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Interview

Zalando-Chef: „Das Spotify der Mode werden“

Moritz Hau, Country Manager Deutschland bei Zalando, erklärt, wie sich das Unternehmen zur digitalen Plattform wandelt. (Foto: Zalando).

Zalando-Deutschland-Chef Moritz Hau hat ehrgeizige Pläne. Im t3n-Interview erklärt er, warum es ihm nicht mehr reicht, ein klassischer Online-Händler zu sein und wie Zalando zur Mode-Plattform wird.

Für die meisten Endkunden ist Zalando immer noch der Online-Händler für Kleidung und Schuhe mit den schrillen Anzeigen. Doch das Berliner Unternehmen ist auf dem Weg zum vollwertigen Ökosystem, zu einer digitalen Plattform. Was das genau für den Markt bedeutet, haben wir mit Moritz Hau besprochen, dem Deutschland-Chef von Zalando, der gestern die aktuellen Zalando-Zahlen und -Prognosen bekannt gab.

t3n.de: Was verbirgt sich hinter dem Plattformgedanken, dem Konzept der digitalen Plattform, wie Sie es für Zalando realisieren?

Wir wollen ein Betriebssystem für Mode werden. Mode ist ein sehr fragmentierter und komplizierter Markt. Ein gewisser Prozentsatz wird über den stationären Kanal verkauft. Etwa 80 Prozent aller Modeartikel befinden sich dort und stehen online gar nicht zur Verfügung. Ich muss also als Kunde tatsächlich vor Ort suchen, ob der Artikel, den ich möchte, in der gewünschten Farbe und Größe vorhanden ist.

Betriebssystem der Mode heißt aber auch, dass wir nicht nur die Händler und Käufer zusammenbringen wollen, sondern auch die Berater und Stylisten, die einem die Wahl abnehmen, ebenso wie Same-Day-Delivery-Dienste, die Ihnen die Sachen liefern oder auch Änderungsschneidereien, die die Ware abholen und an Ihre Bedürfnisse geändert zurückbringen. Also all die Dienstleister, die die relativ komplexe Welt der Mode vereinfachen wollen.

t3n.de: Steht die Zalando-Plattform jedem Händler und jeder Marke offen und was sind die Kriterien, die Sie anlegen?

Wir verstehen uns als geschlossener Marktplatz. Zum einen muss der Händler oder Partner imstande sein, unsere Serviceversprechen (100 Tage Rückgaberecht, schnelle Lieferung etc.) einzulösen. Gleichzeitig muss die Marke auch in unser Sortiment passen.

Wir arbeiten auf verschiedene Weisen mit Markenpartnern zusammen: zum Beispiel mit lokalen und internationalen Modemarken wie Adidas oder mit bekannten größeren Mode-Handelsketten, die bereits einen bestehenden E-Commerce-Auftritt und ein gut entwickeltes Warenwirtschaftssystem haben. Die Markenpartner stellen ihr Sortiment über die Zalando-Plattform zur Verfügung und die Kundenbestellung wird dann aus dem Logistikzentrum des Partners geliefert. Seit Sommer letzten Jahres testen wir auch die Anbindung des Sortiments aus stationären Geschäften der Partner – zum Beispiel mit zwei Adidas Stores in Berlin.

Eine Kategorie, die ich für die Zukunft besonders spannend finde, sind klassische Einzelhändler, physische Läden. Da haben wir eine Kooperation mit Gaxsys, einem Dienstleister, der eine Art Auftragsabwicklungssoftware für klassische Einzelhändler bereitstellt. Im Moment arbeiten wir im Pilotprojekt mit über 40 Händlern hierüber zusammen. Für die sind wir ein zusätzlicher Vertriebskanal, für den Kunden eine Chance auf schnelle Lieferung. Und für uns wird das Sortiment dadurch tiefer, was wiederum auch dem Kunden nutzt.

Die Strategie von Zalando reicht weiter, als nur Kleidung in ein Paket zu packen und zum Kunden zu transportieren. (Foto: Zalando)

t3n.de: Händler haben oft die Befürchtung, dass die Kundenloyalität auf Plattformen mehr der Plattform als dem Händler gilt. Kann Zalando die Befürchtung entkräften?

Zunächst einmal denke ich, dass die Kunden die größte Loyalität der Herstellermarke und nicht dem Händler entgegenbringen. Wir sehen, dass es für viele Kunden zweitrangig ist, woher sie eine Ware erhalten, sofern sie die Ware zu den Konditionen und mit dem gewohnten Serviceniveau bekommen. Letztendlich ist es für die Händler ein zusätzlicher Absatzkanal und bei weitem nicht der einzige. Der stationäre Handel hat ja gerade bei Mode weiterhin seine Berechtigung.

Für Markenpartner, die ein eigenes Online-Geschäft führen, um ihren eigenen Namen und Webshop zu promoten, geht die Rechnung aber ebenfalls auf. Denn sie können einen Markenauftritt bei uns gestalten, einen Brand-Shop betreiben und ihren USP hervorheben.

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