Du hast deinen AdBlocker an?

Es wäre ein Traum, wenn du ihn für t3n.de deaktivierst. Wir zeigen dir gerne, wie das geht. Und natürlich erklären wir dir auch, warum uns das so wichtig ist. Digitales High-five, deine t3n-Redaktion

Kolumne

World Wide Web und Internet – was ist eigentlich der Unterschied?

Kürzlich feierte Facebook „25 Jahre Internet“ und lag damit komplett daneben. Was den Unterschied zwischen World Wide Web und Internet ausmacht. Die Neuland-Kolumne von Stephan Dörner.

Immer wieder werden die beiden Begriffe World Wide Web, kurz WWW, und Internet durcheinandergeworfen. Facebooks jüngste Aktion zur Feier von „25 Jahren Internet“ dürfte zur weiteren Verbreitung des Irrtums beitragen. Dabei ist das WWW nur ein Teil des Internets – ein Anfang der 1990er Jahre erfundener Dienst, der über das Internet funktioniert und dieses gleichzeitig populär machte.

Zum Web gehören die Teile des Internets, die via Webbrowser wie Google Chrome oder Mozilla Firefox aufgerufen werden. Die Adressen beginnen dabei immer mit „http://“ oder in der verschlüsselten Variante mit „https://“. Die verschiedenen Protokolle zum Transport von E-Mails beispielsweise, das Datei-Austausch-Protokoll FTP, aber auch die Datenkommunikation von Apps gehören zwar zum Internet, nicht aber zum Web.

Was ist eigentlich eine Web-App?

Wobei, ganz so einfach ist es auch wieder nicht. Zur Verwirrung trägt sicher auch bei, dass viele Internet-Dienste wie etwa E-Mail seit vielen Jahren häufig über das Web genutzt werden. Eine E-Mail gelangt beispielsweise über das E-Mail-Protokoll SMTP in das Postfach eines Empfängers – und der ruft diese E-Mail dann über eine Website ab, zum Beispiel die von Googles E-Mail-Dienst Gmail. So landen viele Inhalte des Internets am Ende doch im Web.

Und auch bei Apps auf dem Smartphone ist die Sache nicht ganz so einfach: Nicht wenige Apps sind lediglich eine Art Hülle für Inhalte aus dem Web. Diese funktionieren also im Grunde wie ein Webbrowser, der nur die Inhalte einer bestimmten Website anzeigt – im Hintergrund werden die Inhalte aus dem Web geladen. Auch hier verschwimmt also die Grenze zwischen Web und anderen Internet-Diensten.

Dennoch bezeichnet das World Wide Web immer noch einen spezifischen Dienst des Internets. Daneben gibt und gab es noch viele weitere: Neben den diversen E-Mail-Protokollen und FTP beispielsweise auch SSH zum Steuern von Servern oder Gopher – eine Art frühe Konkurrenz zum Web, die heute keine Rolle mehr spielt. Die ersten Versionen von Microsofts Internet Explorer oder Mozillas Firefox konnten sogar noch Gopher-Seiten ansteuern. Auch heute noch gibt es Plugins für den Firefox, um Gopher-Seiten aufrufen zu können.

Die Geschichte des Internets beginnt 1969, die des WWWs 1989

Grundlage all dieser Dienste ist das Internet – und dessen Geschichte beginnt schon viel früher: 1969 sorgt ein Projekt des US-Verteidigungsministeriums dafür, dass erste Großrechner mit dem Arpanet, dem militärischen Vorläufer des Internets, verbunden werden. Anfang der 1970er Jahre entwickeln unter anderem die Internet-Pioniere Vint Cerf und Bob Kahn eine frühe Version des Internet-Protokolls TCP, um eine gemeinsame Sprache für die Kommunikation zwischen Computer-Netzwerken zu finden.

Auf dem Bild zu sehen sind WWW-Erfinder Tim Berners-Lee (links) und Vincent Cerf, einer der Urväter des Internets.

1990 begann die Kommerzialisierung des Internets, wodurch auch Organisationen und Privatleute abseits von Forschungseinrichtungen und Militär Zugang bekommen konnten. Ab etwa 1989 entwickelte der CERN-Forscher Tim Berners-Lee das World Wide Web. Am 12. März 1989 veröffentlichte er erste Website der Welt online, die bis heute unverändert ist.

Doch erst ab 1993 wurde das Web einer breiteren Öffentlichkeit bekannt: Der erste grafikfähige Browser für das Web namens NCSA Mosaic war jetzt verfügbar. Ende 1994 folgte der Netscape Navigator von Marc Andreessen, einer der beteiligten Entwickler an Mosaic. Codename des Navigators war „Mozilla“, ein Kombination aus „Mosaic“ und „Killer.“

Weil erst das Web das Internet so richtig populär machte, wird es bis heute gerne mit diesem verwechselt. Aber auch andere Dienste wie E-Mail verbreiteten sich mit dem Siegeszug des Internets in breiten Teilen der Bevölkerung.

Das Web ebnete dem Siegeszug des freien und offenen Internets damit auch in Konkurrenz zu geschlossenen Plattformen wie den Foren- und Chat-Räumen von Diensten wie AOL oder Compuserve den Weg. Anders als bei diesen proprietären Diensten kann im offenen und freien Internet jeder ohne Vorkontrolle Informationen nicht nur abrufen, sondern auch anbieten.

„Appisierung“ drängt das WWW zurück

Durch die „Appisierung“ des Internets von Diensten wie Facebook oder Snapchat sehen manche dieses Prinzip im Netz inzwischen wieder in Gefahr. In gewisser Weise haben heute Unternehmen wie Facebook oder Snapchat die Rolle von AOL und Compuserve in den 1990er Jahren eingenommen: Sie kontrollieren auf den Plattformen, wer welche Inhalte einstellen darf. Und wer keinen Account besitzt, kann im Falle von Facebook viele und im Falle von Snapchat alle Inhalte überhaupt nicht sehen.

Das WWW hat als neutrale Vermittlungsplattform riesige Plattform-Betreiber wie Google, Amazon und Facebook geschaffen. Gleichzeitig wird gerade innerhalb der Europäischen Union die Neutralität des Internets insgesamt immer lauter von Politik und Telekommunikationsunternehmen infrage gestellt.

25 Jahre World Wide Web sind daher nicht nur ein Grund zum Feiern, sondern auch ein Moment zum Innehalten: Was hat uns das WWW gebracht – und wie erhalten wir sein Erbe in einer Welt, die immer stärker von wenigen großen Plattformen dominiert wird?

Mehr zum Thema:

Finde einen Job, den du liebst

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

3 Reaktionen
Frank

Wenn wir schon beim Klugscheißen sind, dann landet die E-Mail per SMTP im Postfach des Empfängers, per IMAP würde es im E-Mail-Client landen.

Antworten
Stephan Dörner

Du hast recht -– versendet werden Mails auch bei Verwendung von IMAP immer noch via SMTP. Habe ich korrigiert, danke!

Antworten
Konto Erstellen

Wenn wir schon beim Klugscheißen sind, dann empfehlen wir, uns nochmal haargenau die detaillierte Funktionsweise von POP + IMAP + SMTP durchzulesen - bspw. bei Wikipedia ;-) ;-)

https://de.wikipedia.org/wiki/Internet_Message_Access_Protocol

Der echte Spezialist, kennt natürlich die Protokollspezifikationen auswendig ;-) ;-)

Antworten

Melde dich mit deinem t3n-Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Abbrechen