Ausfällen für Seitenbetreiber minimieren. (Bild: Gladius)

Gladius ist ein weiteres Beispiel dafür. Das Blockchain-Startup arbeitet an einem dezentralen Content-Delivery-Network und fokussiert sich auf die Verhinderung von DDoS-Attacken. Dafür setzt das Unternehmen auf die Blockchain, um Dateien auf viele unterschiedliche Computer im Netzwerk zu verteilen. Nutzer können nicht benötigte Rechenzeit, Bandbreite und Speicherplatz vermieten, um Websites zu hosten und erhalten dafür eine entsprechende Kryptowährung als Belohnung. Hierfür setzt Gladius auf Smart Contracts, die auf der Ethereum-Blockchain laufen.

Eine dezentrale Alternative zum etablierten DNS-System würde prinzipiell auch die Gefahr von Zensur eindämmen. Das lässt sich sogar noch weiter treiben, wie beispielsweise das Orchid Protocol beweist, das klassische VPN neu denkt. Auch Orchid setzt darauf, dass Nutzer anderen Nutzern nicht benötigte Bandbreite zur Verfügung stellen.

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