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New Work: „Es gibt sehr, sehr alte junge Leute und sehr, sehr junge alte Leute“

(Screenshot: t3n)

Mit dem Video-Format ChangeRider wollen Philipp Depiereux und t3n den Menschen die Angst vor der Digitalisierung nehmen. Der aktuelle Interviewgast: Rosa Riera.

In der neuen Folge des Video- und Podcastformats Changerider von Etventure-Gründer Philipp Depiereux und t3n erzählt dieses Mal Rosa Riera, bis vor kurzem VP Employer-Branding & Social Innovation bei Siemens, wie sich der Technologiekonzern bereits digital transformiert hat, warum das Mindset immer ein wichtiges Thema ist und wie sich Siemens als (zukünftiger) Arbeitgeber präsentiert.

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Die Changerider-Fahrt startet direkt vor dem imposanten Siemens-Gebäude in München. Bei dem Konzern war Rosa Riera fast 15 Jahre in unterschiedlichen Bereichen tätig, zuletzt als VP Employer-Branding & Social Innovation. Was kann man sich darunter vorstellen? In dieser Rolle war Riera für die Siemens-Arbeitgebermarke verantwortlich, zum einen für die Außendarstellung des Technologiekonzern und zum anderen für interne Themen: Wie können HR-Prozesse neu gedacht werden, welche neuen Impulse kann man in diesem Bereich setzen?

Siemens mitten in der Transformation

HR 4.0 – wie sieht die Zukunft im Bereich der digitalen Personalentwicklung aus? „Ich glaube, wir müssen überall noch einmal ran, wir sind noch lange nicht am Ende. Wo wir uns aber wirklich schon sehr wohl fühlen, sind Themen rund um die HR-Technologie und was wir dort schon erreicht haben“, antwortet die Unternehmerin. Dazu zählen Themen wie etwa die Digitalisierung der Prozesse oder die Demokratisierung der Daten und weitere Punkte rund um Kultur, Leadership, Diversity sowie New Work.

Der Technologiekonzern hat bereits früh damit angefangen, Prozesse zu digitalisieren: Papierprozesse wurden erstmals elektronisch abgebildet, mehr wurde vorerst aber nicht verändert. „Bei einem Unternehmen mit mehr als 300.000 Mitarbeitern ist das ein Riesen-Aufwand, weil bei Veränderungen nicht nur drei Leute mit eingebunden sind“, so Riera. Nichtsdestotrotz habe sie sich davon nicht abschrecken lassen und die HR-Systeme neu aufgesetzt. „Ich kann alle beziehungsweise immer mehr Prozesse jetzt auch 24/7 von meinem Smartphone aus anstoßen, freigeben und muss niemanden mehr warten lassen. Auch für mich selbst bedeutet das viel weniger Stress.“

„Die Zukunft ist schon da. Sie ist nur noch nicht gerecht verteilt“

Und wo steht Siemens beim Thema New Work? Für junge Unternehmen, die ohnehin eine Startup-DNA haben, stellt eine Umstellung auf Vertrauensarbeitszeit kein großes Problem dar. Allerdings verläuft der Wandel nicht bei jedem Unternehmen so reibungslos.

Wie weit ist Siemens im Transformationsprozess? Was das Thema New Work betrifft, bezieht sich Riera gerne auf ein treffendes Zitat des amerikanisch-kanadischen Autors William Gibson: „Die Zukunft ist schon da. Sie ist nur noch nicht gerecht verteilt.“ Das Thema Homeoffice spiele schon seit längerer Zeit eine wichtige Rolle bei Siemens. Es gebe hierfür sogar eine Gesamtbetriebsvereinbarung, die besagt, dass, natürlich in Absprache mit Kollegen, 20 Prozent der Arbeitszeit ohne Angabe von Gründen im Homeoffice geleitest werden dürfen. „Themen wie Vertrauensarbeitszeit und Homeoffice sind eigentlich kein Problem, aber wie ist die Kultur im Team? Und daran merken wir auch, dass wir so viele Prozesse und Policys einführen können wie wir wollen, wenn wir nicht zunächst einmal anders denken. Das Mindset ist also ein wichtiges Thema.“ Die Weichen für das Homeoffice seien bei Siemens gestellt, nur komme es immer auf das richtige Mindset und die Kultur im jeweiligen Team an, wie sehr New Work ausgelebt und vorangetrieben werden könne.

Ganz nach dem Motto „einfach mal machen“ ist eines ihrer Lieblingsbeispiele ein HR-Bot, den sie vor einigen Jahren im Rahmen einer globalen HR-Konferenz innerhalb weniger Stunden gebaut haben. Bei dieser Konferenz wurde ein Mini-Hackathon gestartet mit dem konkreten Ziel, ein Produkt zu entwickeln. Innerhalb kürzester Zeit hat ein Team einen Bot gebaut, der für die Bearbeitung von HR-Anfragen zuständig war. „Damals ist dann dieser Aha-Moment entstanden: Wir können innerhalb so kurzer Zeit einen rudimentären Bot bauen, dann kann das doch nicht so schwer sein, wirklich etwas zu entwickeln“, so Riera.

Inzwischen gibt es Carl, einen digitalen Assistenten, der HR-Anfragen wie Urlaubszeiten oder Fragen rund um eine Versetzung beantworten kann. „Am Anfang war das Tool natürlich etwas ‚clunky‘ und musste dazulernen. Das Team hat agil zusammengearbeitet und geschaut, wie wir es weiter und weiter verbessern können. Inzwischen ist der Bot sehr gut und wird mittlerweile in zehn Ländern eingesetzt. Alle IT-Prozesse, die zu dieser HR-Innovation geführt haben, hätten wir in der Art und der Geschwindigkeit nicht geschafft, wenn wir nicht auch in diesem Bereich angefangen hätten, neu zu denken.“

„Wir wollen einen Dialog starten über die Zukunft und das, was es braucht, um in diese Zukunft zu kommen.“

Auch in dem Bereich Branding denkt Siemens neu: Ihre Arbeitgebermarke besteht nicht etwa in Corporate Messages. Ihre ganze Arbeitgebermarke besteht darin, Mitarbeiter als die „Helden von Siemens“ ihre ganz persönlichen Geschichten erzählen zu lassen. „Siemens sagt nicht ‚Wir sind die Größten, Tollsten, Besten …‘ Das Einzige, was wir machen: Wir porträtieren viele unterschiedliche Menschen. Warum? Weil wir so ein großes Unternehmen sind und uns so oft verändert haben, dass viele gar nicht wissen, wofür wir stehen und was wir eigentlich machen.“ Riera beklagt, dass Siemens fälschlicherweise oft als sehr distanziert, kalt und hierarchisch wahrgenommen werde. „Wenn man aber das Team kennenlernt, merkt man, dass man von sehr herzlichen Kollegen umgeben ist, die an tollen Dingen arbeiten und das Unternehmen nicht nur aus dem Stereotyp besteht“, so Riera. Inzwischen hat Siemens in über 150 Storys weltweit von Kolleginnen und Kollegen in den unterschiedlichsten Momenten ihrer Karriere berichtet.

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